Bei der Serie Angriffen radikalislamischer Taliban in Afghanistan sind rund 50 Menschen getötet worden. Auch am Montag wurde in Kabul noch gekämpft.

Sicherheitskräfte gingen mit NATO-Luftunterstützung gegen Rebellen vor, die sich in zwei Gebäuden im Diplomatenviertel verschanzt hielten, wie ein Polizeioffizier sagte.
Die Zahl der Getöteten lag laut Behördenangaben bei 47. 36 Taliban-Kämpfer seien als Selbstmordattentäter oder bei den Einsätzen der Sicherheitskräfte ums Leben gekommen, teilte die Polizei am Montag mit. Darüber hinaus seien acht Mitglieder der Sicherheitskräfte und drei Zivilisten getötet worden.
Die Taliban bekannten sich zu den Attacken vom Sonntag und sprachen vom «Beginn der Frühjahrsoffensive». Die Islamisten wollten unter Beweis stellen, dass sie kampffähig seien. In den kalten afghanischen Wintern ziehen sie sich regelmäßig zurück und intensivieren ihre Angriffe auf die Regierung und die NATO-Truppe ISAF im Frühling wieder.
Von den Angriffen im Diplomatenviertel von Kabul war auch die deutsche Botschaft betroffen, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin bestätigte. Er verurteilte die Attacken «in aller Schärfe» und sagte, es gebe «kleinere Sachschäden» auf dem Botschaftsgelände, jedoch keine Verletzten. Die Botschaftsmitarbeiter befänden sich «an einem sicheren Ort».
Auch in der Nähe der US-Botschaft waren Explosionen und Schüsse zu hören. Die US-Vertretung teilte ebenso wie die britische Botschaft später mit, alle Mitarbeiter seien unverletzt in Sicherheit gebracht worden. Mehrere Kämpfer versuchten nach Behördenangaben zudem, das Parlament in Kabul zu stürmen, wurden aber von Sicherheitskräften überwältigt.
Ein Mitarbeiter von Präsident Hamid Karsai sagte, dieser sei ebenfalls in Sicherheit gebracht worden. Aus Geheimdienstkreisen hieß es, zwei mit Sprengstoff bewaffnete Männer und ein weiterer Angreifer hätten das Haus vom Mohammed Karim Chalili, einem Stellvertreter Karsais, im Visier gehabt, seien aber gefasst worden.
Südlich von Kabul stürmten Selbstmordattentäter nach Behördenangaben Gebäude der Regierung und eine US-Basis. Im Osten Afghanistans sprengten sich demnach zwei Selbstmordattentäter am Flughafen der Stadt Dschalalabad, wo auch die NATO vertreten ist, in die Luft. Zwei weitere Angreifer seien verletzt festgenommen worden. In der östlichen Stadt Gardes griffen Kämpfer ein Polizeilager an.
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Angriffsserie «auf das Schärfste». Die EU versichere der afghanischen Regierung auch weiterhin ihrer Unterstützung in dem Bemühen, «Stabilität und Demokratie in Afghanistan zu festigen». Die US-Regierung nannte die Attacken «feige».
Politiker von Grünen und FDP haben erneut Verhandlungen des Westens mit den Taliban gefordert. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour sagte der «Rheinischen Post», das Gesprächsangebot müsse auf dem Tisch bleiben. Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff, äußerte sich ähnlich. Das Problem sei allerdings , dass die Taliban keine einheitliche Bewegung darstellen.
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