Dienstag, 25. Juli 2017

20. Mai 2017 06:42 Uhr

"Die Liebe, ein seltsames Spiel"

Tatort-Kritik: Mehr München bitte!

Batic und Leitmayr müssen in ihrem neuen Fall ein Netz aus Liebe, Sex und Enttäuschungen entwirren. Ein Tatort mit Stärken - und einer großen Schwäche. Die Kurz-Kritik.

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Ein Mann, viele Frauen. Eine Tote und viele Verdächtige. Im neuen Tatort aus München haben es die Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr mit großen Gefühlen zu tun.
Foto: Hendrik Heiden, BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH

Es geht in erster Linie um Frauen in der neuen Münchner Tatort-Folge „Die Liebe, ein seltsames Spiel“. Zwei von ihnen sterben, andere kommen davon. Was sie eint, ist der Sex, den die Damen mit einem Typen haben, der sehr raffiniert vorgeht und alle – auf gut bayerisch – mit den jeweils anderen bescheißt.

Klar, dass die Münchner Ermittler Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) staunen. Offenbar haben sie da in ihrem Krimi-Alltag doch was verpasst. Der Ivo ist gerade dabei, das Einschlägige nachzuholen. Obwohl er wie Leitmayr natürlich darüber rätselt, wie und warum eine weibliche Leiche in die Einfahrt einer Tiefgarage kommt.

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Sex und Verwirrungen im Tatort aus München

Haben Sie sich, liebe Tatort-Fans, schon einmal gefragt, wie sich eine Frau fühlt, die als Leiche auf einem kalten Boden liegt? In der Krimilandschaft braucht es solche Nebenfiguren. Das weiß unser Kollege Daniel Wirsching, der vor einiger Zeit die erste Tote dieses Krimis, Verena Schneider, in Wahrheit Jasmin Georgi, interviewt hat („Hallo, ich bin die Leiche“: Wie man im Tatort einen Toten spielt).

Ja, wir sprachen mit der schönen Leiche. Die sagte, dass es beim Dreh an einem regnerischen Augusttag kalt war und sie zusätzlich oben ohne auf dem Pathologietisch liegen musste. „Sei cool“, sagte sie sich, flach atmen. Unsere mobilen Kommissare spielen da freilich in einer anderen Liga. Sie haben es mit einem Macho als Hauptverdächtigem (gute Rolle für Martin Feifel) zu tun, der auch schon gar nichts anbrennen lässt.

 

Es gibt Sex, Beziehungsklimbim und Verwirrungen. Die machen auch nicht vor Batic Halt, der es mit einer verheirateten Frau treibt. Problematisch. Nicht nur weil sein Kollege analog zu Loriot witzelt, er habe jetzt „was Eigenes“. Ermittelt wird auch, so bleibt das Ganze ungeachtet der üblichen Scherze des Hauptkommissar-Duos leidlich spannend.

Vielleicht wollte der BR nach dem blutigen Tatort-Beitrag „Der Tod ist unser ganzes Leben“ vor drei Wochen einen Kontrast schaffen. Ja, gerne. Aber mehr München bitte! Und keine fleckigen Glas-Betonbauten wie überall als typische Location. Für einen München-Tatort ist das zu wenig. 

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Schlagworte

Tatort | München | Vicco von Bülow

Ein Artikel von
Rupert Huber

Augsburger Allgemeine
Ressort: Freier Mitarbeiter

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