Samstag, 26. Juli 2014

26. März 2014 12:21 Uhr

50 Journalisten, 50 Zuschauer

Justiz will Zugang zum NSU-Prozess einschränken

50 Journalisten, 50 Zuschauer: Der Zugang der Öffentlichkeit zum Prozess um die Morde der Terrorvereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) soll beschränkt werden.

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NSU-Verfahren soll kein Schauprozess werden: Der Zugang der Öffentlichkeit zum Prozess um die Morde der Terrorvereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) soll beschränkt werden. Lediglich 50 Pressevertreter und 50 Zuschauer sollen im Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München Platz finden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag.

NSU-Prozess: "Wir machen das nicht in einem Fußballstadion"

Auch die Übertragung der Verhandlung in andere Räume lehne das OLG ab. "Wir führen ein rechtsstaatliches Verfahren und keinen Schauprozess für die Öffentlichkeit", sagte OLG-Präsident Karl Huber dem Blatt. "Wir machen das nicht in einem Fußballstadion, wie das totalitäre Staaten tun", fügte er hinzu. Huber betonte, es handele sich um ein deutsches Verfahren "nach deutschem Recht", auch wenn es international große Aufmerksamkeit auf sich ziehe und der Prozess um den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik in Oslo Maßstäbe an Transparenz gesetzt habe.

Strengste Sicherheitsanforderungen

So etwas könne die Münchner Justiz nicht leisten. Das NSU-Verfahren unterliege strengsten Sicherheitsanforderungen, sagte Huber. Die Sicherheit müsse "nicht nur ein paar Wochen lang, sondern über ein ganzes Jahr" gewährleistet werden. Huber kündigte an, die Justiz werde alles tun, um Provokationen von rechtsradikalen Sympathisanten der Angeklagten zu begegnen.

"Wir werden den NSU-Prozess nicht zu einem Spektakel für Rechtsradikale werden lassen", versicherte er. Der Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsextremistin Beate Zschäpe und vier NSU-Helfer soll Mitte April vor dem OLG München beginnen. Das Verfahren ist laut Gericht zunächst bis zum 16. Januar 2014 terminiert. Zschäpe wird unter anderem Mittäterschaft an zehn Morden sowie schwere Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

NSU: Zehn Morde begangen?

Die Morde sollen von den verstorbenen Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos begangen worden sein. Die beiden NSU-Mitglieder hatten laut Anklage aus Ausländerhass neun Geschäftsleute mit ausländischen Wurzeln getötet und eine Polizistin erschossen. (afp, AZ)

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