Mittwoch, 24. Mai 2017

19. April 2017 19:30 Uhr

Kino-Kritik & Trailer

"The Founder": Wie das Fast Food in die Welt kam

Die McDonald’s-Gründer wollen Qualität – ein Geschäftsmann reißt ihnen die Idee aus der Hand: Der Film "The Founder" zeigt den Ursprung eines Weltkonzerns. Von Martin Schwickert

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Michael Keaton als Roy Kroc in einer Szene des Films "The Founder" vor einem neueröffneten McDonalds-Restaurant.
Foto: Splendid Film Gmbh, dpa

„Ich habe gerade erst bestellt“, sagt der Handelsvertreter Ray Kroc (Michael Keaton) ungläubig, als der freundliche junge Mann hinter dem Tresen ihm Papiertüte und Pappbecher überreicht. „Haben Sie kein Tablett, kein Besteck? Wo soll ich das essen?“ – Die Fragen zeigen, wie ungeübt man damals Anfang der 50er Jahre noch mit dem Fast-Food-Konzept war, das heute längst zum Sinnbild amerikanischer Essenskultur geworden ist. Aber als Ray Kroc das Schnellrestaurant der Gebrüder McDonald in San Bernardino, Kalifornien, besucht, wittert er sofort das Potenzial dieser neuen Geschäftsidee.

Der Mann ist Anfang 50, hat als Vertreter sein halbes Leben damit verbracht Klappküchentische oder Hochgeschwindigkeitsmixer für Milkshakes unters Volk zu bringen, immer in der Hoffnung den großen Coup zu landen. Es ist nicht leicht, die Brüder für sein landesweites Franchise-Vorhaben zu gewinnen. Denn Mac (John Carroll Lynch) und Dick (Nick Offerman) sind nicht nur stolz auf die Effizienz und den Erfolg ihres Restaurants, sondern verteidigen auch die Qualität der Produkte. Filialen, in denen der Hamburger nicht so gut schmeckt wie in ihrem Laden, kommen für sie genauso wenig infrage wie Werbelogos von Coca-Cola auf der Speisekarte.

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"The Founder": Eindrücklich und differenziert

In John Lee Hancocks „The Founder“ beginnt nun ein äußerst interessantes Ringen zwischen den Gebrüdern McDonald, die mit einem scheinbar wasserdichten Vertragswerk ihre unternehmerische Integrität und eigene Qualitätsstandards gegen die Kommerzialisierung zu schützen versuchen, sowie dem Franchise-Strategen Kroc, der in atemberaubendem Tempo eine Filiale nach der anderen eröffnet. Dass auch dieser amerikanische Traum von Ruhm, Reichtum und Milliarden-Gewinnen in Wirklichkeit auf dem Diebstahl und der Pervertierung der Geschäftsidee anderer beruht, zeigt „The Founder“ auf eindrückliche und differenzierte Weise.

Das Trockenmilch-Produkt, das in ein Glas Wasser eingerührt wird und zu einem Vanille-Milchshake-Surrogat gerinnt, ist die Sollbruchstelle zwischen Produktgüte und Profitmaximierung. Der Schlüssel zur Entmachtung der Gebrüder McDonald liegt in Krocs Immobilien-Investitionen, die ihn zum faktischen Alleinherrscher des Fast-Food-Imperiums machen.

Kino-Trailer zu "The Founder"

Hancock erzählt diese amerikanische Erfolgsgeschichte ohne antikapitalistische Posen und bitteren Zynismus. Ein Drehbuchautor wie Aaron Sorkin, der mit „Steve Jobs“ und „The Social Network“ die Gründungsmythen des Silicon-Valley dekonstruiert hat, wäre den Stoff sicher schärfer angegangen. Hancock setzt auf Ambivalenz und einen geschmeidigen Erzählton, der in den pastellfarbenen Heile-Welt-Klischees der 50er Jahre bestens eingebettet ist. In „Saving Mr. Banks“ hat er einen ähnlich gelagerten Konflikt zwischen der Romanautorin Pamela L. Travers und dem Trickfilm-Mogul Walt Disney um die Verfilmung von „Mary Poppins“ ins Weichzeichner-Format gesetzt.

Im Gegensatz dazu präsentiert sich „The Founder“ trotz gefälliger Oberfläche jedoch hintergründiger. Das liegt auch und vor allem am Spiel von Michael Keaton, der Kroc zunächst als bemitleidenswerten Handlungsreisenden gibt, der vergeblich dem amerikanischen Traum hinterherjagt, um nuanciert das wachsende Ego eines ebenso begabten wie skrupellosen Geschäftsmannes herauszuarbeiten.

Ohne die Figur zu dämonisieren, zeigt Keaton, wie in Kroc nach und nach die schlummernden Gene eines kompromisslosen Kapitalisten erwachen. „Wenn einer meiner Konkurrenten ertrinkt, würde ich ihm einen Schlauch in den Mund stecken und den Wasserhahn aufdrehen“, sagt er am Schluss – ein Originalzitat des 1984 verstorbenen Krocs, der den „American Way“ immer als einen darwinistischen Überlebenskampf begriffen hat und dessen martialische Rhetorik ihren posthumen Widerhall in der Trump-Ära findet.

Bewertung: 4 von 5 Sterne

Filmstart in Augsburg und Memmingen

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