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04. Januar 2012 17:15 Uhr

Stephen Lawrence

Mord in London: Urteil nach 18 Jahren

Vor 18 Jahren haben Jugendliche den Jamaikaner Stephen Lawrence niedergestochen. Nun sind sie verurteilt worden.

Nach der Verurteilung: Die Mutter des ermordeten Stephen Lawrence.

Mehr als 18 Jahre nach dem rassistisch motivierten Mord an einem schwarzen Jugendlichen in London sind zwei Mitglieder der Täterbande zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in London verhängte am Mittwoch 14 und 15 Jahre Haft gegen die beiden heute 35 und 36 Jahre alten Männer. Beide waren zur Tatzeit minderjährig und wurden deshalb nach Jugendstrafrecht verurteilt. Den beiden Tätern könnten keinerlei mildernde Umstände zugebilligt werden, weil sie nach der Bluttat bis heute keine Reue gezeigt hätten, betonte Richter Colman Treacy.

Der «schreckliche und bösartige» Mord sei eindeutig durch Rassenhass motiviert gewesen. Ein vollkommen unschuldiger Jugendlicher sei damals «an der Schwelle zu einem vielversprechenden Leben» von einer «rassistischen, aggressiven Bande» brutal ermordet worden, sagte Treacy. «Ich habe keinen Zweifel, dass Sie die Ansichten und Überzeugungen der Bande voll und ganz geteilt haben», sagte er zu den Tätern. Ein Geschworenengericht hatte die Angeklagten am Dienstag auf der Grundlage neuer forensischer Beweise schuldig gesprochen, im April 1993 den 18-jährigen Stephen Lawrence erstochen zu haben.

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Der Jugendliche war damals gemeinsam mit einem Freund an einer Bushaltestelle im Londoner Stadtteil Eltham von einer fünf- oder sechsköpfigen Jugendgang überfallen worden. Laut der Staatsanwaltschaft beschimpften die Bandenmitglieder den Sohn jamaikanischer Einwanderer als «Nigger». Während der Freund fliehen konnte, wurde Lawrence von der Gang umzingelt und brutal niedergestochen. Die Eltern des Mordopfers hatten sich unnachgiebig für die Aufklärung des Falls und die Verfolgung der Täter eingesetzt.

Mutter des ermordeten Stephen Lawrence nach Urteil erleichtert

Die Mutter des Ermordeten, Doreen Lawrence, zeigte sich nun erleichtert und sagte, das Urteil sei für sie «der Beginn eines neuen Lebens», denn all die Jahre hätten sie «in der Luft gehangen». Lawrences Vater Neville gab sich indes kämpferisch, dies sei nur ein Schritt auf der Suche nach Gerechtigkeit. Er hoffe, dass die Verurteilten nun die Namen der übrigen Mittäter preisgeben würden, sagte er. Auch Scotland-Yard-Chef Bernard Hogan-Howe kündigte an, weiter nach den Mittätern zu suchen. Für Empörung hatte der Umgang mit dem Fall gesorgt. «Hätte die Polizei ihre Arbeit richtig gemacht, hätte ich die vergangenen 18 Jahre um meinen Sohn getrauert, anstatt dafür zu kämpfen, seine Mörder vor Gericht zu bringen», sagte Doreen Lawrence vor dem Gerichtsgebäude. Ein im Jahr 1999 veröffentlichter Untersuchungsbericht kam zu dem Schluss, dass die Polizei die Ermittlungen durch «eine Kombination aus professioneller Inkompetenz und institutionellem Rassismus» behindert habe. Der Bericht führte zu einer umfassenden Reform des Polizei- und Justizwesens in Großbritannien. afp

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