Griechenland im Ausnahmezustand: Ein zweitägiger Generalstreik hat das öffentliche Leben in dem von der Finanzkrise und Schulden gebeutelten Land bereits zum Auftakt am Mittwoch zum Erliegen gebracht. Flüge blieben am Boden, der öffentliche Verkehr war stark beeinträchtigt, Schulen, Geschäfte und Praxen blieben geschlossen. In der Athener Innenstadt versammelten sich mindestens 70000 Demonstranten, um vor einer für Donnerstag im Parlament geplanten Abstimmung über neue Sparmaßnahmen gegen die Regierung zu protestieren.
Immer wieder Unterbrechungen
Nach dem kompletten Stopp auf den Flughäfen am Mittwochmorgen konnten einige Flüge am Mittag wieder aufgenommen werden, nachdem die Fluglotsen ihren geplanten Streik von 48 auf zwölf Stunden reduziert hatten. Dutzende Inlands- und internationale Flüge blieben aber gestrichen. Auch Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen fielen nicht komplett aus, die Arbeiter hielten aber immer wieder Arbeitsunterbrechungen ab.
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Jugendliche randalieren
Mit 3000 Mann bereitete sich die Polizei in Athen auf einen Ansturm von Demonstranten vor. Die Polizei schätzte die Menschenmenge am Vormittag auf 70000 Menschen und es strömten noch viele weitere in die Innenstadt. Eine kleine Gruppe von Demonstranten bewarf die Polizisten mit Müll, der wegen des mehr als zweiwöchigen Streiks der Müllarbeiter und trotz des Einsatzes privater Entsorgungsfirmen noch an vielen Stellen in der Stadt liegt. Größtenteils blieben die Proteste aber friedlich. Am Syntagma-Platz gab es aber heftige Auseinandersetzungen. Rund 200 jugendliche Demonstranten attackierten eine Metallbarriere, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Protestteilnehmer warfen Brandsätze und Steine, die Polizei setzte Tränengas ein.

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Die allererste aufgezeichnete Staatspleite der Geschichte geht auf das Konto der Engländer (Bild: Big Ben/Palace of Westminster in London). Schon Anfang des 14. Jahrhunderts war das Land, damals unter der Regierung King Edwards II., zahlungsunfähig. Grund für die Geldsorgen: Der Hundertjährige Krieg gegen Frankreich, der enorme Summen verschlang.
Foto: dpa

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Spanien (Bild: Gaudi-Kirche in Barcelona) gilt als der Rekordhalter im Pleite gehen: Satte 13 mal waren die Iberer schon bankrott, vor allem die Seeschlachten Ende des 16. Jahrhunderts verschlangen wahnwitzige Beträge. Auch im Zuge der Euro-Krise kreisen über Spanien die Pleitegeier - bisher ist das Land aber nicht zahlungsunfähig.
Foto: dpa

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Der lateinamerikanische Staat Argentinien (Bild: Obelisk in Buenos Aires) erklärte 2001 offiziell seine Zahlungsunfähigkeit. Mittlerweile hat das Land sich wieder erholt und verbucht Wirtschaftswachstumsraten um die zehn Prozent. Nicht ganz unschuldig an der Staatspleite Argentiniens war ...
Foto: dpa
15000 Demonstranten in Saloniki
Bei einem zweitägigen Ausstand im Juni war es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften gekommen. Auch in Saloniki, der zweitgrößten Stadt des Landes, gingen mindestens 15000 Menschen auf die Straße.
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Griechenland-Pleite, Rettungsschirme, Eurobonds, EFSF, ESM: Beim Thema Euro-Krisen schwirren etliche Fachbegriffe herum. Lesen Sie hier in Kurzform, was Sie zum Thema Rettungsschirme wissen müssen.
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EFSF steht für Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (European Financial Stability Facility) und ist eine Aktiengesellschaft, die notleidenden Euro-Staaten helfen soll. Sollte ein EU-Land in Not geraten, kann die im Juni 2010 gegründete EFSF Anleihen bis zu 440 Milliarden Euro ausgeben. Dafür haften die Euro-Länder.
