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Havarie der "Costa Concordia": „Menschliches Versagen“

Havarie der "Costa Concordia"

„Menschliches Versagen“

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    Ein gespenstisches Bild: Die angestrahlte "Costa Concordia" vor der Insel Giglio. Foto: Massimo Percossi dpa
    Ein gespenstisches Bild: Die angestrahlte "Costa Concordia" vor der Insel Giglio. Foto: Massimo Percossi dpa

    Rom Drei Tage nach dem Schiffsunglück der „Costa Concordia“ vor der italienischen Westküste verdichten sich die Vorwürfe gegen den Kapitän des Ozeanriesen, Francesco Schettino. Während auch am Montag bei schlechter werdendem Wetter Taucher zunächst weiter nach den 29 Vermissten suchten, sitzt Schettino nach wie vor in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft besteht Fluchtgefahr.

    Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen mehrfacher Tötung

    Durch die Havarie der Costa Concordia sind inzwischen sechs Menschen ums Leben gekommen. Vermisst werden nach wie vor auch Deutsche. Die Staatsanwaltschaft in Grosseto ermittelt gegen Kapitän Schettino wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Herbeiführung von Schiffbruch. Außerdem soll er sein Schiff lange vor Abschluss der Rettungsmaßnahmen verlassen haben. Der Leitende Staatsanwalt, Franceso Verusio, sagte gestern: „Nach ersten Ermittlungen sehen wir bestätigt, dass der Kapitän im Moment des Aufpralls auf die Klippe auf der Kommandobrücke war und dass er das Schiff geführt hat.“ Verusio bestätigte auch, dass „der Kapitän das Schiff verlassen hat, während vielen Menschen noch zu helfen war.“ Schettino soll heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

    Die Reederei hat den Kapitän mittlerweile entlassen

    Schon am Sonntagabend hatte sich sein Arbeitgeber, die Genueser Reederei Costa Crociere, mit einer Erklärung von ihrem Kapitän distanziert. Die Reederei schreibt: „Während die Ermittlungen laufen, gibt es vorläufige Befunde, dass ein bedeutsamer menschlicher Fehler des Kapitäns Francesco Schettino diese schweren Konsequenzen nach sich gezogen hat. Die Schiffsroute scheint zu nah an der Küste gewesen zu sein und die Einschätzung des Kapitäns, wie mit diesem Notfall umzugehen ist, entsprach nicht den Dienstanweisungen von Costa Crociere.“ Wie alle Kapitäne sei er permanent geschult worden und habe alle Tests bestanden.

    Gestern dann gab die Reederei bekannt, dass der Kapitän entlassen sei. Der 52 Jahre alte Schettino kam 2002 zu Costa Crociere, erst als Sicherheitsoffizier, dann seit 2006 als Kapitän. Der Chef der Kreuzfahrtgesellschaft, Pier Luigi Foschi, ging während einer Pressekonferenz in Genua gestern deutlich auf Distanz zu Schettino und sprach von einem „menschlichen Fehler“. Was genau in der Nacht zum Freitag vorgefallen ist, werden wohl die Auswertungen der am Sonntagnachmittag geborgenen Blackbox des Schiffes ergeben. Erste Ergebnisse erwarten sich die Ermittler schon in den kommenden Tagen. Sollte sich allerdings bestätigen, was italienische Zeitungen teilweise übereinstimmend berichten, wird Schettino vor Gericht einen sehr schweren Stand haben. Laut Corriere della Sera ließ der Kapitän kurz vor dem Aufprall auf den Felsen einen von Giglio stammenden Oberkellner auf die Kommandobrücke kommen. Er soll, so zitiert die Zeitung einen Zeugen, gesagt haben: „Antonello, schau mal, wir sind ganz nahe an deinem Giglio.“ Daraufhin soll dieser seinen Kapitän vor der gefährlichen Nähe zum Ufer gewarnt haben. In diesem Fall wäre eine sogenannte „Verneigung“, die Passage eines Schiffes bei voller Beleuchtung und mit klingenden Schiffssirenen, wohl der Grund für die Havarie.

    Der Corriere zitiert weiter aus einem Telefonat, das Schettino am frühen Samstagmorgen um fünf Uhr mit seiner 80 Jahre alten Mutter geführt haben soll. Er sagt: „Mutter, es ist ein Unglück passiert, aber bleib ruhig. Ich habe versucht, die Passagiere zu retten. Für eine Weile können wir nicht telefonieren.“

    Ob Schettino tatsächlich auch nur annähernd genug für die Passagiere getan hat, geschweige denn den Versuch startete, sie zu retten, daran zweifelt nicht nur die ermittelnde Staatsanwaltschaft. Die Tageszeitung Il Fatto quotidiano etwa beruft sich auf Zeugen und berichtet, Kapitän Schettino habe zunächst keinen Notruf abgesetzt. Das habe eine verzweifelte Passagierin mit einem Handy-Anruf getan. Der Kapitän habe auch zunächst nur von einem technischen Defekt gesprochen, wie die Zeitung schreibt. Außerdem soll ihn demnach die Hafenkommandantur von Livorno nach dem Unglück, als er das Schiff schon verlassen hatte, mehrmals aufgefordert haben zurückzukehren. Schettino habe das abgelehnt.

    Der 52-Jährige stammt aus einer Seefahrerfamilie in der Nähe von Neapel. In einem Interview mit einer tschechischen Zeitung hatte er vor einem Jahr gesagt, er wolle nie in die Rolle des Kapitäns der Titanic geraten, der zwischen Eisbergen navigierte. In dem Interview gab er sich angesichts moderner Technik zuversichtlich. „Ich glaube, dass man dank der richtigen Vorbereitung jede Situation beherrschen und möglichen Problemen vorbeugen kann.“ Das „Wichtigste“, so Schettino, sei die „Sicherheit der Passagiere“.

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