Den einfachsten Part bei "Unser Star für Oslo" hat die Jury. Sie kann mit Lob um sich werfen und muss keinem der Interpreten weh tun. Doch in einem Fall hätte das Trio mit Stefan Raab an der Spitze ehrliche Kritik üben sollen. Von Gunter Oley

Den einfachsten Part bei "Unser Star für Oslo" hat die Jury. Sie kannmit Lob um sich werfen und muss keinem der Interpreten weh tun. Doch ineinem Fall hätte das Trio mit Stefan Raab an der Spitze ehrlicheKritik üben sollen.
Die Suche nach dem deutschen Interpreten für das Finale des Eurovision Song Contest in Oslo hat mit der vierten Show gerade mal die Halbzeit erreicht. Eines aber steht schon jetzt fest - Deutschland wird gut vertreten sein.
Noch acht Kandidaten kamen auf die Bühne, und die Jury mit Stefan Raab an der Spitze kam aus dem Loben gar nicht mehr heraus. Diesmal hatte sich Raab Cassandra Steen und Sasha als Juroren an seine Seite geholt. "Super", "Hammer", "beeindruckt", "Spaß gemacht" - das Vokabular wiederholte sich bei ihren Beurteilungen.
Dafür lieferte schon Katrin Walter allen Grund. Die Kölnerin musste als Erste auf die Bühne und löste ihr Versprechen ein, "die Bühne zu rocken". Mit dem "Love Song" sorgte sie für gute Laune im Saal - mit ihrem Können überforderte sie allerdings die Begleitband. Eine mutige Wahl traf anschließend Sharyhan Osman - mit dem beswingten "Is You Is Or Is You Ain't My Baby" setzte sie einen außergewöhnlichen musikalischen Akzent in der Show.
Erst der dritte Kandidat brachte die Jury ins Grübeln. "Diese Nummer war die Falsche für dich", brachte es Sasha auf den Punkt. Deutlicher wurde die Kritik aber nicht, hier hätte der Jury eine Prise Dieter Bohlen doch gut getan. Der Anspruch war hoch - "Beautiful Day" von U2 war für Cyril Krueger deutlich eine Nummer zu groß. So konnte es nicht überraschen, dass er in der nächsten Show nicht mehr dabei sein wird.
Einen nervösen Start hatte Jennifer Braun, die dann aber mit "I'm With You" einen gefühlvollen Auftritt auf die Bühne zauberte. Einen eigenen Song präsentierte diesmal Chrisitan Durstwitz mit "Another Night". Der Auftritt gelang ihm gut, solange nur er selbst sich mit der Gitarre begleitete. Je mehr Personal der Band zum Einsatz kam, desto beliebiger wurde die Interpretation.
Geradezu plaudernd brachte die erfrischend unbekümmert auftretende Lena Meyer-Landrut "Foundations" zu Gehör - und alle drei Juroren überschlugen sich vor Begeisterung. Nicht nur gesanglich überzeugte 18-Jährige, die noch in der vergangenen Woche für die Vor-Abi-Prüfung büffelte anstatt zu proben.
Da wussten Stefan Raab, Cassandra Steen und Sasha allerdings noch nicht, dass die beste Darbietung noch bevorstand. Stimmgewaltig machte Kerstin Freking mit "Thank you" sogar das Original von Alanis Morissette vergessen. Bemängelte Stefan Raab zuvor immer wieder einzelne nicht getroffene Töne, fiel ihm diesmal rein gar nichts ein, was er hätte bekritteln können. Cassandra Steen lobte, dass es Freking gelang, "nur mit der Stimme zu beeindrucken."
Zum Abschluss zeigte Leon Taylor mit dem Lenny Kravitz-Song "Are you gonna go my way" seine rockige Seite, nachdem er in den ersten Shows deutschsprachige Titel gesungen hatte. Auch sein Auftritt litt etwas unter der Begleitband, die mit seinem Temperament nicht so recht mithalten konnte.
Den schwersten Part hatte am Dienstagabend das Publikum. Die Zuschauer mussten sich entscheiden, für wen sie nicht anrufen. Das wurde umso schwerer, als die acht Kandidaten gegenüber der Vorwoche nicht nur mit ihren Sangeskünsten zu überzeugen wussten, sondern es auch vermochten, bei den Zuhörern Emotionen zu wecken.
Nach seiner missglückten Titelwahl nahm Cyril Krueger seinen Abschied gefasst auf. Viel Trost brauchte jedoch die ausgeschiedene Katrin Walter, die nur mit Mühe die Tränen zurückhalten konnte.
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