Für den Abbau von acht Atommeilern sowjetischer Bauart in drei östlichen EU-Ländern fehlen dem Europäischen Rechnungshof zufolge mindestens 2,5 Milliarden Euro. «Bulgarien, Litauen und die Slowakei haben die Reaktoren gemäß ihrer Verpflichtungen abgeschaltet und bedeutende Fortschritte beim Rückbau erreicht», heißt es in dem am Mittwoch in Luxemburg veröffentlichten Bericht.
EU-Rechnungshof: Für Rückbau von acht Atommeilern fehlen Milliarden
-
Ein stillgelegtes Atomkraftwerk kann man nicht einfach mit der Abrissbirne plattmachen - die Demontage des Meilers kostet viel Zeit und Geld.
-
Ein Beispiel dafür ist das 2005 vom Netz genommenen Kraftwerk Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis).
Seit rund zwei Jahren sind Fachleute damit beschäftigt, das alte Kraftwerk abzubauen.
-
Mehr als zehn Jahre werden die Arbeiten insgesamt dauern und rund 500 Millionen Euro kosten. 275.000 Tonnen Material müssen abgebaut werden, darunter 2300 Tonnen radioaktiver Abfall.
-
Die Demontage hat in Obrigheim mit den nicht-nuklearen Teilen des Meilers begonnen, zum Beispiel mit dem Maschinenhaus und dem Überwachungsbereich. In einem zweiten Schritt stehen die leicht kontaminierten Anlagenteile des Kontrollbereichs auf dem Programm.
-
Von dort an geht es unter anderem mit Hilfe einer Fernbedienung oder auch mit Arbeiten unter Wasser an Teile wie das Druckgefäß, das dem Neutronenbeschuss direkt ausgesetzt war.
-
Im vierten Abschnitt kommen die Hilfseinrichtungen wie Kräne, Lüftungen sowie Anlagen zur Wasseraufbereitung und zur Reinigung dran.
-
Nur sehr wenige Teile des ehemaligen Kernkraftwerks sind so stark verstrahlt, dass sie nicht gereinigt werden können. Ein Großteil landet in einer Wasserstrahlkabine, wo es mit Hochdruck gesäubert wird, so dass es anschließend wie normaler Abfall entsorgt werden kann.
-
Eine «grüne Wiese» wird der Standort allerdings auch nach der Demontage des Kraftwerks nicht: Die 342 abgebrannten radioaktiven Brennelemente könnten bis zu 40 Jahre lang in einem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände bleiben.
-
Kritiker fürchten, dass die Castor-Behälter mit dem Atommüll undicht werden und dann die Umwelt verstrahlen könnten.
Der Hauptteil des Rückbaus stehe jedoch noch aus. In den dafür geschätzt 2,5 Milliarden Euro Mehrbedarf ist laut Rechnungshofes die Entsorgung des nuklearen Abfalls noch nicht berücksichtigt.
Reaktoren sowjetischer Bauart in Bulgarien, Slowakei und Litauen
Die drei Länder hatten sich bei ihrem EU-Beitritt dazu verpflichten müssen, die überalterten Reaktoren in Kosloduj (Bulgarien), Jaslovske Bohunice (Slowakei) und Ignalina (Litauen) wegen Sicherheitsbedenken stillzulegen. Das Geld für den Rückbau - für die Jahre 2009 bis 2013 sind bereits 2,85 Milliarden ausgegeben oder verplant - kommt aus der Gemeinschaftskasse der EU. AZ/afp
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: