Dienstag, 21. Mai 2013

12. April 2012 13:09 Uhr

Verkehr

ADAC lehnt "Senioren-TÜV" im Straßenverkehr ab

Hamburgs Innensenator Neumann plädiert für Gesundheits-Tests für Senioren am Steuer. Die Unfallzahlen älterer Menschen seien extrem hoch. Der ADAC will das so nicht stehen lassen.

Sicher auf der Straße - Hamburs Innensenator schlägt Gesundheits-Test für Senioren vor.
Foto: DPA

Wegen angeblich steigender Unfallzahlen von Senioren sprach sich Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) in der Bild-Zeitung dafür aus, dass sich Autofahrer spätestens alle 15 Jahre ärztlich auf ihre Fahrtauglichkeit untersuchen lassen. Neumann stützt sich dem Bericht zufolge auf neue Zahlen: Danach haben Senioren ab 65 Jahre mit 61,6 Prozent den höchsten Verursacheranteil am Unfallgeschehen in der Hansestadt.

"Senioren keine große Gefährdung im Straßenverkehr"

Über diese Zahlen kann Andreas Hölzel, Pressesprecher des ADAC,  nur den Kopf schütteln. "Die bundesweiten Zahlen sehen anders aus. Senioren am Steuer stellen im Straßenverkehr keine große Gefährdung dar. Bundesweit sind in nur 13 Prozent der Unfälle die Verursacher über 65 Jahre alt– und das bei einem Anteil von über 20 Prozent an der fahrfähigen Bevölkerung“, erklärt Hölzel. Natürlich müsse sich jeder selbst hinterfragen, bevor er ins Auto steigt. Das gelte aber für jedes Alter und nicht nur für Senioren. „Manchmal ist ein 70-Jähriger noch fitter als ein 50-Jähriger“, sagt Hölzl.

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Für ADAC-Sprecher Hölzel sind Fahranfänger und nicht Senioren das größte Problem. Das zeigt auch eine Unfallstatistik des ADAC: Hauptverursacher von Unfällen sind zu 20 Prozent junge Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren. Ihr Anteil an der fahrfähigen Bevölkerung liegt aber unter zehn Prozent. Bei den über 75-Jährigen hingegen beläuft sich die Zahl der Unfallverursacher laut ADAC-Statistik gerade einmal auf rund vier Prozent.

Hölzel vermutet, dass mehrere Zahlen vermischt wurden, wie etwa die der im Straßenverkehr als Fußgänger verletzten Senioren sowie die derer, die selbst am Steuer saßen. Genau so ist es auch. Denn wie ein Blick in die Statistik zeigt, beziehen sich die Hamburger Unfallzahlen tatsächlich nicht nur auf den Autoverkehr, sondern geben auch Unfälle von Radfahrern und Fußgängern wieder. Innensenator Neumann sprach aber explizit von einem Gesundheitstest für Autofahrer. Dass Hölzel die Zahlen aus Hamburg nicht nachvollziehen kann, verwundert unter diesem Gesichtspunkt nicht.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) möchte das Urteil über die Fahrtüchtigkeit dem Hausarzt überlassen: „Ältere Verkehrsteilnehmer dürfen nicht diskriminiert werden. Entscheidend für die Fahrtüchtigkeit ist nicht das Alter, sondern der Gesundheitszustand.“ Ramsauer will, dass sich Senioren regelmäßig von ihrem Arzt beraten lassen.

Augsburger Altenclub-Leiterin: Lieber freiwillige Checks

So sieht das auch Elisabeth Wunderer, Leiterin des Altenclubs der Arbeiterwohlfahrt im Augsburger Stadtteil Bärenkeller. Wenn sie sieht, wie sich einer der Senioren ihres Vereins noch mit 86 Jahren und gerade erst überstandener Hüft-Operation hinter das Steuer eines Autos setzt, ist ihr manchmal nicht so ganz wohl. „Ich rate ihm dann, zum Arzt zu gehen, damit der feststellen kann, ob man überhaupt noch fahrtauglich ist“,  sagt sie. Generell findet sie es eine gute Idee, sich regelmäßig untersuchen zu lassen, um niemanden im Straßenverkehr zu gefährden. „Manchmal sieht oder hört man schlecht und gesteht sich das aber nicht ein“, sagt Elisabeth Wunderer. Aber solche Checks sollten auf freiwilliger Basis stattfinden. Den Senioren etwas vorzuschreiben hält sie für problematisch.

Neumann sieht das etwas anders. Er verwies darauf, dass ab 2013 EU-weit der Führerschein jeweils nur noch für 15 Jahre gilt und betonte: „Bei der Verlängerung von Führerscheinen darf es keinen Automatismus mehr geben. Der Bundesverkehrsminister sollte die Chance nutzen, parallel zur Einführung der 15-jährigen Befristung von Führerscheinen auch regelmäßige Gesundheitstests zur Pflicht zu machen.“

Auch die Grünen fordern vorgeschriebene Gesundheits-Tests

Unterstützung erhielt Neumann vom verkehrspolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Stephan Kühn. Er forderte in der Zeitschrift  AutoBild, den Gesundheits-Check schon jetzt vorzuschreiben, wenn der Führerschein älter als 15 Jahre ist: „Die eigene Fahrtauglichkeit falsch einzuschätzen ist keine Altersfrage." (mit dpa)

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Stephanie Sartor

Donau-Zeitung
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