Donnerstag, 22. Februar 2018

09. Februar 2018 11:17 Uhr

Tierschutz

Tausende spanische Galgos werden verstoßen und getötet

Tausende Galgos werden von ihren Besitzern verstoßen, nicht wenige getötet. Denn schon mit vier oder fünf Jahren sind die Hunde angeblich nicht mehr für die Jagd zu gebrauchen.

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Wenn im Februar die Jagdsaison in Spanien zu Ende geht, dann haben spanische Tierschützer besonders viel zu tun. Denn im Februar werden tausende spanische Windhunde, die Galgos, von ihren Besitzern fortgejagt oder sogar getötet. Für die Jäger haben die Hunde dann ausgedient.

Jagd mit Galgos nur noch in Spanien erlaubt

Jedes Jahr haben rund 50.000 der Jagdhunde Misshandlungen zu erleiden, schätzen Experten. Tierschutzorganisationen in ganz Europa protestieren dagegen und wollen die Jagd mit Galgos in Spanien verbieten lassen. „Spanien ist das einzige EU-Land, in dem die Jagd mit Galgos noch erlaubt ist“, kritisiert etwa David Rubio, Sprecher der Plattform „No a la Caza con Galgos“ – Nein zur Jagd mit Galgos (NAC), im Gespräch mit unserer Redaktion. „In anderen europäischen Staaten ist dies schon vor Jahrzehnten verboten worden.“ Die spanischen Tierheime seien überfüllt mit Galgos.

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Um die Hunde zu retten, unterstützen internationale Organisationen die spanischen Tierschützer: „Viele Hunde, die in Spanien kein neues Zuhause finden, müssen ins Ausland vermittelt werden“, sagt David Rubio. In der Tat werden tausende Galgos jedes Jahr von ausländischen Tierfreunden und privaten Hilfsorganisationen nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz und andere Länder geholt.

 

Jäger töten Galgos auf brutale Weise

Oft sind es auch Urlauber, die im Flugzeug oder im Auto auf der Heimfahrt einen Galgo mit nach Hause bringen. Längst nicht alle Galgos, die bei der Jagd ausgedient haben, können jedoch gerettet werden. Nicht wenige werden von den Jägern getötet – mitunter auf überaus brutale Weise, berichtet NAC. Wie viele Jagdhunde umkommen, weiß niemand genau.

Spaniens Umweltpolizei Seprona registriert Jahr für Jahr hunderte Fälle von Galgo-Misshandlungen – die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Der Beweis dafür, dass sich viele Jäger ihrer Galgos einfach entledigten, liege auf der Hand, meint jedenfalls Tierschützer Rafa Hernández von NAC. „Es ist unmöglich bei einem Jäger einen Galgo in fortgeschrittenem Alter zu finden.“ Wenn die Hunde vier oder fünf Jahre alt seien, würden sie für die Jagd als nutzlos angesehen – ihr Schicksal sei damit besiegelt, erklärt er. Unter normalen Umständen können die Hunde bis zu 15 Jahre alt werden.

Die wenigsten Misshandlungsfälle werden aufgeklärt

„Der Galgo ist die am meisten misshandelte Hunderasse in Spanien“, sagt auch Martina Szyszka, Sprecherin der Tierschutzorganisation SOS Galgo. Und sie beklagt: „Die wenigsten Misshandlungsfälle werden aufgeklärt.“ Der Tierschutz habe im Spanien der Stierkämpfe leider bis heute keinen großen Stellenwert. Damit hat sie recht: In Spaniens Bürgerlichem Gesetzbuch werden Tiere immer noch als „Sachen“ und nicht als Lebewesen definiert. Im deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es dagegen: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.“

Die Galgos werden in Spanien vor allem zur Hasenjagd eingesetzt. Dabei werden die Windhunde, die bis zu 70 Stundenkilometer schnell sind, im offenen Gelände auf Hasen angesetzt – eine Hetzjagd, bei der die Beute meist vom Galgo geschnappt und erlegt wird. Häufig wird diese Hasenjagd auch in Form von Wettbewerben praktiziert, bei denen etwa der schnellste Windhund prämiert wird.

Tierschützer appellieren an das Europäische Parlament

Der Protest gegen den Umgang mit den Windhunden wird allerdings zunehmend lauter: In einer Petition namens „Galgo Massaker“ an das Europäische Parlament fordern zum Beispiel Tierschützer die EU-Politiker auf: „Beenden Sie die Jagd mit Galgos in Spanien.“ Ihre internationale Petition auf der Plattform Change.org wurde bereits von mehr als 127.000 Menschen unterschrieben.

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Ein Artikel von
Ralph Schulze

Augsburger Allgemeine
Ressort: Korrespondent Ausland


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