Samstag, 18. Mai 2013

01. Mai 2012 12:20 Uhr

Wahlkampf in Frankreich

Bis zur letzten Sekunde bleibt es spannend

Präsident Nicolas Sarkozy kämpft verbissen um seine Wiederwahl. Doch Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National versagt ihm ihre Unterstützung. Francois Hollande liegt vorne.

Nicolas Sarkozy gibt nicht auf. Wahlkampf bis zur letzten Sekunde, lautet seine Parole. Vorm Pariser Eiffelturm versucht er gestern noch einmal, mit Patriotismus und traditionellen Werten Stimmung zu machen und Wähler zu mobilisieren. „Wir sind 200.000“, ruft er der bei strahlendem Sonnenschein versammelten Menge zu und verspricht: „Ich bin für ein neues Sozialmodell.“ Arbeit müsse sich wieder lohnen. Frankreich müsse seine Identität schützen. Immer wieder beschwört er den Nationalhelden und Ex-Präsidenten Charles de Gaulle.

In Umfragen liegt Hollande bis zu zehn Prozent vor Sarkozy

Es ist eine Art Gegenveranstaltung zu den Mai-Kundgebungen der Gewerkschaften. Bei den knapp 200 Veranstaltungen im ganzen Land dürfte es kaum Jubelrufe für den Präsidenten gegeben haben. Bernard Thibault, Chef des linken Gewerkschaftsbundes CGT, wirbt dafür, Sarkozys Herausforderer François Hollande zu unterstützen. Und während die Medien bereits über die mögliche neue Regierungsriege des Sozialisten spekulieren, brütet Sarkozys Mannschaft über den großen Befreiungsschlag.

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Sollte er ihm in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl am Sonntag gelingen, wäre es eine der spektakulärsten Aufholjagden bei einer französischen Präsidentschaftswahl überhaupt. Denn der Abstand zwischen Sarkozy und Hollande liegt laut jüngsten Umfragen bei acht bis zehn Prozentpunkten – zugunsten des Sozialisten. Als Joker gilt ein TV-Duell an diesem Mittwoch, bei dem sich die Kontrahenten direkt gegenübersitzen werden. Millionen wahlberechtigter Franzosen werden dann in Bistros, zu Hause oder bei Freunden vor dem Fernseher sitzen. Sarkozy hatte Hollande mehrfach zu weiteren Rededuellen aufgefordert. Doch Hollande kennt den offensiv debattierenden Sarkozy von früheren Gelegenheiten genau – und hat alle Angebote abgelehnt.

Sarkozy biedert sich bei Wählern der rechstextremen Le Pen an

Seit der verlorenen ersten Wahlrunde biedert sich Nicolas Sarkozy bei den Wählern der rechtsextremen Marine Le Pen und ihrem Front National mit Appellen an die Vaterlandsliebe und die Bewahrung französischer Eigenheiten regelrecht an. Gestern noch beklagt er, es gebe zu viele Ausländer im Land – es ist das Thema, das Marine Le Pen im Wahlkampf besetzt hat.

Sarkozy ist für einen Wahlsieg dringend auf die Stimmen von deren Anhängern angewiesen – er muss aber befürchten, die politische Mitte durch zu schrille rechte Töne zu verprellen. Zudem kann er auf Marine Le Pens Unterstützung nicht setzen. Im Gegenteil.

Er habe die nationale Souveränität aufgegeben, die Interessen der Banken verteidigt und die Immigration explodieren lassen, hält diese ihm gestern vor. „Ein solcher Präsident kann nicht der Präsident des Volkes werden“,ruft sie bei der 1.-Mai-Kundgebung ihrer Partei vor mehreren tausend Anhängern an der Pariser Oper. Le Pen hofft auf eine Niederlage Sarkozys und einen Zerfall seiner konservativen UMP-Partei. Sie spekuliert auf die Möglichkeit, mit einer Parteineugründung aus ihrem Front National und den Resten der UMP aus dem rechtsextremen Nischendasein in die politische Mitte vorstoßen und sich als patriotische Partei neu definieren zu können. Ihr Ziel ist die Parlamentswahl im Juni, mit der sie ihre Partei weiter in der französischen Gesellschaft verankern will. „Unser Kampf fängt erst an“, sagt Le Pen.

Carla Bruni glaubt fest daran, dass die Aufholjagd gelingt

Nicolas Sarkozy dagegen keucht nach seiner Rede völlig erschöpft in die Reporter-Mikrofone, er sei natürlich optimistisch, die Wahl am Sonntag zu gewinnen. Offenbar teilt auch seine Ehefrau Carla Bruni-Sarkozy seinen Optimismus. Was sie denn am meisten an ihrem Kandidaten-Ehemann schätze, fragt sie ein Journalist. Ohne zu zögern, antwortet Carla Bruni-Sarkozy: „Seine Energie, seine Entschlossenheit, seine Bestimmung!“ dpa

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