Donnerstag, 22. Februar 2018

13. Februar 2018 19:35 Uhr

Germany's Next Topmodel 2018

Protest-Video gegen GNTM: "Schönheit ist nicht begrenzt"

Mit ihrem Video "Not Heidis Girl" hat die Schauspielerin Lara-Maria Wichels einen viralen Hit gelandet. 20 Mädchen prangern darin Heidi Klums Show an. Wie es zu der Idee kam.

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Lara-Maria Wichels ist die Regisseurin des Videos und selbst Schauspielerin.
Foto: Pinkstinks

„Ich habe heute leider kein Bild für dich“: Diesen Satz bekommen die Zuschauer von „Germany‘s Next Topmodel“ (GNTM) nun wieder Woche für Woche zu hören. Vergangenen Donnerstag ging die Castingshow in ihre 13. Runde. Doch zum Sendestart formiert sich Widerstand: Die Schauspielerin Lara-Maria Wichels hat gemeinsam mit der feministischen Organisation Pinkstinks das Protest-Video „Not Heidis Girl“ („Nicht Heidis Mädchen“) gedreht. „Ich bin mehr als mein Aussehen", singt eine der 20 Schülerinnen, die sich gegen die von „Germany‘s Next Topmodel“ verbreiteten Schönheitsideale wehrt. Rein auf das Äußere reduziert zu werden: Als Schauspielerin kennt die 25-jährige Wichels dieses Gefühl nur zu gut, wie sie im Interview erklärt.

Frau Wichels, Ihr Video „Not Heidis Girl“ steht seit einer Woche auf der Videoplattform Youtube. Mittlerweile hörten den Song mehr als 170.000 Menschen. Hat Sie die Resonanz überrascht?

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Lara-Maria Wichels: Ja, vor allem freue ich mich über die vielen positiven Rückmeldungen auf Facebook, Instagram oder Youtube.

Nicht jeder Nutzer scheint das Projekt zu unterstützen. Schon nach kurzer Zeit mussten Sie die Kommentarfunktion auf Youtube deaktivieren. Wie kam es dazu?

Wichels: Leider nutzen manche Menschen den Deckmantel der Anonymität auf Youtube und beleidigten die Schülerinnen in dem Video. Vor solchen Beschimpfungen kann man nie gewappnet sein. Wir haben die Kommentare umgestellt, um die Mädchen und Jungs zu schützen.

Sie wollte einen coolen Protest gegen GNTM machen

Das Video kam in Zusammenarbeit mit der Hamburger Organisation Pinkstinks zustande, die sich gegen Geschlechterklischees einsetzt. Wie entstand die Idee dazu?

Wichels: Der Wunsch, eine Art coolen Protest zu „Germany’s Next Topmodel“ zu machen, war schon lange da. Seit zwei Jahren engagiere ich mich bei der Organisation Pinkstinks. Deren Web-Redakteur Marcel Wicker hat ein Protestlied komponiert. Im Zuge eines Theaterprojekts habe ich dann die Schülerinnen getroffen, die im Video zu sehen sind. Ich habe die Mädchen gefragt, ob sie nicht Lust haben, mit mir das Youtube-Video zu drehen. Sie waren sofort dabei. Eine Hamburger Schule bot dann einen Samstag lang ihr Gebäude als Drehort an. Innerhalb eines Tages konnten wir das Video abdrehen.

Als Schauspielerin wird man oftmals auf sein Äußeres reduziert. Haben Sie bereits ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Kandidatinnen bei „Germany’s Next Topmodel“ ?

Wichels: Mich hat der Schönheitsdruck in Film und Fernsehen schon immer gestresst. Da ich eine Zeit lang in einer Fernsehserie mitgespielt habe („Rote Rosen“, Anm. der Redaktion), stand ich viel in der Öffentlichkeit. Immer musste man perfekt aussehen. Und wenn es mal nicht so war, dann hat man das auch zu spüren bekommen.

Wie denn?

Wichels: Zum Beispiel, indem jemand meine Figur kommentieren musste, wenn ich mal zugenommen habe. Das belastete mich sehr. Und das war auch der Grund, weshalb ich einen eigenen Youtube-Kanal gestartet habe, in dem ich mich gegen das eingeschränkte Frauen- und Männerbild in Film und Fernsehen einsetze.

Heidi Klums Show fasziniert immer noch viele junge Frauen

Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrem Video und dem Song „Not Heidis Girl“ an junge Frauen und Mädchen vermitteln?

Wichels: Ich will ihnen vor allem zwei Sachen mitgeben: zum einen, dass Vielfalt Schönheit bedeutet, und zum anderen, dass Schönheit nicht begrenzt ist. Die Schülerinnen in dem Video haben den Mut bewiesen, ihrer Individualität Ausdruck zu verleihen. Mein Wunsch wäre es, dass Mädchen mehr Vertrauen in ihre eigenen Stärken haben.

Warum fasziniert „GNTM“ immer noch so viele junge Frauen?

Wichels: An sich ist die Sendung spannend anzuschauen. Es ist cool, Fotoshootings in der Karibik zu machen. Aber die Show lebt den Mädchen eine völlig falsche Welt vor. Eine Welt, in der man nichts wert ist, wenn man nicht besonders hübsch aussieht. Und leider nehmen viele Zuschauerinnen das für bare Münze.

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Ein Artikel von
Dorina Pascher

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin


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