Viele Dienstwagen von Spitzenpolitikern sind nicht umweltfreundlich. Ministerpräsident Seehofer soll das Schlusslicht sein Von Dominik Mai

Berlin Ob Horst Seehofer, Beate Merk oder Joachim Herrmann: Die Hälfte der bayerischen Minister sind Klimasünder. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Umwelthilfe, die Dienstwagen von Politikern in der ganzen Republik unter die Lupe nahm. Die Landesregierung in Baden-Württemberg kann hingegen eine bessere Bilanz aufweisen, ebenso die Bundesminister. Doch der Großteil des politischen Spitzenpersonals bewältigt seine Dienstfahrten nach wie vor mit Limousinen, deren Emissionen deutlich über dem Zielwert der EU liegen, so das Fazit des Dienstwagen-Checks.
„Das ist ein ernüchterndes Ergebnis“, sagte Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Seit Jahren untersucht die Organisation Dienstwagen von Spitzenpolitikern auf ihre Klimafreundlichkeit. Immer noch würden sich „viel zu wenige für wirklich klimaschonende Dienstwagen entscheiden“, sagt Resch.
Grundlage für die Erhebung sind Auskünfte der Politiker. Diese Daten werden mit dem Zielwert der EU abgeglichen. Dieser liegt bei 130 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer. Überschreitet ein Fahrzeug den Grenzwert um mehr als 50 Prozent, verteilt die Deutsche Umwelthilfe eine Rote Karte. Diese haben in diesem Jahr die Hälfte aller Landeschefs bekommen.
Spitzenreiter ist Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Sein BMW stößt laut Umwelthilfe 278 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Ihm folgt Hessens Regierungschef Volker Bouffier, der erst nach einer Klage der Organisation die Zahlen für seinen Dienstwagen offenlegte. Zusammen mit ihren Amtskollegen aus Nordrhein-Westfalen und Berlin, Hannelore Kraft und Klaus Wowereit, bilden Seehofer und Bouffier damit die „große Koalition der Klimakiller“, wie es der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Resch, nennt. Im Vergleich der Landesregierungen haben bayerische Minister die größten Klimakiller: Fünf von ihnen bekamen die Rote Karte.
Anders sieht es bei der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg aus, sie liegt auf Platz sechs. Damit konnte sie den durchschnittlichen CO2-Ausstoß im Vergleich zur CDU/FDP-Regierung deutlich verringern. Im direkten Vergleich der Umweltminister liegt Bayern mit Marcel Huber an der Spitze der Klimasünder.
Für die Bundesregierung gab es keine Roten Karten, aber auch hier fällt die Bilanz negativ aus. „Kein Dienstwagen der Bundesminister, deren Daten erhoben wurden, schafft den EU-Zielwert“, sagte Resch. Schlusslicht sei Gesundheitsminister Daniel Bahr mit 183 Gramm CO2 pro Kilometer. Am klimafreundlichsten ist Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger unterwegs. Besonders gesicherte Dienstwagen wie der der Bundeskanzlerin wurden nicht bewertet.
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