Freitag, 20. Oktober 2017

18. Februar 2015 13:25 Uhr

Porträt

Helle Thorning-Schmidt: Die Frau mit der Gucci-Tasche

Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt ist bekannt für ihren exklusiven Kleidungsstil, ein Selfie mit Obama – und als geschickte Vermittlerin.

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Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt ist für ihren exklusiven Kleidungsstil bekannt.
Foto: Kimmo Brandt (dpa)

In einem eleganten, schwarzen Mantel steht Helle Thorning-Schmidt bei der Gedenkfeier in Kopenhagen auf der Bühne. Die dänische Ministerpräsidentin fordert ihre Landsleute nach den Anschlägen auf, zusammenzustehen und sich nicht einschüchtern zu lassen.

Gucci-Helle: Selfie mit Barack Obama

Ihre Gucci-Tasche hat die blonde Politikerin diesmal zu Hause gelassen. Das ist ungewöhnlich. Selbst bei einem Besuch in Libyen während des Bürgerkriegs 2011 baumelte eine knallrote Handtasche an ihrem Arm. Ihre Vorliebe für die teuren Designerstücke und ihre modische Kleidung brachten der 48-Jährigen den Spitznamen Gucci-Helle ein. Ihre teuerste Handtasche soll angeblich über 12.000 Euro kosten.

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Als sie für ihren teuren Geschmack kritisiert wurde, entgegnete sie: „Wir können ja nicht alle scheiße aussehen.“ Weltweit bekannt wurde Thorning-Schmidt für ihr Selfie mit US-Präsident Obama und dem britischen Premierminister Cameron auf der Trauerfeier für Nelson Mandela 2013.

Helle Thorning-Schmidt ist die dänische Ministerpräsidentin

Allerdings darf man diese Frau nicht unterschätzen. 2011 übernahm sie das Amt der dänischen Ministerpräsidentin. Bereits sechs Jahre zuvor war sie zur Vorsitzenden der dänischen Sozialdemokraten gewählt worden. In beiden Ämtern ist sie die erste Frau. Politische Weggefährten beschreiben sie als charismatisch und durchsetzungsstark. Mit einem harten Reformprogramm kurbelte sie die dänische Wirtschaft an. Dabei schreckte sie auch nicht vor unpopulären Maßnahmen zurück. Vor einem Jahr platze ihre Koalition mit der Sozialistischen Volkspartei. Seitdem regiert Thorning-Schmidt mit wechselnden Mehrheiten weiter. Sie muss oft als Vermittlerin tätig werden und Kompromisse finden.

Thorning-Schmidt war von 1999 bis 2004 Abgeordnete im Europaparlament

Damit erfüllt sie ein wichtiges Kriterium für einen Spitzenjob innerhalb der EU. Und als sich im vergangenen Sommer das Personalkarussell drehte, fiel im Zusammenhang mit dem Posten der EU-Ratspräsidentin auch häufig der Name Helle Thorning-Schmidt. Erfahrungen auf europäischer Ebene hatte sie bereits in ihrer Zeit als Abgeordnete im Europaparlament von 1999 bis 2004 gesammelt. Ein weiterer Pluspunkt war, dass sie nicht nur Englisch, sondern auch fließend Französisch spricht. Nach ihrem Politik-Studium war sie nämlich am Europakolleg in Brügge. Dort lernte sie ihren späteren Mann Stephen Kinnock, den Sohn des ehemaligen Labour-Vorsitzenden Neil Kinnock, kennen. Die beiden haben zwei Töchter. Deshalb hatten viele gehofft, dass Thorning-Schmidt als EU-Ratspräsidentin als Brücke zu Großbritannien fungieren hätte können. Sie lehnte jedoch ab, wollte Ministerpräsidentin bleiben. Wenn ihr neben der Politik Zeit bleibt, geht sie gerne laufen oder liest ein Buch.

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