Die Zeitschrift Finanztest erhebt schwere Vorwürfe gegen die Postbank. So soll das Unternehmen seine Berater drängen, möglichst viel Umsatz zu erzielen. Die Folge: Falschberatung der Kunden.

Die Zeitschrift Finanztest erhebt schwere Vorwürfe gegen die Postbank. Demnach soll das Unternehmen seine 4000 Berater dazu drängen, möglichst viel Umsatz zu erzielen. Die Folge: Falschberatung der Kunden - auf deren Kosten.
Finanztest will von Insidern erfahren haben, dass den Beratern "von oben eine bewusste und systematische Abzocke zur Gewinnoptimierung" befohlen worden sei. Außerdem soll deren Einstellungsvoraussetzung nicht die Qualifikation, sondern das Verkaufstalent sein. Ein weiterer Vorwurf: Die Vermittler der Postbank Finanzberatung sollen laut Finanztest als Selbstständige beschäftigt sein und müssten allein von der Provision leben.
Für die Gespräche mit den Kunden hat die Postbank angeblich ihren Finanzberatern unter die Arme gegriffen. "Bis Ende Oktober 2009 stellte sie Finanzmanagern (…) sämtliche Girokontodaten ihrer Kunden zur Verfügung", schreibt Finanztest. Mit diesen Informationen hätten die Berater die Kunden besser ansprechen können, weil sie genau wussten, was ein Kunde mit seinem Geld machte und wie viel er für Geldanlagen übrig hatte.
Nach Angaben der Zeitschrift stoppte die Datenschutzbehörde Nordrhein-Westfalen diese Praxis inzwischen. Nicht geändert haben soll sich dagegen, dass Berater Einblick in alle Bausparverträge der BHW haben, einer 100-prozentigen Tochter der Postbank.
Die Zeitschrift berichtet in ihrem aktuellen Heft von mehreren Menschen, die von Finanzberatern angeblich um Erspartes gebracht wurden. Auch mehrere Postbank-Mitarbeiter werden darin zitiert.
So will ein Berater einem 80-jährigen Rentner eine über 17 Jahre laufende und riskante Schiffsbeteiligung angedreht haben. "Bis heute weiß der Kunde nicht, was ich ihm da verkauft habe", zitiert Finanztest den anonymen Finanzberater.
"In bestimmten Konstellationen gibt es gute Gründe, auch älteren Kunden Umschichtungen in lang laufenden Anlagen oder chancenreichere Produkte zu empfehlen", wird Postbank-Sprecher Joachim Strunk in dem Artikel zitiert.
Nach Angaben von hat die Postbank gegenüber der Zeitschrift alle Vorwürfe zunächst abgestritten und Fehler erst nach mehrmaligen Nachfragen scheibchenweise eingeräumt. AZJetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
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