Stuttgart Anfang nächsten Jahres drohen neue Auseinandersetzungen um das Milliardenprojekt Stuttgart 21. Nach der Weihnachtspause will die Bahn den Südflügel des Hauptbahnhofs abreißen. Und sie will 176 Bäume im Schlossgarten beseitigen: Die eine Hälfte wird gefällt, die andere verpflanzt.
Nachdem Schlichter Heiner Geißler das Versetzen möglichst vieler Bäume vorgeschrieben hatte, scheinen neue Proteste programmiert. Für die Parkschützer warf deren Sprecher Matthias von Herrmann der Bahn „Falschspielerei“ vor: „Alle Zusicherungen, den Schlichterspruch umzusetzen, waren reine Augenwischerei.“
Die Bahn verweist dagegen auf unüberwindliche Hindernisse. Gutachter Bodo Siegert (Nürnberg) hat alle Bäume, die für den neuen Bahnhof weichen müssen, beurteilt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte mit einem Stammdurchmesser bis 50 Zentimeter relativ problemlos an neue Standorte verpflanzt werden kann. Dies koste rund 400000 Euro. Sehr viel aufwendiger wäre dagegen das Verschieben von großen Exemplaren, die bis 900 Tonnen wiegen. Da koste die Verpflanzung eines einzigen Baumes bis zu 400000 Euro. Zudem könnten die nur im Schlossgarten verschoben werden.
Für Projektsprecher Wolfgang Dietrich sind das „Hauptproblem nicht die Kosten, sondern die Ersatzstandorte“. Das Land als Eigentümer des Schlossgartens und die Stadt müssten schnell entscheiden, forderte er. Nur bis Ende Februar seien die Arbeiten möglich. Vor deren Beginn müsse auch die Zeltstadt der Parkbesetzer geräumt sein.
Für die Neubaustrecke bis Ulm will die Bahn 2012 den Tunnel am Albaufstieg ausschreiben. „Das ist technisch sehr interessant und so spannend, dass sich alle Tunnelbauer bewerben“, spürt Projektleiter Stefan Penn schon jetzt großes Interesse bei den Baufirmen.