Dennoch ist der ehemalige Berufsschullehrer seit dem tödlichen Gedränge an der Rampe vom Karl-Lehr-Straßentunnel zum darüberliegenden Loveparade-Gelände auf dem ehemaligen Güterbahnhof nicht mehr der populäre Machertyp von einst. Zwar versucht er im Alltag Normalität um sich herum zu verbreiten, aber die Ereignisse von damals und sein ungeschicktes Verhalten in den Tagen danach haben ihn in vielerlei Hinsicht zu einem Außenseiter in seiner Stadt werden lassen. An keinem anderen wurde die Wut über den sinnlosen Tod der Rave-Besucher ausgelassen wie an ihm. Auch Todesdrohungen hat es damals gegeben. Sauerland scheute daraufhin lange Zeit die Öffentlichkeit, was darin gipfelte, dass er auch der offiziellen Trauerfeier fernblieb, was ihm sehr viele übel genommen haben.
Der 56-Jährige ist seit eineinhalb Jahren ein Oberbürgermeister ohne politische Zukunft. Seiner Partei zuliebe verdrängte er erste spontane Rücktrittsabsichten, um anschließend umso fester an seinem Stuhl zu kleben. Selbst die indirekte Aufforderung des damals noch unbelasteten Bundespräsidenten Christian Wulff („Unabhängig von konkreter persönlicher Schuld gibt es auch eine politische Verantwortung“) ließ er an sich abprallen.
Die Stadt ist gespalten. Es gibt noch viele Duisburger, die zu Adolf Sauerland halten. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass am Sonntag erstmals in der Geschichte Nordrhein-Westfalens ein Stadtoberhaupt von seinen Bürgern abgewählt wird. So oder so wird sich der CDU-Politiker auch weiter darauf berufen, dass eineinhalb Jahre nach der Katastrophe keiner sagen kann, wer die wirklich Schuldigen sind. Ob Sauerland, wie er sich das vorgestellt hat, das Ende der Ermittlungen noch auf dem Oberbürgermeisterstuhl abwarten kann, ist mehr als fraglich. Er demonstriert dennoch Gelassenheit: „Als Oberbürgermeister hat man keine Angst vor dem Votum seiner Bevölkerung.“ Joachim Bomhard