Samstag, 25. Mai 2013

14. April 2012 10:02 Uhr

Auf in den Tod!

"The Grey – Unter Wölfen" oder das Gesetz des Stärkeren

In Joe Carnahans knallhartem Thriller The Grey vom Überleben in der Eiswüste Alaskas zählt das Gesetz des Stärkeren. Eine Paraderolle für Liam Neeson. Von Harald Witz

The Grey – Unter Wölfen (Teaser) Liam Neeson.

Mit bald 60 gehört der Ire Liam Neeson zweifellos nicht zur jungen Generation von Actionhelden, sondern muss zu Stars wie Stallone, Schwarzenegger und Willis gerechnet werden, die das Actiongenre so lange prägten. Seinen internationalen Durchbruch erlebte er mit der Hauptrolle in „Schindlers Liste“. Als Actionheld kam Neeson erst so richtig in Mode, als er sich nach dem Unfalltod seiner Frau Natasha Richardson (2009) in die Arbeit stürzte, als gäbe es kein Morgen. Durch Filme wie „96 Hours“ oder „Unknown Identity“ hat Neeson eine neue Generation von Fans erobert.

Eine Paraderolle für Liam Neeson

In Joe Carnahans Actionthriller „The Grey – Unter Wölfen“ geht der Schauspieler nun an die Grenzen des physisch Machbaren. Als Jäger Ottway nimmt er in der Kälte Alaskas den Kampf gegen ein Rudel Wölfe auf. Basierend auf Ian Mackenzie Jeffers’ „Ghost Walker“ verkörpert er selbst so etwas wie einen alten grauen Wolf in einer Gruppe von Überlebenden nach einem Flugzeugabsturz.

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Der missmutige Witwer ist ein Alphatier. Einer, der vor der Zivilisation flüchtete und auf den Ölfeldern Alaskas eine Anstellung als Jäger und Sicherheitsmann fand. Aber der Rückflug wird zum Desaster, nur wenige überleben den Absturz in die Eislandschaft. Ottway, der die Tücken von Schnee und Wildnis kennt, organisiert das provisorische Lager. Als Wölfe immer wieder angreifen und eine Rettung immer unwahrscheinlicher wird, drängt er darauf, aktiv einen Weg zurück in die Zivilisation zu suchen.

"The Grey – Unter Wölfen"

Die Absturzstelle scheint mitten in einem Revier zu liegen, das die Tiere verteidigen. Also macht sich eine bunte Gruppe auf, um den Wölfen aus dem Weg zu gehen und eventuell ein Zeichen der Menschen zu entdecken. Doch das Wolfsrudel kennt kein Erbarmen.

Der knallharte Survivalthriller überrascht trotz bekannter Konventionen, denn Joe Carnahan inszeniert reduziert und konzentriert vor der Kulisse einer Schnee- und Eislandschaft, die jedes wohltemperierte Kino in eine Tiefkühltruhe verwandelt. Dank des exzellenten Drehbuchs, das die Charaktere fast unbemerkt durch knappe, elegante Schlüsselszenen einführt, geht es gleich in die Vollen. Schon der Absturz selbst ist eine Tour de Force.

Echte und virtuelle Wölfe treiben ihr Unwesen

Überzeugend ist der Aufwand vor allem dank des exzellent zusammengestellten Ensembles, in dem unter anderem Frank Grillo, Dermot Mulroney, Dallas Roberts und Joe Anderson mitwirken. Carnahan gelingt es, mit nur wenigen Einschüben auch Nebenfiguren Charakter zu verleihen. Man leidet mit allen.

Dem psychologischen Drama und dem physischen Überlebenskampf stellt Carnahan die Bedrohung der feindlichen Natur und die Attacken der Wölfe gegenüber. Kurze Schnitte und die Handkamera von Masanobu Takayanagi sorgen hier für packende Spannung, wenn echte, animatronische und computergenerierte Wölfe ihr Unwesen treiben.

Joe Carnahans Actionthriller „The Grey – Unter Wölfen“

Das Epizentrum bildet natürlich Liam Neeson, dessen Ottway sich letztlich dem Alpha auf der Wolfsseite stellen muss. Je länger der Film dauert, desto „wolfiger“ und härter wird auch er. Der Nihilismus dieser Produktion äußert sich in seinem Höhepunkt in einem herrlich zynischen Stoßgebet, das Ottway mit „Fuck it. I’ll do it myself.“ endet.

„The Grey“ wirkt wie ein Gegenentwurf zu Hollywoods Oberflächenkino. Hier winden sich Natur und Zivilisation als Hauptmotive ineinander und beantworten die Frage nach der Identität und Stellung des Menschen in dieser Welt auf eine unerbittliche und unmissverständliche Weise.

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