Dienstag, 21. November 2017

04. August 2017 07:09 Uhr

Fipronil

Wie gefährlich sind verseuchte Eier?

Über die Niederlande kamen Millionen mit Insektenschutzmittel Fipronil belastete Eier nach Bayern. Was Verbraucher jetzt wissen müssen

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Millionen Eier müssen vernichtet werden, Legehennen getötet, ihr Fleisch entsorgt. Gegen die Firma, die das gefährliche Insektizid Fipronil in Umlauf brachte, wird jetzt ermittelt.
Foto: Huisman Media, dpa

Millionen Eier, die mit einem Insektenschutzmittel verseucht sind, beunruhigen die Verbraucher. Sie gelangten auch nach Deutschland. Lebensmittelketten räumten vorsorglich ihre Regale aus. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist passiert?

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Mehrere Millionen Eier aus den Niederlanden und Belgien sind mit dem Insektenschutzmittel Fipronil belastet. Etwa 200 niederländische Betriebe wurden vorsorglich stillgelegt, in Belgien sollen es knapp unter 100 sein. Der Eier-Handel mit den Nachbarstaaten wurde gestoppt. Mindestens 268000 möglicherweise verseuchte Eier sind allerdings vorher schon an den Handel in Bayern geliefert worden.

Wie kann man verseuchte Eier erkennen?

Anhand der Stempel-Nummern kann man selbst überprüfen, ob Eier im Kühlschrank belastet sind. Wer will, kann sie zum Händler zurückbringen und sein Geld zurückfordern.

Welche Stempelnummern sind betroffen?

Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sind im Freistaat Eier mit diesen Nummern betroffen: 1-NL-4331901, 1-NL-4035701, 1-NL-4339912, 1-NL-4339301, 1-NL-4359801. Sie sollten vorsorglich nicht gegessen werden. Alle Prüfnummern findet man auch auf dem Internetportal www.lebensmittelwarnung.de.

Sind andere Lebensmittel mit Ei wie Mayonnaise oder Pasta auch belastet?

Fipronil wird nicht abgebaut, wenn die Eier gekocht oder gebacken werden. Das heißt, dass Lebensmittel, in denen belastete Eier stecken, prinzipiell genauso viel Fipronil enthalten wie die Eier selbst. Woher verarbeitete Eier in Lebensmitteln stammen, ist für Verbraucher allerdings in der Regel nicht nachvollziehbar.

Was ist mit Hühnerfleisch?

Das Fleisch ist in Ordnung. Legehennen werden sowieso nicht für den menschlichen Verzehr gezüchtet. Ihr Fleisch könnte aber etwa in Dosensuppen landen. Um das zu verhindern, werden in den Niederlanden mit Fipronil verseuchte Legehennen getötet und das Fleisch entsorgt.

Ist Fipronil gefährlich?

Wie genau Fipronil auf Menschen wirkt, ist nicht bekannt. In Experimenten mit Ratten schädigte der Stoff das Nervensystem und die Leber. Auswirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen wurde erst bei höheren Dosen (mehr als drei belastete Eier pro Woche) beobachtet.

Wie viele belastete Eier müsste ein Erwachsener essen, um die Grenzwerte zu überschreiten?

Bislang lagen die höchsten Fipronil-Werte bei 1,2 Milligramm pro Kilogramm Ei. Auf der Basis kann nach der Berechnung des Bundesinstituts für Risikobewertung ein Erwachsener mit 65 Kilo Körpergewicht sieben Eier in 24 Stunden essen, ohne den Wert zu überschreiten.

Sind Kinder gefährdeter als Erwachsene?

Für Kinder gilt derselbe Richtwert wie für Erwachsene. Sie haben aufgrund ihres geringeren Körpergewichts aber natürlich die Dosis schon erreicht, wenn sie deutlich weniger Eier gegessen haben.

Wie kam das giftige Mittel überhaupt in die Eier?

Belgischen Informationen zufolge führt die Spur zu einem Unternehmen in Baarle-Hertog, ein zu Belgien gehörendes Dorf im Süden der Niederlande. Der Betrieb handelt legal mit Insektiziden. Fahnder haben dort angeblich 6000 Liter Fipronil gefunden. Offenbar wurde das Mittel auch an die holländische Firma ChickFriend verkauft. Sie ist auf Stallreinigung spezialisiert und stellt ein Präparat gegen Läuse her, das mit Fipronil verunreinigt wurde und daraufhin in die Ställe gelangte, wo die Tiere es über die Federn und die Haut aufgenommen haben. Unklar ist, ob der niederländische Händler, von dem die meisten Höfe das Mittel bezogen, von der Gefahr wusste. Gegen beide Unternehmen wird inzwischen ermittelt. Die Firmen selbst äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen. (dpa, dr)

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Niederlande | Belgien | Deutschland

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Ein Artikel von
Detlef Drewes

Augsburger Allgemeine - Redaktion Brüssel
Ressort: Politik


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