Sonntag, 21. Januar 2018

13. Januar 2018 13:04 Uhr

"Die Faust"

Tatort-Kritik: Agenten-Chaos in Wien

Das Wiener Tatort-Duo Eisner und Fellner hat einen schwierigen Fall am Wickel. Die ziemlich komplizierte Story fordert auch dem Zuschauer einiges ab. Die Kurz-Kritik.

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Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) haben einen Verdacht: Das Phantom führt die Polizei an der Nase herum.
Foto: Hubert Mican, ARD Degeto/ORF/E&A Film

Jede Generation hat ihr Lieblings-Team im Tatort. Die jüngere fährt auf Nora Tschirner und Christian Ulmen ab, die ältere steht mehr auf Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer. Um bei der reichlich vertrackten Geschichte von „Die Faust“ schneller zu Potte zu kommen, hätte es wohl aller vier Ermittler bedurft.

Kritik: Wiener Tatort mit (zu) komplizierten Plot

Dass das multikulturelle Wien an der Schwelle zu Osteuropa steht, äußert sich hier auch in unterschiedlichen Freiheitsbewegungen inklusive unterschiedlichster Verbrechen. „Die Faust“ des Titels reflektiert übrigens den Widerstand der Jugendlichen in Serbien.

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Erst tötet ein maskierter Killer – in einen Schutzanzug mit Kapuze wie ein Spusi-Mann gewandet – einen ans Kreuz genagelten tätowierten Serben. Der georgische Mitarbeiter einer Großgärtnerei wird Todesopfer Nummer zwei. Eine am Bug einer Jacht aufgespießte junge Frau vervollständigt das ermordete Trio. Alle drei wurden geschändet.

Gehen Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zunächst von einem Ritualmörder aus, weiten sich die Ermittlungen zu einer Kommando-Aktion mit geheimdienstlichem Hintergrund. Denn es sind die drei Revolutionen in Serbien, Georgien und der Ukraine, die in Wien nachwirken samt Agenten-Chaos, Verrat, doppelten Identitäten und der Enttäuschung der Bürgerrechtler, die erleben müssen, dass ihre Heimatländer weiterhin von Korruption beherrscht werden.

Auch Bibi war im Wiener Tatort schon mal origineller

Drehbuchautor Mischa Zickler übernimmt sich mit diesem komplizierten Plot. Versteht sich, dass der Schmäh diesmal nur eine Nebenrolle spielen kann. Eisner ist noch grantiger als sonst, weil die Chefs ihm einen zweiten Abteilungsleiter zur Seite stellen wollen. Und Bibi liebäugelt mit ihrer Bewerbung, da sie die Frauen als benachteiligt ansieht und ihre eigenen Chancen ausloten möchte. Über einen ehrgeizigen Kollegen lästert sie: „Er erfüllt alle Kriterien von einer Polizeikarriere: ka Ahnung, kane Skrupel, kane Titten.“ Ja, die Bibi war schon mal origineller.

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Schlagworte

Wien | Tatort | Serbien | Osteuropa | Georgien | Ukraine

Ein Artikel von
Rupert Huber

Augsburger Allgemeine
Ressort: Freier Mitarbeiter


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