Der Streit um das Bahnprojekt Stuttgart21 lässt landesweit die Internetforen heißlaufen. Auch auf den Plattformen der Augsburger Allgemeinen wird teils emotional diskutiert.

Die Diskussion um das Bahnhofsprojekt Stuttgart21 wird auch im Forum von augsburger-allgemeine.de und auf unserer Facebook-Seite emotional geführt. Befürworter und Gegner halten sich zahlenmäßig die Waage.
Für User augschburgr ist der Streit schon jetzt mehr als nur ein Zwist über ein Verkehrsprojekt: "Es wird doch klar, dass es hier schon lang nicht mehr um den Streit zwischen Kopfbahnhof und Durchgangsbahnhof geht, sondern um ganz viele andere Dinge. Um eine Ersatzhandlung frustrierter Bürger die mit diesem Thema endlich mal eine greifbare Sache vor Ort haben. Um Parteitaktik. Um Immobiliengeschäfte. Und manches mehr. All das entlädt sich nun bei diesem Thema."
Facebook-Nutzer Thomas Gärtner sieht das ähnlich. Für ihn liegt der entscheidende Fehler in der Kommunikationspolitik der Landesregierung. "Das Problem bei Stuttgart21 war, dass die Politiker die Bevölkerung unzureichend über das Vorhaben aufgeklärt haben. Dies ist allerdings heutzutage Gang und Gebe bei den Politikern, denen es an Volksnähe fehlt."
Das Vorgehen der schwäbischen Landesregierung, die zwar Gespräche angeboten hat, jedoch die Bauarbeiten nicht unterbrechen lassen will, ärgert User Gerbert: "Skandalös ist nur, dass bis dahin Tatsachen geschaffen werden und der Abriss des HBF weitergeht. Was macht man denn ab Februar? Die Gebäude für viel Geld wieder aufbauen. Wahnsinn!!! Ich stand bisher Stuttgart 21 durchaus positiv gegenüber. Das hat sich aber nun grundlegend geändert. Da bin ich ganz sicher auch nicht allein. Ich wusste bisher auch nichts von der Kostenexplosion."
Dass die Polizei eine Demonstration mit Gewalt beendet hat, schlägt unter den Foren-Nutzer immer noch hohe Wellen. Für Ha.Sch. sind die gewalttätigen Auseinandersetzungen kein Argument gegen den Bahnhofsbau an sich: "Wer seine Entscheidungen für oder gegen ein Projekt von Demonstrationen oder deren Auflösung abhängig macht, hat ein allgemeines Problem mit der Demokratie. Demokratie ist nicht die Herrschaft des Pöbels auf der Straße. Und auch nicht die Herrschaft der knüppelnden Polizei. Bei der Demonstration haben sich zwei Pöbelhaufen gefunden und der besser ausgerüstete hat gewonnen."
JStern ärgert sich dagegen über lapidare Äußerungen von Politikern: "BaWü-Innenminister Heribert Rech wörtlich im ZDF: '... wenn sich Mütter mit Kindern der Polizei in den Weg stellen, dann müssen sie eben auch mit einfacher körperlicher Gewalt weggetragen werden !' Da bin ich echt sprachlos!!!!"
Solon kann diese Aussage und die vielen Ausrufezeichen nicht nachvollziehen. "Na und? Wenn die Taliban menschliche Schutzschilde(=Kinder)" benutzen, "ist das Gejammer über diese Freiheitskämpfer groß. Wenn deutsche Blindgänger so verfahren, scheint das ok. So was nennt man doppelte Moral." Ha.Sch inspiriert dieser Vergleich zu einem zarten Anflug von Sarkasmus: "Das ist gut. Ich nenne die Gegner von Stuttgart 21 ab sofort 'Tali-Bahn'".
Über grundsätzlichen Sinn oder Unsinn des Projekts sind sich die User weiterhin uneinig. Gräsle vermisst bei der ganzen Diskussion ein Gesamtkonzept für die Strecke von München nach Stuttgart. "Die Strecke soll von Stuttgart bis Ulm nach den Modalitäten des 21. Jahrhunderts ausgebaut werden. Und was geschieht mit der Bahnstrecke ab Neu-Ulm über Augsburg nach München? Die soll wohl im Dornröschenschlaf verharren?"
Facebook-Nutzer Alwin Wörle sieht das weniger kritisch. Er sieht den Bahnhof auch ohne den Ausbau der gesamten Strecke positiv: "Stuttgart21 ist gut für Süddeutschland." Wolfram Jaschke steht eher auf der Seite der Projektgegner: "Stuttgart21 ist vor allem ein weiteres Milliardengrab für den deutschen Steuerzahler."
Und Thomas Hillebrand macht sich lieber Sorgen über die regionalen Streitpunkte als über Stuttgart21: "Der Blick sollte sich auf den Königplatz richten und nicht nach Stuttgart. Warum in die Ferne schweifen, wenn die Probleme so nah. "
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