Donnerstag, 23. Mai 2013

01. Februar 2012 14:25 Uhr

Tierseuche

Schmallenberg-Virus: Meldepflicht geplant - Noch kein Impfstoff

Um das Schmallenberg-Virus besser kontrollieren zu können, plant das Landwirtschaftministerium eine Meldepflicht. Experten sehen die Bekämpfung des Virus unterdessen als schwierig.

Schmallenberg-Virus: Ministerium plant Meldepflicht. Um das seit einigen Monaten auf Bauernhöfen in Europa auftretende Schmallenberg-Virus besser kontrollieren zu können, plant das Bundeslandwirtschaftministerium eine Meldepflicht. Beschließen solle dies der Bundesrat im März, sagte die leitende Tierärztin im Ministerium, Karin Schwabenbauer, am Dienstag in Berlin. Die EU-Kommission sieht einem Sprecher zufolge keine gesundheitliche Notlage.

Schmallenberg-Virus: 186 Betriebe betroffen

Von dem Virus betroffen sind in Deutschland nach Angaben Schwabenbauers derzeit 186 Betriebe in Deutschland, schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein. Das Virus wurde aber nach Angaben der EU-Kommission auch in den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Großbritannien nachgewiesen. Es ist demnach nicht auf den Menschen übertragbar.

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Das Schmallenberg-Virus lässt sich aus Expertensicht vorerst nicht bekämpfen. Es gebe noch keinen Impfstoff, Hofsperrungen seien nicht sinnvoll, sagte die Leiterin für Tiergesundheit im Bundeslandwirtschaftsministerium, Karin Schwabenbauer, am Mittwoch in Berlin.

Derzeit breite sich der durch Insekten übertragene neue Erreger wegen des Winterwetters aber auch nicht aus. "Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes ein eingefrorenes Geschehen", sagte der Präsident des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter. Mit einem vollständig getesteten Impfstoff sei voraussichtlich in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen.

Schmallenberg-Virus: Meldepflicht erforderlich

Die Meldepflicht in Deutschland sei "erforderlich, damit die Veterinärbehörden sich einen umfassenden Überblick übers Krankheitsgeschehen verschaffen und Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen können", sagte Schwabenbauer. Das Schmallenberg-Virus war im Sommer vergangenen Jahres zunächst in den Niederlanden entdeckt worden. In Deutschland konnte das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit es erstmals im November bei Proben von Tieren aus dem Ort Schmallenberg im Sauerland nachweisen.

Das Virus befällt Rinder, Schafe und Ziegen. Erwachsene Tiere zeigen nur milde Symptome wie leicht erhöhte Temperatur oder eine geringere Milchproduktion bei Kühen. Wird jedoch ein trächtiges Tier infiziert, können zeitverzögert erhebliche Schäden bei Neugeborenen auftreten. So wurden in den betroffenen Bundesländern in den letzten Wochen zahlreiche Lämmer mit verkrüppelten Gelenken oder Wasserköpfen und Totgeburten beobachtet. Noch ist unklar, welche Schäden bei Kälbern auftreten werden, weil die voraussichtlich betroffenen Tiere erst ab März geboren werden.

Virus wird durch kleine Mücken übertragen

Das Virus wird offenbar durch kleine Mücken, sogenannten Gnitzen, übertragen. Die Insekten infizierten vermutlich im vergangenen Sommer erste Tiere. "Die Krankheit hat schon im letzten Jahr stattgefunden", sagte Schwabenbauer. Zurzeit würden die Auswirkungen beobachtet.

Die EU-Kommission sieht daher einem Sprecher zufolge "keine gesundheitliche Notsituation in Europa". Wegen der kalten Temperaturen auf dem Kontinent sei eine Übertragung durch Insekten derzeit nicht möglich, die Entwicklung werde jedoch beobachtet.

Impfstoff: Entwicklung auf Hochtouren

Das Friedrich-Loeffler-Institut arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs. Russland und Mexiko haben bereits eine Sperre für den Import trächtiger Rinder und Schafe, sowie für Rindersamen und -embryonen aus Deutschland verhängt. Mit Blick auf Russland nannte der Sprecher der EU-Kommission die Entscheidung "unverhältnismäßig". (afp, dpa, AZ)

 

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