Am nächsten Samstag, wenn sich die Anschläge auf das New Yorker World Trade Center zum neunten Mal jähren, will Pastor Terry Jones vor seiner Kirche in Gainesville Ausgaben des Korans auf einen Scheiterhaufen werfen und verbrennen.

Von allen Seiten prasselt die Kritik zunehmend schärfer auf Pastor Terry Jones ein. Doch noch gibt sich der 58-jährige Vorsteher einer kleinen, radikalen Pfingstler-Gemeinde in Florida entschlossen, seine Ankündigung auch wahr zu machen. Am nächsten Samstag, wenn sich die Anschläge auf das New Yorker World Trade Center zum neunten Mal jähren, will Jones vor seiner Kirche in Gainesville Ausgaben des Korans auf einen Scheiterhaufen werfen und verbrennen. Der Islam ist des Teufels, sagt der Geistliche mit dem markanten Mark-Twain-Schnurrbart.
Dass Jones die moslemische Welt aufwiegelt, die US-Truppen im Irak und in Afghanistan in zusätzliche Gefahr bringt und Amerikas Ruf als Hort religiöser Freiheit und Toleranz beschädigt, will dem Pastor bislang nicht einleuchten. Er sieht sich in einem Entscheidungskampf zwischen Gott und Teufel.
"Wie weit sollen wir noch zurückweichen? Statt nachzugeben, ist es Zeit aufzustehen und radikalen Moslems die Botschaft zu übermitteln, dass wir ihr Verhalten nicht tolerieren", meinte Jones noch markig am Dienstag. Dass er sich dabei selbst wie ein christlicher Taliban verhält, kommt dem Provinzgeistlichen nicht in den Sinn.
Außenministerin Hillary Clinton, Afghanistan-General Petraeus, Amerikas Justizminister Eric Holder - das politische Establishment verurteilt Jones' Pläne ebenso einmütig wie die anderen Freikirchen von Gainesville, einem Ort mit gut 100.000 Einwohnern im Norden Floridas. Wir müssen ein Zeichen setzen, dass dies nicht das Gesicht des Christentums ist, sagt Pastor Larry Reimer. Auf Jones' Anrufbeantworter hat Reimer inzwischen zahllose Nachrichten hinterlassen. Auch die Mailbox des Pastors quillt über. "Sie bringen mein Leben in Gefahr", schrieb ihm ein Lehrer aus Afghanistan. - "Wir müssen unseren moslemischen Brüdern und Schwestern beistehen und sagen: Das ist nicht o. k.!", betonte wiederum Rabbi Steve Gutow nach einem Sondergipfel hoher Repräsentanten aller Religionen in Washington.
Nur New Yorks urliberaler Bürgermeister Michael Bloomberg, der sich in der eigenen Stadt wegen seiner Unterstützung für den Bau eines islamischen Zentrums am Ground Zero angefeindet sieht, rügte Jones' Pläne zwar als geschmacklos, sagt aber auch: "Die Verfassung schützt ihn." Meinungsfreiheit selbst in extremen Ausprägungen ist in den USA ein hohes Gut.
Jones sieht sich derweil auf einem Kreuzzug. Dass die anderen christlichen Gemeinden in Gainesville sich distanzieren und in ihren Gottesdiensten demonstrativ Koran-Suren verlesen wollen, hält er für feige. Wie hoch der Anteil zwischen innerer Überzeugung und dem Drang zur Selbstdarstellung bei Jones ausfällt, lässt sich freilich schwer ausmachen. Sichtlich genießt er die Aufmerksamkeit. 158 Interviews hat Jones, der inzwischen nur mit einer Pistole an der Hüfte vor die Tür geht, nach eigener Zählung in den letzten Wochen gegeben - unbezahlbare Werbung ist das für einen Mann, dessen Gemeinde nur maximal 50 Gläubige umfasst.
Jones' Kirchengebäude dient nebenbei auch als Lagerschuppen für allerlei Krempel, den der Pastor bei Ebay losschlagen will. Die Gebäudeversicherung hat den Vertrag mit Jones gekündigt. Und auch die Bank fordert den Kredit in Höhe von 140 000 Dollar für den Kirchenbau unverzüglich zurück. Im letzten September, am 8. Jahrestag der Anschläge, hatte nur die Lokalzeitung davon Notiz genommen, als Jones am Dach seiner Kirche ein hetzerisches Spruchband gegen den Islam anbringen ließ.
Gainesville rüstet derweil für den Tag X. Die Polizei will an der einzigen Straße, die zur Kirche führt, einen Checkpoint errichten. Die Feuerwehr hat den Antrag für den Scheiterhaufen abgelehnt. Studenten planen Blockaden. Und Gainesvilles neuer Bürgermeister Craig Lowe hat den Jahrestag der Anschläge zum interkonfessionellen Tag der Solidarität ausgerufen. Jones sieht die Hand des Satans auch dabei im Spiel. Lowe bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Für Pastor Jones ist das ebenso verdammenswert wie die Anbetung Mohammeds und seiner Lehren.
Proteste auch in Deutschland
Auch in Deutschland hat der Plan der Koranverbrennung große Empörung ausgelöst, zumal Jones mehrere Jahre als Seelsorger in Köln gearbeitet hat. Die evangelische Kirche distanzierte sich scharf von Jones' Vorhaben und sprach von einer "unerträglichen Provokation". Die katholische Kirche reagierte ähnlich: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte die Sorge, dass mit "solchen intoleranten Angriffen" das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen gefährdet wird. Und die Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, erinnerte an die Bücherverbrennungen der Nazis 1933. "Die Vorstellung ist schrecklich und abstoßend", sagte sie in München.
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