Freitag, 24. Mai 2013

30. April 2012 18:56 Uhr

Sorge um Lebensmittelversorgung

Soja und Mais werden teurer: Angst vor neuer Hungerkrise

Soja ist so teuer wie seit Jahren nicht, auch Mais kostet immer mehr - Experten befürchten ernste Probleme für die weltweite Lebensmittelversorgung

Die Preise für Soja und Mais sind stark angestiegen. Experten machen die erhöhte Nachfrage in China und eine fallende globale Produktion wegen Dürre und Ernterückgängen in Lateinamerika verantwortlich. Doch auch Finanzspekulanten dürften ihre Finger im Spiel haben. Händler erwarten, dass der Preisauftrieb anhält.

Verheerende Folgen für die weltweite Nahrungsmittelversorgung

Sojabohnen kosteten in der vergangenen Woche soviel wie seit vier Jahren nicht mehr. Am Freitag durchbrach der Preis sogar die Marke von 15 US-Dollar pro Scheffel (gut 27 Kilogramm). Einem Bericht der Financial Times zufolge rechnen Rohstoffhändler mit weiteren Anstiegen. Die Experten erwarten sogar, dass die Höchststände aus dem Sommer 2008 eingestellt werden. Damals war der Preis bis auf 16,63 Dollar gestiegen.

ANZEIGE

Eine Preisexplosion bei Soja könnte jedoch verheerende Folgen für die weltweite Nahrungsmittelversorgung haben: Die Nutzpflanze findet breite Verwendung als Tierfutter in der Agrarwirtschaft und wird unter anderem als Salat- und Kochöl sowie Brat- und Backfett benutzt.

"Hohe Nahrungsmittelpreise sind besonders für arme Länder problematisch, die einen Großteil ihrer Nahrungsmittel importieren, wie die große Mehrheit der afrikanischen Staaten", erklärt Ralf Südhoff, Deutschland-Chef des UN World Food Programme (WFP). Wenn sich die Kosten für Importe erhöhten, werde es für diese Länder schwieriger, ihre Bevölkerung zu ernähren. "Viele Haushalte in Entwicklungsländern geben ohnehin 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus - steigende Preise haben deshalb dramatische Konsequenzen."

Bode: Spekulanten an den Finanzmärkten sind mitverantwortlich

Thilo Bode, Chef der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, macht Spekulanten an den Finanzmärkten mitverantwortlich für die Entwicklung: "In den vergangenen Jahren ist massiv Geld in Agrarrohstoffe geflossen", sagte Bode im Handelsblatt.  Seit dem Jahr 2000, als die Politik die Rohstoffterminbörsen für Investoren geöffnet hat, habe sich das Kapital am Terminmarkt von 15 Milliarden auf 600 Milliarden Dollar erhöht. "Das hat zu Preisblasen und phasenweise höheren Lebensmittelpreisen geführt."

Nach Einschätzung von Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, ist auch der Preisanstieg der vergangenen Wochen maßgeblich auf "spekulative Finanzanleger" zurückzuführen. Die Kontrakte auf anziehende Preise hätten den zwölften Wochenanstieg in Folge markiert und ein Rekordhoch erreicht. Damit habe sich jedoch "ein beträchtliches Korrekturpotenzial aufgebaut".

Größter Verkauf von US-Mais an einem Tag

Auch der Maispreis hat zuletzt rasant zugelegt: Am Freitag stiegen die Notierungen an der weltgrößten Terminbörse CBOT in Chicago um fast fünf Prozent, nachdem das US-Landwirtschaftsministerium mit 1,56 Millionen Tonnen den größten Verkauf von US-Mais an einem einzigen Tag seit 1991 bestätigt hatte. Der Großteil davon bezieht sich laut Commerzbank-Experte Weinberg auf die neue Ernte, für die ein Rekordwert erwartet wird. Trotzdem zeigt der große Abverkauf bereits im Vorfeld, wie stark zurzeit die Nachfrage nach Agrarrohstoffen ist. dpa

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren



Neu in den Leserblogs