Gibt es endlos Erdöl, das aus dem Inneren der Erde kommt? Ein Versuch nährt die alte These neu. Doch ein deutscher Experte meldet massive Zweifel an. Von Niko Steeb Von Niko Steeb

Von Niko Steeb
Washington/Aachen/Augsburg - Gibt es endlos Erdöl, das aus dem Inneren der Erde kommt? Ein Versuch nährt die alte These neu. Ein deutscher Experte meldet massive Zweifel an.
Ein Versuch in den USA nährt die These, dass Erdöl direkt aus dem Erdmantel kommen könnte. Sie wurde Ende der 40er Jahre vom russischen Wissenschaftler Nikolai Kudryavtsev entwickelt. Die These lautet, dass Erdöl nicht nur aus verrottenden Pflanzen entsteht, sondern tief im Erdmantel ohne organisches Material. Bis heute hält sich die Theorie, gerade unter Wissenschaftlern aus dem ehemaligen Ostblock.
Ein Versuch an der amerikanischen Carnegie Institution gibt laut einem Bericht der Fachzeitschrift "Nature Geoscience" erstmals Belege dafür, dass dies möglich sei. Dr. Bernhard Krooss vom Lehrstuhl für Geologie und Geochemie an der Universität Aachen äußerte gegenüber Augsburger Allgemeinen Online massive Zweifel an den Schlüssen des Versuchs.
Was wurde in dem Versuch getestet? Methan (Hauptbestandteil von Erdgas) wurde in einer Diamantdruckkammer auf Temperaturen zwischen 700 und 1200 Grad erhitzt und dem 20.000-fachen normalen Luftdruck ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen bildeten sich aus dem Methan die längerkettigen Kohlenwasserstoffe Ethan, Propan und Butan. Die entstandenen Kohlenwasserstoffe blieben über Stunden stabil. Ethan, Propan und Butan kommen ebenfalls im Erdgas vor. Erdöle enthalten jedoch Kohlenwasserstoffe mit deutlich größeren Kettenlängen.
Bernhard Krooss zum Versuch: "Dass dies im Labor funktioniert, daran habe ich keinen Zweifel. Es gab auch schon ähnliche Versuche." Die Übertragung des Laborversuchs in geologische Systeme hält er aber für "problematisch". Dies würde voraussetzen, dass im Erdmantel Methan vorhanden wäre. Nach Krooss' Einschätzung und dem Großteil seiner Kollegen ist genau dies aber nicht bewiesen.
Die Hypothese geistert laut Krooss seit Jahren immer wieder durch die Literatur. Erdöl sei aber ganz klar organischen Ursprungs: "Im Erdöl finden sich biogene Bestandteile, die in ihrer Zusammensetzung und ihren optischen Eigenschaften (Drehung des polarisierten Lichtes) ganz klar auf einen organischen Ursprung hinweisen." Alle Lebewesen, ob Pflanzen oder Tiere, erzeugen charakteristische Biomoleküle, deren Produkte als "chemische Fossilien" (Biomarker) im Erdöl eindeutig nachgewiesen werden können.
Krooss meldet noch weitere Einwände an. Das Vorhandensein von Methan oder gar freiem Wasserstoff im Erdmantel ist keineswegs bewiesen. "Die Herkunft des Methans, das im Experiment einfach vorausgesetzt wird, ist fraglich und zweifelhaft."
Auch einen anderen Mythos um die abiotische Entstehung von Erdöl wischt Bernhard Krooss vom Tisch. Die Verteidiger der abiotischen Theorie behaupten, dass leere Erdölfelder sich wieder füllen würden. Die zumeist schlecht dokumentierten "Beispiele" lassen sich problemlos durch ein Nachfließen aus benachbarten Feldern und nicht aus dem Erdinneren erklären.
Bernhard Krooss will aber nichts ausschließen: "Ich bin dagegen das pauschal und für immer abzulehnen. Wir müssen offen bleiben für neue Ergebnisse und Erkenntnisse". Der derzeitige Faktenstand spricht allerdings massiv gegen die Schlussfolgerungen. Die Ergebnisse des Versuchs seinen für einen Chemiker wenig überraschend.
Die Aussage der Autoren sei, wenn man sie genau liest, sehr vorsichtig und zurückhaltend Sie machen keinerlei Angabe zu dem Umfang dieser Prozesse, was von wissenschaftlicher Korrektheit zeuge, sagt Bernhard Krooss.
Endlose Erdölreserven sind wohl nur ein Traum, der aber angesichts des Klimawandels auch ein Alptraum werden könnte.
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