Die Residenz des libyschen Machthabers Gaddafi liegt in Schutt und Asche. Und von Gaddafi fehlt jede Spur. Dennoch meldet er sich zu Wort und gibt den Märtyrer.



Muammar al Gaddafi gibt nicht auf und zeigt sich weiter kämpferisch, obwohl die Rebellen seine Residenz in Tripolis eingenommen haben. Wie der regimenahe Fernsehsender Al-Rai am Mittwoch berichtet, habe Gaddafi gesagt, dass seine Truppen bis zum Sieg oder Tod kämpfen würden. Gaddafis Truppen würden «der Aggression mit aller Stärke» Widerstand leisten. Er habe seine Residenz «aus taktischen Gründen» den Aufständischen überlassen, da der Komplex von 64 NATO-Luftangriffen zerstört worden sei, erklärte Gaddafi. Wo sich Gaddafi selbst derzeit aufhält, ist allerdings nicht bekannt. Es war unklar, wann der Machthaber seine frühere Residenz Bab al Asasija verlassen hat, die am Dienstag nach fünfstündigen Gefechten von hunderten Aufständischen gestürmt wurde.
Auch Gaddafis Regierungssprecher Mussa Ibrahim bezeichnete den Rückzug aus der früheren Residenz als strategischen Schritt. Bab al Asasija bestehe nur noch aus Trümmern, sagte Ibrahim in einem zweistündigen Telefoninterview mit Al-Rai. «Wir werden zurückkommen, um Tripolis zurückzuerobern», erklärte er. Die Regierungstruppen kontrollierten noch immer 80 Prozent der Hauptstadt, die eine «Todesfalle» und eine«tickende Zeitbombe» für die Aufständischen sei.
Die Erstürmung des Komplexes markiert zwar den tatsächlichen Zusammenbruch von Gaddafis 42-jährigem Regime. Solange der Machthaber und seine einflussreichen Söhne jedoch verschwunden sind, können die Aufständischen sich noch nicht zum Sieger erklären. Der neue Militärchef der Rebellen, Abdel-Hakim Belhadsch, ein kleiner Teil des weitläufigen Komplexes Bab al Asasija sei noch unter der Kontrolle von Gaddafis Gefolgsleuten. In der ganzen Hauptstadt waren in der Nacht zum Mittwoch Schüsse zu hören. dapd/AZ
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