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Kritik am EFSF: Im Vertrag von Maastricht wurde eine so genannte Nichtbeistands-Klausel (No-bailout-Klausel) vereinbart, die die Haftung der Union oder einzelner Mitgliedstaaten für die Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten untersagt. Auf Druck des Nicht-Eurolandes Großbritannien wurde durchgesetzt, dass bei Krediten für Staaten, die Mitglieder der Eurozone sind, nur die übrigen Eurostaaten haften.
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Der EFSF soll bis Juni 2013 aktiv bleiben und dann abgelöst werden, nämlich vom ESM.
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ESM steht für Europäischer Stabilitäts-Mechanismus und ist der permanente Euro-Rettungsschirm. Seine wichtigsten Instrumente sind Notkredite und Bürgschaften für überschuldete EU-Staaten. Jedes Land, das Hilfe aus dem ESM erhält, muss im Gegenzug bestimmte wirtschaftliche Konsequenzen ziehen.
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Kritiker sagen, dass Rettungsschirme und Bürgschaften es Ländern erleichtern, Schulden zu machen. Wenn es wirklich eng wird, treten schließlich die anderen EU-Länder ein und helfen.
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Eurobonds: Darunter versteht man eine EU-Staatsanleihe. Das bedeutet, die Länder der EU würden gemeinsam Schulden aufnehmen - und auch gemeinsam für sie haften. Hinter der Idee steht die Hoffnung, dass die Kreditwürdigkeit der Eurozone als Ganzes von den Finanzmärkten und den Ratingagenturen höher eingeschätzt wird als die seiner einzelnen Mitgliedstaaten.
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Die Befürworter dagegen erklären, dass notleidenden EU-Staaten geholfen werden muss. sie warnen vor einem Domino-Effekt. Heißt: Wenn ein Land tatsächlich pleite geht, reißt es andere Länder mit sich.
Auch Regierungsmitglieder gegen Sparpläne
Auf dem Platz vor dem Athener Parlament trommelten die Demonstranten und protestierten in Sprechchören gegen die Regierung und die internationalen Gläubiger. Bei dem Votum im Parlament am Donnerstag will sich Griechenland mit der Absegnung neuer Sparmaßnahmen weitere internationale Finanzhilfe sichern. Selbst einige Abgeordnete aus den Reihen der regierenden Sozialisten haben angedeutet, dass sie möglicherweise gegen Teile des Sparplans stimmen wollen. Sollte Griechenland jedoch nicht bald eine dringend benötigte weitere Kredittranche erhalten, kann es nach eigenen Angaben schon im November keine Gehälter und Pensionen mehr zahlen.
Der größte Streik seit Jahrzehnten
Der Streik, der am Donnerstag fortgesetzt wird, sollte nach Erwartungen der Gewerkschaften der größte seit Jahrzehnten werden. Es gebe eine "neue Dimension des sozialen Widerstands", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der für den öffentlichen Dienst zuständigen Gewerkschaftsverbands ADEDY, Ilias Vrettakos. "Wir hoffen, dass dieses Aufgebot Auswirkungen auf die politischen Entwicklungen hat."
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16. Dezember 2009 Ratingagenturen stufen Griechenlands Kreditwürdigkeit herab. Die Diskussion um Griechenland nimmt Fahrt auf: Spekulationen über eine Staatspleite beginnen, das Land muss zunehmend höhere Zinsen am Kapitalmarkt zahlen.
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25. März 2010 Die Lage spitzt sich zu: Die Euro-Länder sagen Athen vorsorglich ein Hilfspaket unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu.
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23. April 2010 Griechenland droht akut die Insolvenz. Das Hilfsprogramm wird offiziell beantragt.
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2. Mai 2010 Die Eurogruppe beschließt Notkredite von 110 Milliarden Euro für Athen und verlangt im Gegenzug einen harten Sparkurs. Die Hilfen kommen nicht aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF, der erst später unter dem Eindruck der eskalierenden Schuldenkrise im Euroraum aufgespannt wird.
