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Organspende-Reform: Bundestag erlebt eine Sternstunde

Organspende-Reform

Bundestag erlebt eine Sternstunde

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    Ergreifende Rede über den Tod der Lebensgefährtin: Jürgen Trittin.
    Ergreifende Rede über den Tod der Lebensgefährtin: Jürgen Trittin. Foto: dpa

    Plötzlich gab es für Jürgen Trittin Wichtigeres als die bevorstehende Bundestagswahl. Während eines Wahlkampfauftritts in Münster erfuhr der Grünen-Spitzenkandidat 2009, dass seine Lebensgefährtin bei einem Fahrradunfall gestorben war. „Ich musste in dieser Situation ihrer Tochter, ihren Eltern diese Nachrichten überbringen, ihren besten Freundinnen.“ Im Plenum des Bundestags ist es so still, dass jedes Flüstern zu hören wäre. Trittin ist nicht der Einzige, der mit sehr persönlichen Schilderungen die Bedeutung der geplanten Organspendereform deutlich macht. Überraschend erleben die Beobachter eine der eindringlichsten Debatten des Hohen Hauses seit Jahren.

    Wenn jemand für hirntot erklärt wird, zerreißt es die Angehörigen fast

    Bei Hunderten als Organspender infrage kommenden Hirntoten im Jahr herrscht Unklarheit, ob sie ihre Organe spenden wollen oder nicht. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich in dieser Situation auch noch ihren Willen hätte interpretieren müssen“, sagt Trittin, „da wäre ich froh darüber gewesen, in einer solchen Situation eine klare und unmissverständliche Botschaft gehabt zu haben.“

    Zahlen und Fakten zur Organspende

    Im Jahr 2011 sind statistisch betrachtet in Deutschland auf eine Million Einwohner 14,7 Organspender gekommen. 2010 waren es noch 15,9.

    Der Rückgang in Bayern ist von 15,3 (Jahr 2010) auf 15,0 (2011) nicht ganz so stark. In absoluten Werten bedeutet das für den Freistaat: Die Zahl der Organspender ist von 192 auf 189 im Jahr 2011 gesunken.

    In ganz Deutschland wurde ein Rückgang von 1296 auf 1200 verzeichnet.

    Gespendete Organe 3917 im Jahr 2011 statt 4205 (2010) – auf Deutschland bezogen. In Bayern ist die Zahl der gespendeten Organe trotz weniger Spender mit 628 konstant geblieben.

    Im Freistaat wurden im vergangenen Jahr 630 Transplantationen durchgeführt. 2010 sind es noch 651 gewesen.

    Von den 213 bayerischen Krankenhäusern sind sechs Universitätskliniken, 19 Häuser mit und 188 Krankenhäuser ohne Neurochirurgie.

    Die Sozialdemokratin Mechthild Rawert erzählt von ihrem Schwager. Hirntod nach einem Sturz. „An dem ganzen Kerl war ansonsten nichts dran, keine Schramme, kein Gipsverband.“ Die Angehörigen hatten das Glück, im Krankenhaus auf Personal zu treffen, das auf den Schmerz Rücksicht nahm, aber auch klar über die Spende aufklärte. „Der ganze Prozess dauerte ein paar Tage. Zu Hause ist dann ein Haus voller Trauer, voller Schock.“ Selbst das kleine Kind sei dann mit der Spende gut zurechtgekommen.

    Wenn der Ehepartner, ein Elternteil oder ein Kind für hirntot erklärt wird, zerreißt es die Angehörigen fast. Das Herz des geliebten Menschen schlägt noch, die Brust hebt und senkt sich. Doch der endgültige Abschied ist greifbar. Wenn ein Organspendeausweis vorliegt, dann müssen sich die Angehörigen jetzt verabschieden. Vor dem Eingriff. Ohne Organspende kann man beim letzten Moment dabei sein.

    Jeden Tag sterben drei Menschen auf der langen Warteliste

    Doch es gibt auch die Seite der Todkranken. „Viel zu viele Menschen warten viel zu lange auf ein Organ“, sagt Gesundheitsminister Daniel Bahr. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nennt das Beispiel einer jungen Frau, die eine Lunge brauchte. Er zitiert sie. „Das Leben ist spannend und toll.“ Sie bekam das Organ und starb erst Jahre später infolge ihrer Krankheit. Täglich sterben aber drei Menschen von rund 12000 auf der Warteliste für ein lebenswichtiges Organ, Niere, Herz, Leber, Lunge oder Dünndarm. Für die Spender und deren Angehörige bleiben die Empfänger anonym. Bald werden also alle Versicherten angeschrieben und nach ihrer Spendebereitschaft gefragt.

    Was dahinter steckt, machten gestern die Vorsitzenden aller Fraktionen deutlich. „Es geht darum, mit einem höchst sensiblen Thema so umzugehen, dass auch die richtige Botschaft bei den Menschen ankommt“, sagt CDU-Fraktionschef Volker Kauder. Dass man nach dem Tod Leben retten kann. dpa

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