Montag, 21. August 2017

20. April 2017 13:30 Uhr

Sexismus-Vorwürfe

US-Moderator Bill O'Reilly: Quotenkönig fällt tief

Nach Sexismus-Vorwürfen feuert der US-Sender Fox seinen Erfolgsgaranten Bill O'Reilly. Der konservative Sender ist seit längerem mit solchen Beschwerden konfrontiert. Von Thomas Seibert

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Bill O’Reilly wurde von seinem Arbeitgeber Fox wegen Sexismus-Vorwürfen gefeuert.
Foto: picture alliance / Justin Lane/epa/dpa

Plumpe Blondinenwitze, für die er sich nicht entschuldigte. Sexistische Bemerkungen. Unerwünschte Annäherungsversuche und Telefonanrufe, bei denen er offenbar am Hörer onanierte: Die Liste der Vorwürfe mehrerer Frauen gegen Bill O’Reilly, einen der bekanntesten und mächtigsten Männer im US-Nachrichtenfernsehen, ist lang. Jetzt hat Rupert Murdoch, Chef des Senders Fox News, nach langem Zögern die Notbremse gezogen und sich von dem 67-jährigen O’Reilly getrennt.

O'Reilly war ein Publikumsliebling bei Fox

O’Reilly war Murdochs bestes Pferd im Stall. Mit den täglich vier Millionen Zuschauern seiner abendlichen Talkshow „The O’Reilly Factor“ bescherte er dem Sender Fox News und dessen Muttergesellschaft, Murdochs 21st Century Fox, viel Geld: Laut Medienberichten produzierte O’Reillys Show allein im Jahr 2015 fast 180 Millionen Dollar an Werbeeinnahmen. Die hohen Einschaltquoten für O’Reilly strahlten auf andere Fox-Sendungen aus und trugen dazu bei, Fox zum unumstrittenen Marktführer bei den US-Nachrichtensendern zu machen.

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Anfang des Monats meldete die New York Times, Murdochs Unternehmen habe fünf Frauen, die Übergriffe O’Reillys gemeldet hatten, mit insgesamt 13 Millionen Dollar Schweigegeld abgefunden. Schon in den Vorjahren soll es ähnliche Aktionen gegeben haben, um O’Reillys Ruf zu retten. Enthüllungen wie der Bericht der New York Times brachten O’Reilly am Ende dennoch zu Fall.

Zahlungskräftige Werbekunden, die nicht mit einem mutmaßlichen Sexisten in Verbindung gebracht werden wollten, wandten sich massenweise ab – der Moderator war für Murdoch nicht mehr tragbar. O’Reilly, der während eines Besuches bei Papst Franziskus in Rom von seinem Rausschmiss erfuhr, weist alle Anschuldigungen zurück.

Mehrere ähnliche Beschwerden gingen bei Fox ein

Das hatte auch Fox-Gründer Roger Ailes getan, dessen frauenfeindliches Verhalten im vergangenen Sommer die Kette von Skandalen bei Fox lostrat. Ex-Moderatorin Gretchen Carlson reichte damals Klage gegen Ailes ein: Der Senderchef habe sie gefeuert, weil sie seine Annäherungsversuche abgewehrt habe.

Ähnliche Beschwerden anderer Fox-Mitarbeiterinnen zeichneten das Bild eines Senders, in dem Frauen zu Freiwild mächtiger Männer wurden. Carlsons Klage gegen Ailes – die Moderatorin einigte sich am Ende mit Fox auf eine Entschädigung in Höhe von 20 Millionen Dollar – habe eine „Lawine ausgelöst“, schrieb die Kolumnistin Margaret Sullivan am Donnerstag in der Washington Post.

Innerhalb von zehn Monaten hätten zwei der mächtigsten Männer im Nachrichtengeschäft ihre Jobs verloren. Das zeige, dass sich Frauen nicht mehr alles gefallen lassen müssten.

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