Samstag, 20. Dezember 2014

14. Dezember 2012 19:45 Uhr

Extremismus

Karlsruhe geht von islamistischem Anschlagsversuch in Bonn aus

Bonn ist am vergangenen Montag offenbar nur knapp einem islamistischen Terroranschlag mit verheerender Wirkung entgangen. Die Bombe vom Hauptbahnhof war nach Erkenntnissen der Ermittler prinzipiell zündfähig.

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Mit diesen Gegenständen wurde die Bombe von Bonn gebaut: Der Sprengsatz war fehlerhaft konstruiert und detonierte nicht. Foto: Oliver Berg/Archiv dpa

Wahrscheinlich wurde der Sprengsatz auch ausgelöst, explodierte aber nach Medienberichten wegen einer Fehlkonstruktion nicht. Die Bundesanwaltschaft geht von einem versuchten Anschlag einer Terrorgruppe islamistischer Prägung aus. Die Karlsruher Behörde zog daher am Freitag die Ermittlungen an sich. Das Bundeskriminalamt wurde beauftragt, die polizeilichen Ermittlungen zu führen.

Nach Mitteilung der Bundesanwaltschaft stellte am Montag gegen 13.00 Uhr ein Mann die Sporttasche mit der zündfähigen Sprengvorrichtung auf dem Bahnsteig 1 des Bonner Hauptbahnhofs ab. Es lägen «belastbare Hinweise dafür vor, dass die verdächtige Person über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt». Es bestehe der Anfangsverdacht, dass sie «als Mitglied einer terroristischen Vereinigung einen Sprengstoffanschlag verüben wollte».

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Über den gesuchten zweiten Verdächtigen traf die Bundesanwaltschaft keine Aussagen. Bekannt ist bisher, dass jugendliche Zeugen einen dunkelhäutigen Mann beschrieben haben, der die blaue Sporttasche mit der Sprengvorrichtung vor ihnen abgestellt haben soll. Ein zweiter, hellhäutiger Mann ist mit einer solchen Tasche auf dem Video einer McDonald's-Filiale im Bahnhof zu sehen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte über die Bombe im ZDF: «Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie gezündet wurde.» Nach den vorläufigen kriminaltechnischen Untersuchungen bestand sie laut Bundesanwaltschaft aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthielt und mit vier Druckgaspatronen umwickelt war, sowie einem Wecker und verschiedenen Batterien, die als Zündvorrichtung dienen sollten. Weswegen der Sprengsatz nicht detonierte, bedürfe weiterer Ermittlungen, hieß es in der Karlsruher Mitteilung weiter.

Der WDR berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass die Bombe mutmaßlich falsch zusammengebaut gewesen sei. «Der Fehler der Konstruktion des Sprengsatzes bestand demnach darin, dass die Täter eine Glühbirne statt eines sogenannten Boosters, also eines Sprengsatzverstärkers, verwendet hätten», hieß es bei dem Sender. Eine Glühbirne war von der Polizei am Tatort sichergestellt worden. Der Berliner «Tagesspiegel» (Samstag) schrieb unter Berufung auf Sicherheitskreise von einem Schaltfehler.

Wie die Zeitung weiter berichtete, passt der Sprengsatz von der Machart zu einer Bombenbau-Anleitung aus dem Internet-Magazin einer Al-Kaida-Filiale im Jemen. Bis auf wenige Abweichungen sei die Bombe mit der dort beschriebenen Konstruktion identisch.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) rief zur Wachsamkeit auf. «Wir nehmen den Sachverhalt sehr ernst. Er unterstreicht unsere Einschätzung, dass Deutschland im Fadenkreuz des dschihadistischen Terrorismus steht», sagte er in einer Mitteilung. Zugleich fügte er hinzu: «Dennoch lassen wir uns in unserem alltäglichen Leben nicht beeinträchtigen.» Die Sicherheitsbehörden unternähmen alle Anstrengungen, der Bedrohung entgegenzutreten. (dpa)

Fahndungsaufruf der Polizei mit Plakat und Foto aus dem Video

Mitteilung Generalbundesanwalt

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