Neunkirchen Der letzte Castor-Transport mit hoch radioaktiven Atomabfällen aus La Hague ist am Freitagvormittag in Deutschland eingetroffen. In Neunkirchen im Saarland legte der Zug einen mehrstündigen Stopp ein, weil vor der Weiterfahrt nach Gorleben die französischen Loks gegen deutsche ausgetauscht werden mussten. Vor allem im Wendland formierte sich derweil der Widerstand. Der Zug mit elf Castorbehältern war am Mittwoch nahe der Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Nordfrankreich gestartet und wird am Wochenende im niedersächsischen Wendland erwartet, wo sich das Zwischenlager Gorleben befindet.
Nachdem es in Frankreich zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Castor-Gegnern gekommen war, nahmen auch in Deutschland die Proteste an Schärfe zu. Am Donnerstagabend kam es im Dorf Metzingen an der Bundesstraße B216 zu einem massiven Polizeieinsatz, als wegen der Demonstration von über 1500 Menschen dort der Verkehr zum Erliegen kam. Dabei setzte die Polizei auch einen Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Eine Bürgerinitiative kritisierte: „Polizeigewalt ist kein legitimes Mittel, um Bürgerproteste gegen die illegale Strahlenfracht ins Wendland zu unterdrücken.“ Ein Polizeisprecher in Lüneburg bestätigte den Einsatz von Pfefferspray. Gleichzeitig berichtete er von gewalttätigen Attacken der Demonstranten. Diese seien teilweise mit „Pyrotechnik und Farbbeuteln“ sowie mit Steinen und Reizgas gegen Polizisten vorgegangen. Zehn Beamte wurden demnach verletzt.
Entlang der Strecke wurden auch Steine aus dem Gleisbett entfernt. Das ist strafbar. Der Transport ist der zwölfte und letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken, die in der französischen Anlage La Hague aufbereitet wurden. Ab 2014 sind noch Transporte von hoch radioaktivem Müll aus der britischen Aufbereitungsanlage Sellafield geplant. (afp)