NSU-Verfahren soll kein Schauprozess werden: Der Zugang der Öffentlichkeit zum Prozess um die Morde der Terrorvereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) soll beschränkt werden. Lediglich 50 Pressevertreter und 50 Zuschauer sollen im Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München Platz finden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag.
NSU-Prozess: "Wir machen das nicht in einem Fußballstadion"
Auch die Übertragung der Verhandlung in andere Räume lehne das OLG ab. "Wir führen ein rechtsstaatliches Verfahren und keinen Schauprozess für die Öffentlichkeit", sagte OLG-Präsident Karl Huber dem Blatt. "Wir machen das nicht in einem Fußballstadion, wie das totalitäre Staaten tun", fügte er hinzu. Huber betonte, es handele sich um ein deutsches Verfahren "nach deutschem Recht", auch wenn es international große Aufmerksamkeit auf sich ziehe und der Prozess um den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik in Oslo Maßstäbe an Transparenz gesetzt habe.
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Beate Zschäpe wurde am 2. Januar 1975 in Jena geboren. Dem Hauptschulabschluss folgte eine Ausbildung als Gärtnerin.
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Von Mitte 1992 bis Herbst 1997 ging Beate Zschäpe einer Arbeit nach, zweimal unterbrochen von Arbeitslosigkeit. So steht es in einem Bericht des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer für die Thüringer Landesregierung. «Ihre Hauptbezugsperson in der Familie war die Großmutter», heißt es weiter.
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Auffällig wurde Zschäpe erstmals als 17-Jährige. Der Schäfer-Bericht vermerkt 1992 mehrere Ladendiebstähle. 1995 wurde sie vom Amtsgericht Jena wegen «Diebstahls geringwertiger Sachen» zu einer Geldstrafe verurteilt.
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Anfang der 1990er Jahre war Zschäpe im Jenaer Plattenbaugebiet Winzerla häufiger Gast im Jugendclub, bald an der Seite des Rechtsextremen Mundlos. Über das ungewöhnliche Dreiecksverhältnis ist viel spekuliert worden.
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Im Alter von 23 Jahren verschwand die junge Frau mit den beiden Männern aus Jena von der Bildfläche. Sie ging mit Mundlos und Böhnhardt in den Untergrund. Zuvor hatte die Polizei ihre Bombenbauerwerkstatt in der Thüringer Universitätsstadt entdeckt.
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Danach agierte Zschäpe mit einer Handvoll Aliasnamen: Sie war mal Silvia und mal Lisa Pohl, nannte sich Mandy S. oder Susann D. Zeugen sollen sie als freundlich, kontaktfreudig und kinderlieb geschildert haben. Bei Diskussionen in der Szene soll sie jedoch die radikaleren Positionen ihrer beiden Kumpane unterstützt haben.
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Nach der Explosion in Zwickau am 4. November 2011 war Zschäpe mit der Bahn tagelang kreuz und quer durch Deutschland unterwegs. Sie verschickte auch die NSU-Videos mit dem menschenverachtenden Paulchen-Panther-Bildern. Am 8. November stellte sie sich der Polizei in Jena.
Strengste Sicherheitsanforderungen
So etwas könne die Münchner Justiz nicht leisten. Das NSU-Verfahren unterliege strengsten Sicherheitsanforderungen, sagte Huber. Die Sicherheit müsse "nicht nur ein paar Wochen lang, sondern über ein ganzes Jahr" gewährleistet werden. Huber kündigte an, die Justiz werde alles tun, um Provokationen von rechtsradikalen Sympathisanten der Angeklagten zu begegnen.
"Wir werden den NSU-Prozess nicht zu einem Spektakel für Rechtsradikale werden lassen", versicherte er. Der Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsextremistin Beate Zschäpe und vier NSU-Helfer soll Mitte April vor dem OLG München beginnen. Das Verfahren ist laut Gericht zunächst bis zum 16. Januar 2014 terminiert. Zschäpe wird unter anderem Mittäterschaft an zehn Morden sowie schwere Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.
NSU: Zehn Morde begangen?
Die Morde sollen von den verstorbenen Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos begangen worden sein. Die beiden NSU-Mitglieder hatten laut Anklage aus Ausländerhass neun Geschäftsleute mit ausländischen Wurzeln getötet und eine Polizistin erschossen. (afp, AZ)

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Nach einem Bankraub kommt die Polizei Ende 2011 einer beispiellosen Mordserie auf die Spur, die die Bundesrepublik erschüttert. Erst nach und nach wird klar, welche Taten wie zusammenhängen - und wer dahinter steckt. Was man lange für unrealistisch gehalten hat - dass in Deutschland organisierter, rechtsextremer Terror stattfindet - wird mit den Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) plötzlich bittere Realität. Die Chronologie von über zehn Jahren braunem Terrors aus Sicht der Ermittler.
Foto: BKA

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26. Januar 1998: Nach einer Razzia in ihrer Bombenwerkstatt in Jena tauchen Uwe Mundlos (links, hier im Herbst 1996 in Erfurt im Umfeld eines Prozesses gegen den Holocaust-Leugner Manfred Roeder), Uwe Böhnhardt (Mitte) und Beate Zschäpe unter. Sie beschließen, aus dem Untergrund mit Gewalt für ihr politisches Ziel zu kämpfen - ein nationalsozialistisches System in Deutschland.
Foto: Mobit, dapd

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19. Januar 2001: In einem iranischen Lebensmittelladen in Köln explodiert eine Bombe. Die Tochter des Inhabers wird schwer verletzt. Ein paar Wochen später ziehen Beate Zschäpe, Uwe Boehnhardt und Uwe Mundlos (von links) nach Zwickau um.
Foto: Frank Doebert/Ostthueringer Zeitung, dapd
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