Freitag, 22. September 2017

08. Dezember 2016 17:00 Uhr

Trailer und Kritik

"Salt and Fire": Werner Herzogs Film ist sehr weit hergeholt

Eine Wissenschaftlerin wird erst entführt und dann in einer Salzwüste ausgesetzt - zusammen mit zwei blinden Kindern. Trailer und Kritik zu Werner Herzogs Öko-Thriller "Salt and Fire".

i

Veronica Ferres als Laura Sommerfeld in einer undatierten Szene aus dem Film "Salt and Fire".
Foto: Camino Filmverleih/dpa

Dass etwas schiefgelaufen ist, deutet sich schon am Flughafen an: Das Gepäck der Wissenschaftdelegation um Laura Sommerfeld (Veronica Ferres) taucht nicht auf, ebenso wenig wie der angekündigte Umweltminister. Dafür aber bewaffnete Männer, die sich als Mitarbeiter der Regierung vorstellen. Die drei Forscher, die einer Umweltkatastrophe in Bolivien auf der Spur sind, lassen sich von ihnen ins Landesinnere bringen - und werden entführt.

"Salt and Fire" mit Veronica Ferres: Ein Öko-Thriller im Kino

Der deutsche Regisseur Werner Herzog bringt mit «Salt and Fire» nach zahlreichen Dokumentarfilmen nun einen Öko-Thriller auf die Leinwand. Ab 8. Dezember läuft der Streifen in den deutschen Kinos. Dabei bleibt Werner Herzog seinen Vorlieben treu: Herzog porträtiert gern Menschen, Situationen und auch Landschaften der Extreme. Zuletzt inszenierte er etwa Nicole Kidman als Wüstenforscherin Gertrude Bell bildgewaltig in «Königin der Wüste». Extreme Situationen und extreme Naur - in «Salt und Fire» wird das auf die Spitze getrieben.

ANZEIGE

Veronica Ferres verkörpert die Leiterin der Wissenschaftsdelegation, die sich gefesselt und mit verbundenen Augen in einer Hacienda wiederfindet, getrennt von ihren beiden Kollegen. Sie wird zunächst tagelang als Gefangene gehalten, bis sich einer der Maskierten zu erkennen gibt. Ihr Kidnapper Matt Riley (Michael Shannon) ist der Chef des Konsortiums, das für die drohende Umweltkatastrophe verantwortlich ist, zu der Sommerfeld recherchiert.

Ein Scheusal ist er allerdings nicht gerade. Der attraktive Entführer und die Forscherin kommen sich näher, in Form von tiefgründigen Gesprächen und tiefen Blicken. Offen bleibt nur die Frage: Warum die Entführung? Ein Lösegeld wird nicht gefordert. Und auch Gewalt bekommt die Forscherin nicht zu spüren.

Riley und seine Leute fahren mit ihr schließlich zu einem riesigen Salzsee am Fuße eines Vulkans. Dort wird klar: Die Entführung hat mit der Landschaft zu tun. Als die Zuschauer gerade glauben, die Zusammenhänge zu begreifen, gibt es jedoch eine überraschende Wende. Die Kidnapper lassen die Forscherin in dieser Salzwüste zurück - zusammen mit zwei blinden Kindern und Vorräten für etwa eine Woche.

Schlüssig scheint das nicht wirklich. Wieso bleiben die beiden bis dahin nie aufgetauchten Kinder mit ihr in der Wüste? Und wieso funktioniert der Tablet-Computer der Entführten, mit dem sie eine Art Tagebuch führt, noch immer ohne jegliche Lademöglichkeit?

Werner Herzogs neuer Film "Salt and Fire" wirkt weit hergeholt

Zumindest die Frage nach den Kindern wird am Ende geklärt. Sie sind Leidtragende der Umweltbelastungen, die von dem Salzsee ausgehen - einem von Menschen geschaffenen Problem. Wie genau Menschen daran beteiligt sind, bleibt allerdings offen. Entführer Riley hat die Kinder nach dem Tod ihrer Mutter adoptiert.

Die Erklärung für die Entführung: Er wollte, dass sich die Forscherin, die die Lage nur nach ihren Daten bewertet hat, in die Katastrophe einfühlen kann. Er selbst will sich den Behörden als schuldig ausliefern und macht vorher noch mit Sommerfelds Tablet-Computer Erinnerungsfotos von ihr und den Kindern.

All das wirkt bisweilen sehr weit hergeholt und stellenweise auch nicht wirklich plausibel. Warum begeht der Entführer ein Verbrechen, nur um einer Wissenschaftlerin eine Lektion zu erteilen - und das als zweifacher (Adoptiv-)Vater? Und warum riskiert er dabei das Leben der beiden Kinder, die er mit einer Unbekannten eine Woche lang allein in einer toten Landschaft lässt?

Das bleibt freilich unbeantwortet. Auch der Film hat ein offenes Ende. Er schließt sogar ein Happy End zwischen Entführer und Forscherin nicht aus. AZ/dpa

i


Alle Infos zum Messenger-Dienst