In der Plagiats-Affäre um zu Guttenberg gerät auch die Kanzlerin unter Druck. In einem von über 51.000 Menschen unterzeichneten Brief sprechen Doktoranden von einer "Verhöhnung" durch die Kanzlerin.

In dem im Internet veröffentlichten offenen Brief erklären die Doktoranden, sie verflgten die Plagiats-Affäre um Verteidigungsminister zu Guttenberg mit "großer Erschütterung und noch größerem Unverständnis". "Wir haben den Eindruck, dass Sie mit aller Macht versuchen, einen Minister zu halten, der trotz massiver Gegenbeweise immer noch die Behauptung aufrecht erhält, er habe in seiner Doktorarbeit nicht bewusst getäuscht", heißt es in dem an Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichteten Schreiben.
Zu Guttenberg habe im Deutschen Bundestag darauf verwiesen, er wolle nur nach seiner Tätigkeit als Verteidigungsminister beurteilt werden. Er hat dabei auf eine Formulierung von Merkel angespielt, wonach sie ihn nicht als „wissenschaftlichen Assistenten“ eingestellt habe. "Dies ist eine Verhöhnung aller wissenschaftlichen Hilfskräfte sowie aller Doktorandinnen und Doktoranden, die auf ehrliche Art und Weise versuchen, ihren Teil zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen", so die Verfasser des Briefes. "Sie legt darüber hinaus nahe, dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele und dass das „akademische Ehrenwort“ im wirklichen Leben belanglos sei." Genau das aber sei nicht der Fall: "Bei der Beachtung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis geht es nicht um „Fußnoten“, nicht um Kinkerlitzchen, die angesichts größerer politischer Probleme vernachlässigenswert sind. Es geht um die Grundlagen unseres Arbeitens und Vertrauenswürdigkeit."
Der offene Brief wurde in den vergangenen Tagen von über 51.500 Menschen unterzeichnet.
Neben den Doktoranden und ihren Unterstützern hatte zuletzt auch zu Guttenbergs Doktorvater den Minister kritisiert. Peter Häberle hatte sich tief enttäuscht vom Vorgehen seines ehemaligen Studenten gezeigt: „Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel“, schrieb Häberle. „Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war.“
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