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04. Februar 2010 19:16 Uhr

Migration

Deutschland hat Anziehungskraft verloren

Deutschland hat seine Anziehungskraft auf Einwanderer offenbar mächtig eingebüßt. Noch nie wollten sich sowenig Ausländer hierzulande niederlassen. Und noch nie kehrten so viele Menschen dem Land den Rücken. Von Ursula Ernst

Neuer Migrationsbericht im Bundeskabinett
Foto: rj_cu

Deutschland hat seine Anziehungskraft auf Einwanderer offenbar in den vergangenen zehn Jahren mächtig eingebüßt. Noch nie wollten sich so wenig Ausländer hierzulande niederlassen wie im Jahr 2008.

Und noch nie kehrten so viele Menschen dem Land den Rücken - Ausländer wie deutsche Auswanderer. Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger an der deutschen Gesamtbevölkerung liegt seit Jahren bei rund neun Prozent. Unverändert.

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Der jüngste Migrationsbericht verzeichnet einen neuen Tiefststand in der Entwicklung der zurückliegenden Jahre: 682.000 Menschen zogen nach Deutschland, um hier zu leben und zu arbeiten. Anfang der 90er Jahre waren es jährlich noch weit über eine Million. Gleichzeitig verließen aber auch 738.000 Personen das Land.

Immer mehr Menschen gehen lieber fort, als dass sie hier blieben - das negative Saldo ist im ganzen Bundesgebiet zu beobachten: Selbst den wirtschaftlich erfolgreichen und wegen ihrer hohen Lebensqualität beliebten "Südländer" wie Bayern und Baden-Württemberg geht es nicht anders: Der Freistaat verzeichnet neben 119.573 Zuzügen 131.675 Fortzüge, das "Ländle" 121.211 Zuzüge und 129.644 Fortzüge. Besonders deutlich aber wird es in Nordrhein-Westfalen: Hier stehen 137.291 Zuzügen 150.038 Fortzügen gegenüber.

Arbeitnehmer, die aus den ehemaligen Gastarbeiter-Anwerbestaaten wie Griechenland, Italien oder Spanien nach Deutschland geholt worden waren, gehen jetzt wieder in ihre Heimat zurück. Vor allem die Griechen und Italiener locken Sonne, Wärme und Familie mehr als ein Rentnerdasein im frostigen Norden.

Viel Wirbel hat vor zehn Jahren die neue Greencard-Regelung für ausländische Computer-Spezialisten gemacht. Der ganz große Ansturm war damals ausgeblieben. Aber immer noch kommen jährlich hoch qualifizierte IT-Fachleute nach Deutschland, 2008 waren es rund 4000 - drei Viertel von ihnen stammen aus Indien. Aus Indien kommen auch die meisten zugewanderten Akademiker. Aber auch für Chinesen und Fachleuten aus der russischen Föderation bietet Deutschland offenbar ein interessantes Arbeitsgebiet.

Andererseits wandern auch viele hier ausgebildete Hochqualifizierte aus, weil sie wo anders bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten finden. Die meisten suchen ihr Glück im deutschsprachigen Ausland, wie Österreich und der Schweiz.

Im Jahr 2008 ist die Abwanderung von Ärzten aus Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Viertel auf 3065 Ärzte angestiegen. 67 Prozent von ihnen besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. Am liebsten gingen die Mediziner in die Schweiz (729), vor Österreich (237), den Vereinigten Staaten (168) und Großbritannien (95).

Gut ein Viertel der Menschen, die sich 2008 um eine deutsche Staatsbürgerschaft bemüht hatte, stammte aus der Türkei. Doch die Zahl geht auch hier zurück. Die 24.500 Eingebürgerten (2008) können es nicht mit den 82.900 aus dem Jahr 2000 aufnehmen. Ursula Ernst

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