Donnerstag, 23. Mai 2013

29. April 2012 21:09 Uhr

Kanzlerin Merkel denkt an Boykott der EM in der Ukraine

Sollte die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko bis zur EM in sechs Wochen nicht freigelassen werden, will Merkel ihren Ministern nach Informationen des «Spiegel» empfehlen, den Spielen fernzubleiben. Timoschenkos Tochter fehlte die Bundesregierung an, sich für ihre Mutter einzusetzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwägt einem Medienbericht zufolge einen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine.

Timoschenkos Tochter fleht Bundesregierung um Hilfe an

Wie der «Spiegel» am Sonntag vorab berichtete, könnte Merkel  lediglich für Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in  seiner Funktion als Sportminister eine Ausnahme machen. Friedrich  will das Spiel Deutschland gegen die Niederlande in Charkiw, wo  Timoschenko im Gefängnis sitzt, nach eigener Aussage nur besuchen,  wenn er die 51-Jährige vorher treffen kann.

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»Spiegel»: Merkel erwägt EM-Boykott in Ukraine durch ihre Minister

Timoschenko, die an Bandscheibenproblemen leidet, verbüßt eine  siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Die EU kritisiert  die Inhaftierung der Ex-Regierungschefin als politisch motiviert.  Timoschenko protestiert mit einem Hungerstreik gegen ihre  Haftbedingungen und wirft den Behörden Misshandlung vor.

Pressestimmen zu einem möglichen EM-Boykott:

Die «Märkische Allgemeine» aus Potsdam  meint zu einem möglichen Boykott der Fußball-EM in der Ukraine: "Was ist politischer als das selbsterklärte Ziel der  Völkerverständigung? Dieses Wort aber beschreibt den einzig  gangbaren Weg, will man die Ukraine nicht verlieren. Es geht um  eine Verständigung, um einen kritischen Dialog. Der kann von  politischer Seite so aussehen, dass westliche Vertreter mit einem  persönlichen Boykott drohen. Die Reaktion zeigt, dass dies nicht  wirkungslos bleibt. Ähnlich hat es die Kanzlerin 2008 gehalten. Sie  ist nicht zu den Olympischen Spielen nach China gefahren, der  Dialog mit Peking aber blieb bestehen. Will man diesen auch im Fall  der Ukraine, dann hilft nicht nur Distanz. Es braucht auch Nähe."

«Emder Zeitung» zum EM-Boykott: "Wegen der Misshandlungen an Julia Timoschenko erwägt Angela Merkel einen Boykott der Fußball-EM in der Ukraine. Damit tut die Kanzlerin genau das Richtige! Es wurde auch endlich Zeit, Viktor Janukowitsch die diplomatischen Zähne zu zeigen. Offiziell gibt sich der ukrainische Präsident zwar ungerührt, doch es würde ihn gewaltig wurmen, wenn hochrangige Politiker dem Top-Ereignis in seinem Land fernbleiben würden. Das bei isolierten Staatschefs so beliebte Händeschütteln mit internationalen Größen vor der Weltpresse fällt dann aus. Wenn Janukowitsch klug ist, lässt er Julia Timoschenko schleunigst ausreisen. Aber auch dann darf die Kanzlerin dem autoritären Staatschef gerne weiter die kalte Schulter zeigen."

Boykott der EM würde Regime ins Abseits stellen

«Weser-Kurier» zu Ukraine/EM: "Wissenschaftler würden von einer »Transfergesellschaft« sprechen. Das sind Staaten, die aus Kriegen oder Diktaturen hervorgegangen sind und die sich auf eine Weggabelung hinbewegen: Rückfall in ein autoritäres Regime oder allmähliche Demokratisierung. Umso wichtiger ist es, auf Missstände hinzuweisen und ihr Ende zu fordern, erst Recht mitten in Europa. Spitzensportler sollten sich nicht darauf zurückziehen, dass dies ausschließlich der Job von Spitzenpolitikern sei. Es ist gut, dass sich Uli Hoeneß anders verhält als Schumacher und Vettel in Bahrain."

«Münchner Merkur» zu Ukraine/EM/Timoschenko: "Ein politischer Boykott der Spiele würde das Regime und nicht den Fußball ins Abseits stellen. Gepunktet hat die Truppe um Präsident Janukowitsch und verloren hat Timoschenko erst dann, wenn europäische Politiker zu Claqueuren des Regimes werden und sich dabei auf den Tribünen der Stadien auch noch vorführen lassen. Es geht nicht nur um Julia Timoschenko oder um Geld. Es geht vor allem um Selbstachtung und Zivilcourage."  AZ/dpa/afp

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