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10. Mai 2010 Um die Schuldenkrise einzudämmen, einigen sich die EU-Finanzminister auf einen 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Mitglieder.
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16. Dezember 2010 Der EU-Gipfel beschließt das Aufspannen eines permanenten Rettungsschirms (ESM) für die Zeit ab 2013. Später wird der Start auf 2012 vorgezogen. Er soll mit 500 Milliarden Euro an verfügbaren Mitteln ausgestattet werden. Mittlerweile wird eine Ausweitung diskutiert.
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25. März 2011 Ein EU-Gipfel verabschiedet ein Gesamtpakt zur Überwindung der Schuldenkrise. Dazu gehören der permanente Rettungsschirm, eine Schärfung des Stabilitätspakts und ein neuer «Euro-Pakt-Plus», mit dem sich die Regierungschefs zu Strukturreformen verpflichten.
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29. Juni 2011 Das griechische Parlament nimmt ein radikales Sparpaket der Regierung an - Voraussetzung für eine Teilzahlung aus dem Hilfspaket. Ohne die Hilfe wäre das Land zahlungsunfähig geworden.
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21. Juli 2011 Auf einem Sondergipfel einigt sich die EU auf ein neues Griechenland-Rettungsprogramm im Volumen von 109 Milliarden Euro. Das Programm wird so nie in die Tat umgesetzt und später deutlich nachgebessert.
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27. Oktober 2011 Die Euro-Länder und Banken einigen sich auf einen Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland und ein neues 130-Milliarden-Euro-Paket für Athen. Im Gegenzug gibt es neue harte Sparauflagen für Athen, die im Land zunehmend Proteste und Streiks provozieren.
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10. November 2011 Lucas Papademos, der ehemalige Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank, löst Giorgios Papandreou als Regierungschef ab. Er führt eine Übergangsregierung, die die drakonischen Sparmaßnahmen auf den Weg bringen soll. Ohne die kann weder frisches Geld fließen - noch das neue Hilfspaket aktiviert werden.
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30. Januar 2012 Auf dem EU-Gipfel in Brüssel einigen sich die Staats- und Regierungschefs auf einen Fiskalpakt mit Schuldenbremsen und automatischen Sanktionen.
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12. Februar 2012 Das griechische Parlament billigt das einschneidende Sparpaket, das nach Forderung der internationalen Geldgeber mehrfach verschärft werden muss.
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21. Februar 2012 Die Länder der Eurozone geben grünes Licht für das 130-Milliarden-Hilfspaket. Voraussetzung für eine endgültige Freigabe ist aber ein Erfolg des Schuldenschnittes.
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9. März 2012 Mit der größten Staatsumschuldung aller Zeiten verschafft sich Griechenland Luft im Dauerkampf gegen die Pleite. Nach bangen Monaten mit langwierigen Verhandlungen meldet Athen eine breite Beteiligung am Schuldenschnitt, der das Land um mehr als 100 Milliarden Euro entlasten wird. Die Euro-Finanzminister geben umgehend einen Teil des neuen 130-Milliarden-Hilfspakets frei.
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6. Mai 2012: Die Parlamentswahlen in Griechenland finden statt. Die Parteien können sich auf keine Regierungskoalition einigen.
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17. Juni 2012: Nach den gescheiterten Koalitionsverhandlungen wird wieder in Griechenland gewählt. Sollte keine stabile und euro-freundliche Regierung zustande kommen, droht nach Expertenmeinung das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro.
Demonstrantin: "Wir halten es nicht mehr aus"
"Wir halten es nicht mehr aus", sagte der Chef einer Gewerkschaft in der Athener Verwaltung, Nikos Anastasopoulos. "Es herrschen Verzweiflung, Wut und Bitterkeit." Andere Demonstranten erklärten, sie hätten gar keine andere Wahl als auf die Straße zu gehen. "Wir kommen mit unseren Familien nicht mehr über die Runden", sagte Demonstrantin Eleni Voulieri. (dapd, afp)
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