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07. Februar 2009 16:20 Uhr

Holocaust-Leugner will vorerst nicht widerrufen

Hamburg/Rom (dpa) - Der umstrittene Holocaust-Leugner Richard Williamson will seine Thesen zum Mord an den Juden vorerst nicht widerrufen. Der Brite sagte dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», er wolle zunächst die historischen Beweise prüfen.

Holocaust-Leugner will vorerst nicht widerrufen
Foto: DPA

«Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen», sagte Williamson in seiner ersten öffentlichen Äußerung zu dem Streit. Er missachtete damit die Aufforderung des Vatikans, die Holocaust-Äußerungen zu widerrufen. Williamson war vor kurzem mit drei anderen exkommunizierten Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft durch Papst Benedikt XVI. wieder in die Kirche aufgenommen worden. Nach Darstellung des Vatikans hat der Pontifex von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst.

Unterdessen sprechen Theologen und Medien von einer Austrittswelle empörter deutscher Katholiken. Bei Politikern und Kirchenvertretern mehren sich die Forderungen nach einem Ausschluss des Holocaust- Leugners aus der katholischen Kirche.

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Williamson lebt in Argentinien in einem Priesterseminar in La Reja, etwa 50 Kilometer von der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entfernt. In dem Interview mit dem «Spiegel» erneuerte Williamson auch seine Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Konzilstexte seien zweideutig: «Das führt zu diesem theologischen Chaos, das wir heute haben.» Kritisch steht Williamson zu den universellen Menschenrechten: «Wo die Menschenrechte als eine objektive Ordnung verstanden werden, die der Staat durchsetzen soll, da kommt es immer zu einer antichristlichen Politik.»

In einem TV-Interview hatte der Brite gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200 000 bis 300 000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern.

Im «Spiegel» meinte er jetzt dazu: «Ein einziges Interview im schwedischen Fernsehen ist nun seit Wochen ein Hauptthema in Deutschland. Ja, das wundert mich schon. Ist das bei allen Gesetzesverletzungen in Deutschland so? Wohl kaum. Nein, ich bin hier nur das Werkzeug, damit gegen die Priesterbruderschaft und den Papst agiert werden kann. Offenbar hat der deutsche Linkskatholizismus es Ratzinger noch nicht verziehen, dass er Papst geworden ist.»

Die Pius-Bruderschaft schloss unterdessen einen Priester in Italien wegen seiner Äußerungen zum Holocaust aus. Floriano Abrahamowicz hatte nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa gesagt, dass die Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zur Desinfektion genutzt worden seien. Ob Menschen darin auch umgebracht wurden, könne er nicht sagen.

Wie Ansa weiter berichtete, solle der Ausschluss des Priesters, der auch Williamson verteidigt hatte, nach Angaben der Pius- Bruderschaft Schaden von der Organisation abwenden. In einem Fernsehinterview hatte sich Abrahamowicz außerdem gegen das Zweite Vatikanische Konzil gestellt. Der Priester, der als Piusbruder in Treviso für den Nordosten Italiens zuständig war, zeigte sich am Samstag «erstaunt und verletzt» von der Entscheidung.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, nannte Williamson nach seinen neuerlichen Äußerungen einen «absolut verstockten Holocaustleugner und Feind der Menschenrechte». Wer wie Williamson sage, dass die staatliche Durchsetzung der Menschenrechte zu einer antichristlichen Politik führe, beleidige Christen und Nichtchristen. Roth forderte: «Papst Benedikt muss zu Williamson und seiner Pius- Bruderschaft endlich einen klaren Trennstrich ziehen.»

Für den Ausschluss Williamsons aus der katholischen Kirche sprach sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, aus. In einem Gespräch mit der «Bild am Sonntag» sagte er: «Herr Williamson ist unmöglich und unverantwortlich. Ich sehe jetzt keinen Platz für ihn in der katholischen Kirche.» Der Freiburger Erzbischof erklärte, schon am Montag werde er der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zwei Terminvorschläge für ein Treffen machen.

Unterdessen berichten Theologen und Medien von Austritten deutscher Katholiken aus Empörung über das Handeln des Vatikan. Laut «Spiegel» hätten allein beim Amtsgericht Krefeld in diesem Jahr schon 72 Katholiken ihren Austritt erklärt. «Die Austrittswelle hat bereits eingesetzt», sagte auch Pater Eberhard von Gemmingen, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Papst und den deutschen Katholiken ist seiner Ansicht nach «ein wenig lädiert». Der geplante Papstbesuch in Deutschland im kommenden Jahr könne diese Situation möglicherweise verbessern.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland stärkte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Rücken und verlangte von ihren Kritikern im Zusammenhang mit der Pius-Affäre eine Klarstellung. Es sei unerträglich, wie versucht werde, die Kanzlerin wegen ihrer Intervention beim Papst öffentlich zu diffamieren, sagte Generalsekretär Stephan Kramer der in Landau erscheinenden «Rheinpfalz am Sonntag». Der Generalsekretär forderte Benedikt XVI. auf, sich klar von der Piusbruderschaft zu distanzieren. Wenn der Papst konsequent handeln würde, müsste er sogar alle Piusbrüder exkommunizieren, weil sie sich gegen das Zweite Vatikanische Konzil ausgesprochen haben, sagte Kramer.

Die erzkonservative Priester-Bruderschaft Pius X. wird nach Ansicht des Päpstlichen Ehrenkaplans und Fernsehpfarrers Stephan Wahl der katholischen Kirche keinen Schritt entgegenkommen. Nachdem der Papst «einseitig» auf die Piusbruderschaft zugegangen sei, müsse die Bruderschaft jetzt auf die Kirche zugehen, sagte Wahl am Samstag in Trier in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland betrachtet Williamson bislang als ihren Glaubensbruder, hatte sich aber von dessen Leugnung des Holocaust distanziert.

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