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03. März 2010 07:05 Uhr

Song Contest

"Unser Star für Oslo": Qualität und Ayurveda mit Raab

Bei "Unser Star für Oslo" finden alle Beteiligten alles super.Zumindest die musikalischen Darbietungen rechtfertigen dieses Urteil.Und Leon fliegt zurecht raus. Von Benjamin Schäling

Stefan Raab sucht nach Kandidaten für den Deutschen Grand Prix.

Als gäbe es nicht schon genug Fußball im Fernsehen. Nein, bei "Unser Star für Oslo" ging es natürlich nicht um Fußball, sondern um Musik.

Aber die Einschätzungen der Experten-Jury um Stefan Raab vor den Sangesdarbietungen der sechs Kandidaten ähnelten schon den endlosen Plattitüden, die man aus dem Fußball-Fernsehen nur zu gut kennt. "Jetzt gilt es, sich auf hohem Niveau zu stabilisieren. Es wird nicht einfacher", ließ Raab beispielsweise fachkundig vom Stapel.

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Natürlich wurde auch gesungen. Die Jury, bestehend aus der formidablen Soulsängerin Joy Denalane und Rea Garvey von Reamonn, fand alles super (das meist gehörte Wort des Abends). So viel sei verraten. Allerdings lag die Jury insgesamt nicht weit daneben. Raab hat es geschafft, einen Kreis von Kandidaten auszuwählen, die sich meilenweit von den glatt gebügelten, singenden Weichmachern von "DSDS" unterscheiden.

Die Kandidaten von "Unser Star für Oslo" haben nicht nur Charisma und Charakter, sondern auch Talent. Und nicht zu knapp. Ein heißer Tipp für Oslo ist Lena Meyer-Landrut. Wie die 18-Jährige ihr "New Shoes" von Paolo Nutini auf die Bühne schmetterte, nötigte der Jury mehr als Respekt ab - zurecht.

"Deine Energie springt über", sagte Joy Denalane, und es wehte schon eine Brise warmer Esoterik über den Äther. Sie mache sich einfach keine Gedanken, wenn sie singe, gab eine fest ihr Mikrofon umklammernde Meyer-Landrut nachher zu Protokoll. Musik ist ihr Ding, Interviews sind es (noch) nicht.

Energisch präsentierte sich einmal mehr auch Christian Durstewitz. Was dem 20-Jährigen an Technik und sauberer Intonation fehlt, gleicht er durch Power aus. Mit Mando Diaos "Dance with somebody" und Prince-Optik entlockte er dem in "Herr der Ringe"-Optik erschienen Rea Garvey ein begeistertes "Du rockst". Naja, Garvey fand aber ohnehin alles toll. Im Kritik-Üben scheint er kein Training zu haben.

Auch die elfengleiche und engelsblonde Kerstin Freking (21) mit einem gefühlvollen und eindringlichen "Better" von Regina Spector und Jennifer Braun (18) mit dem (zu) viel gehörten "Ain't nobody" von Chaka Khan wurden zurecht gelobt. Bei Leon Taylor (26) und Sharyhan Osman (23) waren die Juroren derweil anfangs skeptisch.

Osman präsentierte ihr selbst komponiertes Stück über London namens "In the city" mit viel Emotion und noch mehr Gespür. Was der Song textlich vermissen ließ, machte er durch die weiche und balladenhafte Dramaturgie wieder wett. Es war einfach schön, auch wenn Raab nachher verriet, dass er fast eingeschlafen wäre. Allerdings nicht vor Langeweile, sondern weil er sich in eine ayurvedische Klangmassage versetzt fühlte. Osmans Mut wurde trotzdem belohnt - sie kam weiter.

Nicht mehr mitsingen darf dagegen Leon Taylor. Mit Eric Claptons "Tears in heaven" langte er daneben. Selbst "Schmuseonkel" Taylor, wie ihn Moderator Matthias Opdenhövel nannte, konnte nicht genug Gefühl in den traurigen Song legen. Der Funke sprang nicht über, was den lebensfrohen 26-Jährigen der Chance beraubte, in Oslo dabei zu sein.

Die übrigen Fünf singen am Freitag, 5. März, im Ersten weiter. Ohne den "Herrn der Ringe" Garvey und hoffentlich ohne Fußball-Floskeln, dafür wieder mit viel musikalischer Qualität. Vielleicht läuft Stefan Raab auch dann vor Freude wieder das ayurvedische Öl den Rücken hinunter. Benjamin Schäling

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