Die populärsten Babynamen werden morgen von der Gesellschaft für deutsche Sprache veröffentlicht. Ein Hobbyforscher macht den Sprachwissenschaftlern jedoch Konkurrenz.

Liegt Mia an der Spitze der beliebtesten Mädchennamen oder ist es Sophie? Heißen Jungen häufiger Leon oder Maximilian? Seit einigen Jahren gibt es Streit in Deutschland, wer die genauste Hitliste der populärsten Vornamen erstellt.
Am morgigen Freitag präsentiert die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden ihr Forschungsergebnis für 2011. Doch es wurmt die ehrwürdige Gesellschaft, dass bereits zum Jahreswechsel der Hobbyforscher Knud Bielefeld aus Ahrensburg bei Hamburg seine Liste vorgestellt hat - und damit auf großes öffentliches Interesse gestoßen ist. Für Bielefeld waren 2011 Mia bei den Mädchen und Ben bei den Jungen top.
«Wir haben die Liste, die deutlich präziser ist», nimmt Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels für die GfdS in Anspruch. «Wir sind mit mehr als 500 Standesämtern in Kontakt.»
Doch geschützt ist die Kür der populärsten Vornamen nicht. Es gibt keine amtliche Namensstatistik in Deutschland. Der Streit zwischen den Wissenschaftlern und dem Hobbyforscher ist auch ein Konflikt zwischen Computerrecherche und dem Papierkrieg mit Behörden. «Ich werte öffentlich zugängliche Quellen aus», sagt der Wirtschaftsinformatiker Bielefeld. Das sind vor allem die Internetseiten von Kranken- oder Geburtshäusern, auf denen täglich die Ankunft neuer Erdenbürger verzeichnet wird.
Gemeinsam mit Helfern sammelt Bielefeld Monat für Monat die Namen, ergänzt sie um Geburtsanzeigen und die Angaben einiger Standesämter - pünktlich zum Jahresende ist seine Zählung fertig. «Ich muss nicht warten, bis mir das geschickt wird.» 2011 erfasste Bielefeld nach eigenen Angaben knapp ein Viertel aller Geburten in Deutschland. Seine Internetseite trägt sich durch Werbung selbst.
Bielefelds Gegenspieler bei der GfdS, der Sprachwissenschaftler Lutz Kuntzsch, muss warten, bis das Jahr herum ist. Dann schicken die Standesämter ihre Listen zur Auswertung nach Wiesbaden. Die GfdS hat ihre Stichprobe in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Für 2011 lieferten 575 Ämter Daten zu.
«Wir haben 75 Prozent der Geburten erfasst», sagt Kuntzsch. Für die Gesellschaft ist wichtig, dass ihre Ergebnisse wissenschaftlich valide sind - Namensforschung war schon immer ein wichtiger Zweig der Linguistik.
Wenn aber alle Lenas und Pauls ausgezählt sind, liegen die Konkurrenten nicht weit auseinander. «Er kommt nicht zu grundsätzlich anderen Ergebnissen», sagt Kuntzsch über Bielefeld. Die Top Ten sind bis auf drei oder vier Namen identisch, nur die Rangfolge ist anders. Bei der Gesellschaft für deutsche Sprache sind Sophie oder Maria/Marie bei den Mädchen, Maximilian und Alexander bei den Jungen ganz oben auf der Liste.
Zwei von fünf Kindern haben mehrere Vornamen - die Standesämter und die Gesellschaft für deutsche Sprache zählen sie ohne einen Unterschied zu machen. Hobbyforscher Bielefeld macht getrennte Einträge für erste und zweite Namen. Auch wenn die GfdS die Wissenschaftlichkeit seiner Ergebnisse bezweifelt, hält er seine Methode für genau. AZ, dpa
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
|
|
Artikel kommentieren