Dem brasilianischen Staat ist ein Schlag gegen die Drogenmafia gelungen. Ohne einen Schuss abzugeben, konnte das Militär das größte Armenviertel Rios unter Kontrolle bringen.


Das größte Elendsviertel in Rio de Janeiro, Rocinha, konnten brasilianische Soldaten und Militärpolizisten am Wochenende unter ihre Kontrolle bringen. Mit der «Operation Friedensschock» solle die seit drei Jahrzehnten uneingeschränkte Macht der Drogenmafia in der Favela Rocinha gebrochen werden, teilte die Einsatzleitung mit. Es seien weder Schüsse abgefeuert worden, noch habe es Zwischenfälle gegeben.
Der Chef der Militärpolizei, Oberst Alberto Pinheiro Neto, sagte auf einer Pressekonferenz, ihm lägen «keine Informationen über Festnahmen oder Sicherstellung von Waffen» vor. Der private Fernsehsender Globo berichtete, es sei Marihuana beschlagnahmt worden, aber die Menge wurde nicht angebeben.
Starke Einheiten von Polizei und Armee drangen ab 04.10 Uhr Ortszeit in die Armensiedlung ein. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass die gepanzerten Einheiten langsam in die kleinen Straßen des Viertels vorrückten. Sie wurden von Hubschraubern im Tiefflug unterstützt. Militärpolizisten drangen auch in die benachbarte Favela Vidigal ein und brachten diese ebenfalls unter ihre Kontrolle.
Auf den Straßen waren weinende Frauen zu sehen, weiße Laken an mehreren Fenstern signalisierten den Willen der Bewohner zur Gewaltlosigkeit. Insgesamt waren mehr als 2.000 Soldaten und Polizisten im Einsatz, darunter auch die Eliteeinheit der Militärpolizei. Als Zeichen für die Einnahme der Armenviertel hissten sie am höchsten Punkt von Vidigal eine große brasilianische Fahne.
Am Mittwoch hatte die Polizei in Rocinha einen der meistgesuchten Drogenbosse der Stadt gefasst. Antonio Francisco Bonfim Lopes, genannt «Nem», und einer seiner wichtigsten Komplizen, «Coelho», wurden in Untersuchungshaft genommen. Rocinha hat rund 120.000 Einwohner. Das Armenviertel liegt zwischen wohlhabenden Stadtvierteln von Rio de Janeiro.
In der brasilianischen Metropole mit ihren mehr als sechs Millionen Einwohnern leben mehr als 1,5 Millionen Menschen in über tausend Favelas. Die Regierung will die Kontrolle über die hundert gewaltträchtigsten Armenviertel gewinnen, bevor in dem Land 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Sommerspiele ausgerichtet werden. afp/AZ
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