Samstag, 18. Mai 2013

19. Oktober 2011 15:06 Uhr

Generalstreik setzt dem Land arg zu

Griechenland versinkt im Chaos: Randalierer greifen Polizei an

Der Generalstreik in Griechenland legt das Land lahm. Hunderttausende demonstrierten friedlich gegen die Sparpläne der Regierung. Einige Jugendliche wurden aber gewalttätig.

Griechenland im Ausnahmezustand: Ein zweitägiger Generalstreik hat das öffentliche Leben in dem von der Finanzkrise und Schulden gebeutelten Land bereits zum Auftakt am Mittwoch zum Erliegen gebracht. Flüge blieben am Boden, der öffentliche Verkehr war stark beeinträchtigt, Schulen, Geschäfte und Praxen blieben geschlossen. In der Athener Innenstadt versammelten sich mindestens 70000 Demonstranten, um vor einer für Donnerstag im Parlament geplanten Abstimmung über neue Sparmaßnahmen gegen die Regierung zu protestieren.

Immer wieder Unterbrechungen

Nach dem kompletten Stopp auf den Flughäfen am Mittwochmorgen konnten einige Flüge am Mittag wieder aufgenommen werden, nachdem die Fluglotsen ihren geplanten Streik von 48 auf zwölf Stunden reduziert hatten. Dutzende Inlands- und internationale Flüge blieben aber gestrichen. Auch Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen fielen nicht komplett aus, die Arbeiter hielten aber immer wieder Arbeitsunterbrechungen ab.

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Jugendliche randalieren

Mit 3000 Mann bereitete sich die Polizei in Athen auf einen Ansturm von Demonstranten vor. Die Polizei schätzte die Menschenmenge am Vormittag auf 70000 Menschen und es strömten noch viele weitere in die Innenstadt. Eine kleine Gruppe von Demonstranten bewarf die Polizisten mit Müll, der wegen des mehr als zweiwöchigen Streiks der Müllarbeiter und trotz des Einsatzes privater Entsorgungsfirmen noch an vielen Stellen in der Stadt liegt. Größtenteils blieben die Proteste aber friedlich. Am Syntagma-Platz gab es aber heftige Auseinandersetzungen. Rund 200 jugendliche Demonstranten attackierten eine  Metallbarriere, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP  berichtete. Protestteilnehmer warfen Brandsätze und Steine, die  Polizei setzte Tränengas ein.

15000 Demonstranten in Saloniki

Bei einem zweitägigen Ausstand im Juni war es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften gekommen. Auch in Saloniki, der zweitgrößten Stadt des Landes, gingen mindestens 15000 Menschen auf die Straße.

Auch Regierungsmitglieder gegen Sparpläne

Auf dem Platz vor dem Athener Parlament trommelten die Demonstranten und protestierten in Sprechchören gegen die Regierung und die internationalen Gläubiger. Bei dem Votum im Parlament am Donnerstag will sich Griechenland mit der Absegnung neuer Sparmaßnahmen weitere internationale Finanzhilfe sichern. Selbst einige Abgeordnete aus den Reihen der regierenden Sozialisten haben angedeutet, dass sie möglicherweise gegen Teile des Sparplans stimmen wollen. Sollte Griechenland jedoch nicht bald eine dringend benötigte weitere Kredittranche erhalten, kann es nach eigenen Angaben schon im November keine Gehälter und Pensionen mehr zahlen.

Der größte Streik seit Jahrzehnten

Der Streik, der am Donnerstag fortgesetzt wird, sollte nach Erwartungen der Gewerkschaften der größte seit Jahrzehnten werden. Es gebe eine "neue Dimension des sozialen Widerstands", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der für den öffentlichen Dienst zuständigen Gewerkschaftsverbands ADEDY, Ilias Vrettakos. "Wir hoffen, dass dieses Aufgebot Auswirkungen auf die politischen Entwicklungen hat."

Demonstrantin: "Wir halten es nicht mehr aus"

"Wir halten es nicht mehr aus", sagte der Chef einer Gewerkschaft in der Athener Verwaltung, Nikos Anastasopoulos. "Es herrschen Verzweiflung, Wut und Bitterkeit." Andere Demonstranten erklärten, sie hätten gar keine andere Wahl als auf die Straße zu gehen. "Wir kommen mit unseren Familien nicht mehr über die Runden", sagte Demonstrantin Eleni Voulieri. (dapd, afp)

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