Die Zahlen aus einer bisher unter Verschluss gehaltenen Erhebung der Kultusministerkonferenz haben es in sich: Wegen organisatorischer Mängel seien vier Wochen nach Vorlesungsbeginn des Wintersemesters bundesweit immer noch "mindestens 18 000 Studienplätze" in Numerus-Clausus-Fächern unbesetzt gewesen, heißt es darin.
Der Grund: Viele Abiturienten bewerben sich auf mehrere Studienplätze gleichzeitig. Häufig werden sie an mehreren Hochschulen zugelassen. Doch die angehenden Studenten sagen ungeliebte Angebote nicht rechtzeitig ab oder schreiben sich sogar an vielen Hochschulen ein, um dann an die Wunschuni zu wechseln. Hinzu kommen mangelnde Absprachen zwischen den Hochschulen. Die Folge: komplizierte Nachrückverfahren. Die können dauern. In Würzburg beispielsweise gab es laut der Untersuchung bis zu acht Nachrückerrunden, die sich bis Mitte November hinzogen, eine Besetzung von Studienplätzen quasi im Zeitlupentempo.
Das erzeugt weitere Probleme: Im November sind viele Wohnungen bereits vergeben. Die Wartelisten sind lang, beispielsweise beim Studentenwerk Augsburg. "Wir haben jedes Wintersemester etwa 400 bis 500 Leute darauf stehen", sagt Geschäftsführerin Doris Schneider.
Eine neue bundesweite Studienplatzbörse habe im Wintersemester das Vergabeverfahren erleichtert, sagt Christa Malessa, Sprecherin des Bayerischen Wissenschaftsministeriums unserer Zeitung. "Aber es ist immer noch eine keineswegs befriedigende Situation."
Abhilfe soll ein technisches System schaffen, das internetbasierte "dialogorientierte Serviceverfahren". Entscheidet sich ein Student für einen Studienplatz, werden automatisch alle seine anderen Bewerbungen abgesagt. Pünktlich zum doppelten Abiturjahrgang in Bayern im Herbst 2011 soll das System eingeführt werden. Das Problem: Es bringt nur etwas, wenn möglichst viele Hochschulen mitmachen.
Dieser Meinung ist auch Beate Mendler. Sie ist zuständig für die Zulassungen an der Universität Ulm. Es sei jedes Jahr ein Spiel, sagt sie. Ein Spiel, das sehr schwierig einzuschätzen sei: "Man hat alle Plätze voll, und dann gehen wieder welche." Ihre Maßnahme dagegen heißt hohe Überbuchung. Beispiel Wirtschaftswissenschaften: Für 175 freie Plätze hat sie 1155 Zusagen an Bewerber versandt. Von ihnen haben sich nur 203 eingeschrieben. Doch diese Methode funktioniert nur bei Studiengängen, die zu Beginn vor allem aus Vorlesungen und wenig praktischen Teilen bestehen.
An den Hochschulen in der Region scheint sich das Chaos dennoch in Grenzen zu halten. So waren an der Uni Ulm Ende Oktober alle Plätze besetzt, an der Hochschule Augsburg Anfang November. Auch die Universität Augsburg startete so gut wie komplett besetzt ins neue Semester. In Kempten waren bereits Mitte September alle Studienplätze besetzt. von Melanie Hofmann
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