Donnerstag, 24. April 2014

15. Dezember 2013 16:18 Uhr

Kommentar zu "Wetten, dass..?"

Warum die Rassismus-Vorwürfe wegen Jim Knopf daneben sind

Irgendjemand, der irgendetwas zu kritisieren hat, findet sich immer. "Wetten, dass..?" und dem ZDF wegen der Stadtwette um Jim Knopf Rassimus vorzuwerfen, ist allerdings daneben.

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Wirbel um die Stadtwette bei "Wetten, dass..?": Passend zur Puppenkiste sollten 25 Augsburger Paare in Verkleidung auf die Bühne kommen - als Jim Knopf und Lokomotivführer Lukas. 108 Paare kamen tatsächlich. Im Bild Markus Lanz mit Augsburgs OB Kurt Gribl und seiner Lebensgefährtin - beide ebenfalls verkleidet.
Foto: Silvio Wyszengrad

Irgendjemand, der irgendetwas zu kritisieren hat, findet sich immer. Vor allem bei "Wetten, dass..?". Nachdem ZDF-Moderator Markus Lanz bei der Sendung in Augsburg offenbar sonst nichts vorzuwerfen war, stürzen sich Teile der Internet-Gemeinde jetzt auf seine Stadtwette.

Passend zur Puppenkiste sollten 25 Augsburger Paare in Verkleidung auf die Bühne kommen - als Jim Knopf und Lokomotivführer Lukas. Weil Jim Knopf, der kleine Held aus Michael Endes Kinderbüchern, bekanntlich dunkelhäutig ist, riet Lanz zur Maskerade mit "Kohle oder Schuhcreme".

Rassismus-Debatte nach "Wetten, dass..?" in Augsburg

Und damit begann das Drama. Unter dem Schlagwort "#blackfacing" brandet nun bei Twitter eine wilde Rassismus-Debatte. Mit angestoßen hat die Diskussion Anne Wizorek, die junge Frau, die auch schon mit "#aufschrei" eine Sexismus-Diskussion entfachte. Der Begriff "Blackface", geprägt durch US-Theatermaskerade aus dem 19. Jahrhundert, steht für rassistisches Schauspiel. Weiße mit schwarz bemaltem Gesicht amüsierten sich dabei auf Kosten der "Neger", die sie als dumm und minderwertig darstellten.

Jim Knopf ist ein sympathischer Held

Diese Darbietungsform, nur wegen der schwarzen Farbe, auf die Augsburger Stadtwette zu übertragen, ist aber extrem weit hergeholt. Denn die Figur Jim Knopf ist in den gleichnamigen Büchern und Marionetten-Stücken der mutige, abenteuerlustige und sympathische Held - ein Vorbild, mit der sich schon Generationen von Kindern jeder  Hautfarbe identifiziert haben.

In seinen Geschichten erobert er gemeinsam mit seinem Freund Lukas in einer Lokomotive die fantastische Kinderwelt. Er befreit den Scheinriesen Turtur aus der Einsamkeit, kämpft erfolgreich gegen die bösen Piraten der "Wilden 13", bezwingt den gefährlichen Drachen Frau Mahlzahn und rettet andere Kinder aus der Gefangenschaft.

Die Hautfarbe des Buben spielt bei alldem überhaupt keine Rolle. Sie wird, irgendwann im Lauf der Geschichte, damit erklärt, dass Jim Knopf ein Nachfahre eines der "Heiligen Drei Könige" sei - von Kaspar. Dumm und minderwertig? Fehlanzeige.

Wie ein Biene-Maya-Kostüm ohne Streifen

Eine Jim-Knopf-Verkleidung ohne dunkle Hautfarbe aber wäre ungefähr so gut zu erkennen wie ein Biene-Maya-Kostüm ohne Streifen. Markus Lanz hat, wenigstens in diesem Fall, alles richtig gemacht.

Sollte sich allerdings doch ein gesellschaftlicher Konsens einstellen, der eine Jim-Knopf-Verkleidung mit dunkler Haut als abwertend einstuft, soll an dieser Stelle aber auch gleich die Frage nach der Drei-Königs-Tradition gestellt werden. Denn, vor allem im süddeutschen Raum, ziehen jedes Jahr am sechsten Januar vielerorts weihrauchschwenkende Kinder von Haus zu Haus, um Gottes Segen an die Haustüren zu schreiben. "C+M+B", kritzeln sie mit Kreide, die Abkürzung von „Christus Mansionem Benedicat“ - "Christus segne dieses Haus". Und, nicht selten, haben die kleinen Kaspar-Darsteller in diesen Fällen schwarze Farbe im Gesicht.

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Karin Seibold

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt