Aus zehn mach acht: Bei "Unser Star für Oslo" flogen in der dritten Show erstmals Kandidaten raus. Auch Juror Stefan Raab wollte endlich streng sein, scheiterte jedoch. Zum Leidwesen der Zuschauer. Von Christian Paul

Tolle Sänger, eine konstruktive, lobende Jury, wenig sinnfreies Geplapper in den Pausen zwischen den Auftritten: Auch die dritte Show von "Unser Star für Oslo" auf ProSieben ließ all das nicht vermissen. Und konnte genau deshalb nicht recht unterhalten.
Die Sendung scheint ein Luxusproblem zu haben: Die Teilnehmer sind stimmlich stark, das Moderatorenduo Opdenhövel/Heinrich nervt kaum und die Jury unterscheidet sich wohltuend von anderen Casting-Shows. Beliebt ist sie trotzdem nicht.
In der dritten Folge von "Unser Star für Oslo" bewerteten neben Jurypräsident Stefan Raab Pop-Ikone Nena und "Fettes Brot"-Sänger König Boris die Kandidaten. Doch an denen gibt es weiterhin kaum etwas auszusetzen. Das ist auch Raab längst aufgefallen. "Jetzt wird der Wind härter", sagte er zu Beginn, wohlwissend, dass die bisherige Lobhudelei den Quoten der Sendung nicht gut getan hat.
Doch wo Reizpunkte setzen, wenn es kaum welche gibt? Wollten Raab & Co. etwa Meri (If I ain't got you"), oder Jennifer ("Like the way I do"), die ersten beiden Sängerinnen, kritisieren? Sicher nicht für ihre Stimmen. Aussetzer leistete sich erstmals Maria-Lisa, die krankheitsgeschwächt beinahe an "Helena" von My Chemical Romance scheiterte. "Man merkt, dass du bei einigen Passagen Mühe hattest", kommentierte Raab, der den Song "nicht so überzeugend" fand.
Kritik light, also. In der Folge boten auch die Kandidaten Leon Taylor ("Irgendwas, das bleibt") und Katrin Walter ("Warwick Avenue") keine echte Angriffsfläche. "Nächste mal Arschbombe", fand König Boris. Das war immer noch besser als Raab, der in seinen Bewertungen zwar einmal mehr durch hohes musikalisches Wissen gefiel.
Doch bei beinahe jedem Kandidaten musste Raab seine positive Einschätzung aus der Vorwoche wiederholen - und wies jedes Mal ausdrücklich darauf hin. Das war in der Sache stets richtig, aber auch richtig langweilig. Um der Show wenigstens ein wenig Würze zu verpassen, musste der TV-Total -Moderator schon aufgesetzte Scharmützel mit Jury-Kollegin Nena anfangen. "Du kannst auch mal was sagen", forderte Raab die Sängerin nach dem Auftritt von Kerstin Freking aus Osnabrück ("Not ready to make nice") zu etwas Kritik auf.
Sie tat ihm den Gefallen nicht - und forderte stattdessen endlich mal einen eigenen Song der Teilnehmer. Den präsentierte die Münchnerin Sharyhan Osman mit "Feel the nile". Barfuß und streckenweise auf arabisch interpretiert, war sie anschließend für Raab die große Favoritin auf die nächste Runde.
Wer die nicht erreichte? Die Zuschauer entschieden sich am Ende gegen Maria-Lisa und Meri.
Am Ende bleibt das eine Randnotiz. Viel wichtiger wird sein, dass Raab die Zügel bei der Suche nach dem deutschen Kandidaten für das Finale des Eurovision Song Contests in Oslo endlich anzieht. Gute Sänger garantieren nicht immer gute Unterhaltung. Christian Paul
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