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29. Juni 2011 14:19 Uhr

Steinzeit

Das Kulturerbe steckt tief im Sumpf

Prähistorische Bauten aus der Region wurden von der Unesco ausgezeichnet Von Dominic Wimmer

Landsberg Was haben Theben und seine Totenstadt, das Great Barrier Reef vor Australien, der Kölner Dom und die kleinen, beschaulichen Orte Pestenacker und Unfriedshausen im Landkreis Landsberg gemeinsam? Sie alle tauchen in der Weltkulturerbe-Liste der Unesco auf. Das Welterbekomitee hat am Montag in Paris die „Prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen“ als grenzüberschreitendes Weltkulturerbe in seine Liste aufgenommen. Dazu zählen neben Pestenacker und Unfriedshausen auch die Roseninsel im Starnberger See und Fundstätten im Bodensee.

Was für die Tiroler der Ötzi ist, ist für die Bayern der Hut von Pestenacker. 2003 wurde das älteste je in Bayern gefundene Textilstück in einer freigelegten Feuchtbodensiedlung entdeckt. Vor etwa 5500 Jahren lebte sein Träger in dieser Siedlung unweit eines Baches. Und dem sumpfigen, moorähnlichen Boden dort ist es zu verdanken, dass über Jahrtausende hinweg die Fundamente von bis zu 20 steinzeitlichen Kleinhäusern erhalten geblieben sind. Der Ort Pestenacker hat diesen nassen Wiesen auch seinen Namen zu verdanken. Er ist wohl keltischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Dorf bei den schlechten (oder sumpfigen) Äckern“.

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Entdeckt wurden die Überreste der Pfahlbauten erstmals 1934, als der dortige Bach begradigt wurde. Freigelegt wurden Teile der Siedlung aber erst ein halbes Jahrhundert später. Ab 1988 wurde das Areal archäologisch untersucht.

Ein paar Exponate im Museum

Außer einem Hüttennachbau und einigen in einem Museum ausgestellten Fundstücken sind aber weder in Pestenacker noch im benachbarten Unfriedshausen Überreste der Siedlung zu sehen. Sie ruhen unter der Erde und werden von der Feuchtigkeit geschützt.

Insgesamt waren 156 steinzeitliche Dörfer aus Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Slowenien und Frankreich für die Unesco-Liste vorgeschlagen, 111 sind nun als Welterbe anerkannt worden. Drei von ihnen liegen in Bayern: Neben Pestenacker und Unfriedshausen im Raum Landsberg handelt es sich um die Roseninsel im Starnberger See. In vier Meter Wassertiefe befindet sich dort eine Pfahlbausiedlung.

Zwei Häuser von Stararchitekt Le Corbusier in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung haben die Aufnahme auf die Welterbeliste dagegen erneut verfehlt. Als Grund für die Zurückweisung nannten Diplomaten grundsätzliche Probleme. Die Unesco wolle nicht das Lebenswerk einzelner Menschen auszeichnen.

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