Der Manager der Pop-Band "Silbermond" hat einen Fotografen aus einer Pressekonferenz geworfen. Der Grund: Der Arbeitgeber des Fotografen schreibe Silbermond-CDs "böswillig herunter". Von Florian Eisele

Der Manager der Pop-Band "Silbermond" hat einen Fotografen aus einer Pressekonferenz geworfen. Der Grund: Dem Mann gefielen die Kritiken nicht, die die Redaktion des Fotografen der Silbermond-CD gab.
Peter Wafzig ist freier Foto-Journalist. Als solcher fotografiert er für mehrere Magazine, Zeitungen und Online-Portale. "Ich bin seit 20 Jahren im Geschäft", erzählt der Kölner. "So etwas wie am vergangenen Freitag habe ich aber noch nie erlebt." Denn an diesem Tag sollte Wafzig eigentlich die Pressekonferenz und das Konzert von "Silbermond" für das Musik-Internetportal "laut.de" fotografieren - soweit kam es aber nicht.
"Ulf Wenderlich, der Manager der Band, ist auf der Pressekonferenz auf mich zugekommen und sich vergewissert, dass ich von laut.de bin", erinnert sich Wafzig. Anschließend wurde er von dem Manager vor die Tür gebeten. In einem Vier-Augen-Gespräch habe ihm Wenderlich klar gemacht, dass es an diesem Tag keine Fotos für "laut.de" geben werde. Wafzig berichtet von dem Gespräch: "Wenderlich sagte, laut.de würde die Platten der Band böswillig runterschreiben. Mit so einem Medium wolle er nicht zusammenarbeiten." Der im Vorfeld ausgeteilte Fotopass wurde wieder eingezogen, weder die geplante Bildergalerie noch die Konzertfotos kamen zustande.
Der Ärger auf Seiten des umsonst angereisten Fotografen war groß, schließlich lebt Wafzig als freier Journalist von Honoraren. Ein solches erhält er eben nicht, wenn er keine Fotos verkaufen kann. "Zum Ende unseres Gesprächs hatte ich das Gefühl, dass mir der Manager der Band den Fotopass wieder ausgehändigt hätte - unter diesen Umständen habe ich aber darauf verzichtet", erinnert sich Wafzig. "Dabei arbeite ich als Fotograf und bin - was den Text angeht - ja gar nicht im Thema drin, sondern schieße Fotos. Ich könnte jetzt auch nicht bewerten, wie gut oder schlecht eine Band ist, denn ich gehe rein vom optischen Aspekt aus. Außerdem trage ich Ohrstöpsel, während ich die Fotos mache."
Bei Freunden und Kollegen des Fotografen schlug der Vorfall große Wellen, zum Beispiel auf der Twitter-Seite von Wafzig. "Gerade unter Kollegen ist das Entsetzen groß. Man wird ja oft in der Berichterstattung eingeschränkt, so etwas ist aber beispiellos." Auch Fachmedien berichteten.
Auch Wafzigs Chefredakteur kann das Vorgehen des Silbermond-Managements nicht nachvollziehen. Joachim Gauger leitet "laut.de" und sieht die Sache aber entspannt: "Mal abgesehen davon, dass ich diesen Vorfall etwas lächerlich finde, sind die betreffenden Themen auf unserer Seite noch sehr milde besprochen werden." Eine entsprechene redkationsinterne Richtlinie, die CDs und DVDs von "Silbermond" negativ zu bewerten, existiere nicht. "Unsere Autoren haben keine Vorgaben. Wir wollen, dass ein Gespräch über Musik zustande kommt. Dass wir uns mitunter etwas weit aus dem Fenster lehnen, gehört für uns dazu. Wir kommen gut damit klar, mit Silbermond nicht mehr befreundet zu sein."
Mit Kritik an seiner Arbeit habe Gauger auch kein Problem: "Wenn wir als Redaktion dann im Forum von unseren Usern beschimpft werden, gehört auch das dazu. Unser Motto lautet: viel Feind', viel Ehr. Wobei wir diesen Vorfall weniger als Angriff gegen laut.de, sondern vielmehr als Angriff auf die Pressefreiheit betrachten."
Eskalationen à la Silbermond markieren für Peter Wafzig und viele seiner Kollegen aber nur die Spitze des Eisberges. Dass vor allem die Rechte der Foto-Presse immer mehr beschnitten werden, ist für die Branche nichts Neues. "In den 20 Jahren, die ich jetzt in diesem Geschäft arbeite, habe ich bisher nur Verschlechterungen erfahren. Bei manchen Bands darf man das komplette Konzert seinen Platz nicht verlassen, bei anderen Künstlern darf man gerade mal 20 Sekunden lang fotografieren."
Wie rüde mitunter mit Fotografen umgesprungen wird, mussten zuletzt Münchner Sportfotografen erfahren, die dem damaligen Trainer des FC Bayern zu aufdringlichen Gebrauch ihrer Kameras machten. Klinsmann wollte Fotos nur in den ersten Minuten der Pressekonferenz zulassen. Die Reaktion der Fotografen: Sie verließen die Konferenz geschlossen - ohne Bilder auf ihren Speicherchips. "Teilweise werden wir Fotografen wie Strauchdiebe behandelt", lautet das Resumee von Wafzig. Eines steht für ihn fest: "Silbermond ist für mich abgehakt."
Ulf Wenderlich, der Manager der Band, war am Montag für keine Stellungsnahme zu erreichen.
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