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Kreuzfahrschiff Costa Concordia: "Das war Panik pur - alle haben gebrüllt und geschrien"

Kreuzfahrschiff Costa Concordia

"Das war Panik pur - alle haben gebrüllt und geschrien"

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     Die „Costa Concordia“, unterwegs vom römischen Hafen Civitavecchia nach Savona, rammte nur wenige Hundert Meter von der Insel Giglio einen Felsen.
    Die „Costa Concordia“, unterwegs vom römischen Hafen Civitavecchia nach Savona, rammte nur wenige Hundert Meter von der Insel Giglio einen Felsen. Foto: afp

    An Bord des verunglückten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" waren auch zahlreiche Passagiere aus Süddeutschland: eine Reisegruppe mit 41 Personen des Allgäuer Kreuzfahrt-Unternehmers Günther Holdenried aus Heimenkirch (Kreis Lindau) sowie sechs weitere Reisende aus der Region. Zwei Passagiere der Allgäuer Reisegruppe – eine Frau aus Laupheim (Kreis Biberach) und eine aus dem baden-württembergischen Nürtingen – galten noch gestern Abend als vermisst. Alle anderen sind bereits auf dem Weg nach Hause. In Gesprächen mit unserer Zeitung erzählen einige von ihnen, wie sie das Unglück auf dem Luxusliner erlebten.

    Peter und Birgit Denzel aus Wertingen etwa hatten zusammen mit Freunden, dem Zusamaltheimer Alfred Semelink, Peter Uhl sowie Rainer und Katharina Hack aus Hohenreichen, die einwöchige Kreuzfahrt durchs westliche Mittelmeer gebucht. „Es war wie im Fernsehen. Die haben das Schiff original an die Felsen gefahren“, sagt Alfred Semelink am Telefon. Während des Gesprächs sitzt er, noch immer fassungslos, schon wieder im Bus zurück auf dem Weg in die Heimat. Freitagabend, beim Essen, hatten für die mehr als 4000 Passagiere und Besatzungsmitglieder dramatische Stunden auf dem Schiff begonnen.

    Die „Costa Concordia“, unterwegs vom römischen Hafen Civitavecchia nach Savona, rammte nur wenige Hundert Meter von der Insel Giglio einen Felsen. Der Rumpf des Schiffs riss auf, Wasser drang ein. Und unter den Passagieren des Ozeanriesen brach Panik aus. Zunächst habe man den Passagieren erzählt, es sei lediglich ein technischer Defekt und man habe alles im Griff, erzählt Semelink. Doch die merkten schnell, dass das Schiff sich immer mehr zur Seite neigte. Dennoch versuchte Semelink zunächst, Ruhe zu bewahren. „Ich hab mir sogar noch eine Jacke aus meiner Kabine geholt“, sagt er. Doch die Lage wurde immer kritischer.

    Im Speisesaal fliegt das Geschirr von den Tischen

    „Auf der Seite, auf der wir eigentlich in die Rettungsboote steigen sollten, ging es nicht. Wir mussten uns auf die andere Seite durchkämpfen, dorthin, wo sich das Schiff zum Wasser neigte. Da war das Schiff schon 45 Grad geneigt. Als wir durch die Bar kamen, flog alles umher. Wir mussten uns regelrecht Schritt für Schritt voranhangeln.“ Endlich angekommen gab es Probleme mit dem Ablassen der Rettungsboote. „Im Boot vor uns sprangen sogar Leute voller Panik heraus.“

    Letztendlich hatten alle sechs, die auch schon früher zusammen auf Kreuzfahrt waren, Glück. Dennoch: „Es war chaotisch, das kann man sich nicht vorstellen“, so Alfred Semelink. Dass sich noch Personen an Bord befanden, davon war Alfred Semelink schon am Samstag überzeugt. „In den unteren Decks waren sicher noch Personen.“

    Gerhard Hackenbuchner, der die Reise vermittelt hatte, bangte im heimischen Wertingen um seine Kunden. Beim Frühstück erfuhr er aus dem Radio vom Schiffsunglück. Der Kreuzfahrtspezialist dachte sofort an die Reisenden, die er auf das Schiff geschickt hatte. Er kann sich das Drama nicht erklären: „Es gab nie Anlass dazu, Angst zu haben. Auch die Rettungsübungen wurden korrekt durchgeführt.“

    Wie das Krisenmanagement an Bord des Luxusliners im Einzelnen aussah, werden die italienischen Behörden in den kommenden Wochen und Monaten detailliert untersuchen – die geretteten Passagiere aus der Region sind vorerst froh, heil davongekommen zu sein. Und sie sind froh, dass sie jetzt wieder in der Heimat sind. Die Erlebnisse an Bord lassen sie dennoch nicht los.

    Der Kemptener Karl Kroen berichtet von einem so heftigen Schlag, dass im Speisesaal das Geschirr von den Tischen katapultiert wurde. Tobias Frasch aus Tettnang (Kreis Ravensburg) nahm im Theater „gar keine so große Erschütterung wahr, nur eine leichte Schräglage“. Das Chaos, das dann auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Concordia ausbrach, hat aber auch ihn schockiert.

    Auch Waltraud Rogg aus Illertissen erzählt: „Das war Panik pur – bei fast 5000 Menschen an Bord. Alle haben gebrüllt und geschrien. Wir waren mit einer Gruppe von acht Leuten auf dem Schiff. Eine Frau haben wir verloren und ewig nicht gefunden. Es war ein Horrortrip. Fast wie in dem Film ,Titanic‘, nur dass sich unser Schiff seitlich geneigt hat. Viele mussten in die Rettungsinseln springen oder an Strickleitern hinunterklettern.“ Rogg selbst war etwa eine Stunde nach dem Unglück von Bord.

    Manche springen ins Wasser, um sich zu retten

    Eine schnelle Rettung wurde auch dem Kemptener Karl Kroen zuteil. „Ich habe mir sehr früh gedacht: Hoppla, da stimmt was nicht“, berichtet er. Aus diesem Grund sei er früh an Deck gestanden und kam so gleich in eines der ersten Rettungsboote. Wie die anderen Passagiere wurde Kroen zunächst auf die Insel Giglio gebracht. Dort warteten die Gäste mehrere Stunden, bevor eine Fähre sie abholte.

    Zu denen, die lange auf dem havarierten Schiff ausharren mussten, gehörte auch Tobias Frasch. „Wir waren am Ende mit gut 150 Leuten noch an Bord“, erzählt der Tettnanger. „Als wir von Bord kamen, hatte das Schiff schon einen Neigungswinkel von 45 Grad. Zwei meiner Freunde mussten sogar ins Wasser springen. Es ist alles sehr chaotisch und panisch abgelaufen.“

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