"Dallas"-Star Larry Hagman alias J.R. Ewing wird heute 80. Ein Rückblick auf das Leben eines außergewöhnlichen Schauspielers. Von Till Hofmann

Im Badezimmer von Larry Hagman ist dann doch kein Platz für ein breites Grinsen – eher für Demut. Denn dort, auf seiner Ranch in den südkalifornischen Bergen um Ojai, hängt nach eigenem Bekunden des US-Schauspielers das Foto eines Mannes. Dessen Leber ist Hagman vor 16 Jahren eingepflanzt worden. „Ich danke ihm jeden Tag beim Rasieren für mein Leben“, sagte der Darsteller einmal.
Einem breiten Fernsehpublikum in Deutschland ist er nachhaltig in Erinnerung geblieben – als Oberschurke J.R. Ewing in der Familiensaga „Dallas“. Heute feiert Hagman seinen 80. Geburtstag – mutmaßlich ohne harte Drinks, die er früher nicht nur auf dem Bildschirm in vollen Zügen genossen hat, sondern auch im wahren Leben.
Am 23. August 1995 konnte ihm nur noch eine 16-stündige Organtransplantation helfen. Den deutschen Zuschauern fiel der gebürtige Texaner, Sohn eines Rechtsanwalts und des Musical-Stars Mary Martin, bereits in den 60er Jahren auf. Damals spielte er in der Fernsehserie „Bezaubernde Jeannie“ den Astronauten Tony Nelson. Zum weltweiten Durchbruch und zum Kultstatus verhalf ihm indes die Verkörperung des Ölpotentaten John Ross Ewing, der nie um eine Intrige verlegen war und der keine Affäre ausließ. Hagman hatte die Rolle seines Lebens – und gefällt sich noch heute als Bösewicht: „Gute Kerle haben längst nicht so viel Spaß wie Böse. Ich spiele lieber die witzigen Parts.“
14 Jahre lang lief „Dallas“. Rund 350 Folgen wurden ausgestrahlt. Und jetzt, ab Oktober, werden in den USA zehn neue Folgen der „nächsten Generation“ gedreht. Aus der Seniorenriege haben drei Darsteller den Sprung in die Gegenwart geschafft: Patrick Duffy als J.R.s jüngerer Bruder Bobby, Linda Gray in der Rolle der betrogenen Ehefrau Sue Ellen – und der Fiesling selbst. „Es ist ungefähr so, als ob sich die drei Musketiere treffen“, beschreibt Gray die Wiedervereinigung.
Geschäftstüchtig ist Hagman nicht nur vor der Kamera. Der Umweltaktivist hat sich unlängst vor den Werbekarren eines Bonner Solarunternehmens spannen lassen und mutiert dort vom Öl- zum Solarbaron. Dem jungen „Dallas“-Publikum aus den 80er Jahren – inzwischen nicht selten gut situierte Immobilieneigentümer – wird vor Augen geführt, dass es an der Zeit ist, sich wie J.R. vom Öl zu verabschieden und auf Solarenergie zu setzen. Der hat schließlich ein Näschen für Geschäfte. Das ist die Botschaft.
Finanziell muss Hagman schon lange nichts mehr fürchten. Wenn er sich heute feiern lässt und bald noch einmal seinen Stetson und das fieseste Lächeln überhaupt aufsetzt, ist die Freude jedoch getrübt. Denn der Star sorgt sich um seine schwedische Ehefrau Maj (82), mit der er seit 1954 verheiratet ist und zwei Kinder hat. Sie ist dement. Zurzeit sei alles nicht so einfach, sagte er vor wenigen Tagen. „Jeden Tag stirbt meine Frau ein Stück mehr.“ Das zu akzeptieren falle ihm schwer, „denn wir sind sehr vertraut. Maj ist mein Ein und Alles.“
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