"Er wirkt betreten und traurig." Zu diesem Ergebnis kommt Körpersprache-Experte Günter Hübner, als er Ex-Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Rücktrittserklärung analysiert. Viel härter fällt das Urteil von Hübner über Bettina Wulff aus. Die frühere First Lady verrate sich durch ihr selbstbestimmtes Auftreten und verhalte sich dem Experten nach völlig unangemessen: "Sie sonnt sich genussvoll im Blitzlicht."
Die Haltung sagt mehr als die gesprochenen Worte
Es waren nur vier Minuten. Doch in dieser kurzen Zeit waren dutzende Kameras auf Christian Wulff gerichtet. Jede Regung in seinem Gesicht und jede Geste seines Körpers hielten sie genau fest. Die Rücktrittserklärung war genau durchgeplant - und dennoch hatte auch der im Umgang mit den Medien erfahrene Wulff nicht alles im Griff. Seine Haltung und auch die seiner Frau sagten mehr als die Worte selbst.
Günter Hübner hat sich die Erklärung genau angesehen. Der Experte für Körpersprache kann vieles in Gestik und Mimik lesen, während andere nur die gesprochenen Worte hören. Der gebürtige Dillinger analysiert Persönlichkeiten aus Medien, Politik und Wirtschaft. Dabei kommentiert und „entschlüsselt“ er die nonverbalen Botschaften ihrer Statements. Seine Analyse des Wulff-Rücktritts:
"Der Körper verrät den Menschen", sagt der Experte für Körpersprache. Der Auftritt von Wulff signalisiere klar, dass er sich nicht mehr halten könne und Halt suche - und das nicht nur im übertragen Sinn: "Christian Wulff steht nicht fest vor seinem Pult, man merkt, dass er keinen Halt mehr hat." Bei seinen Worten "Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück" halte er sich mit der linken Hand fest am Pult, man sehe, wie er schwankt. "Er kann sich im Amt nicht mehr halten, obwohl er seinem Körper das Festhalten empfiehlt", erkennt Günter Hübner: "Er ist keine Eiche im Wald mehr, die Standfestigkeit hat er verloren."
Christian Wulff wirkt betroffen und traurig
Der gesenkte Kopf des zurückgetretenen Bundespräsidenten zeige Demut, ist sich der 45-jährige Experte sicher. Hübner hat bereits die Körpersprache zahlreicher Politiker untersucht, darunter auch die der Kandidaten bei den Kanzlerduellen in den Jahren 2002, 2005 und 2009. Der Körpersprache-Trainer erkennt, wenn sein Gegenüber die Unwahrheit spricht oder unsicher ist - durch mimische Nuancen und kleine Gesten, die für ungeübte Augen kaum wahrnehmbar sind.
Christian Wulff machte bei seiner Ansprache auf den Körpersprache-Trainer einen betroffen und traurigen Eindruck. Ob der Politiker dabei Reue und Scham empfindet, könne man allerdings nicht sagen. Das sei allein an Gestik und Mimik nicht abzulesen. Allerdings ist sich Günter Hübner sicher, dass sich die Gedanken von Christian Wulff vor allem auf das Jetzt und nicht auf die Zukunft beziehen. "An die Zukunft kann man mit gesenktem Kopf nicht denken, dazu muss man geradeaus blicken."
Bettina Wulff genießt die Aufmerksamkeit in vollen Zügen
Im Gegensatz zu Wulff tat das seine Frau Bettina. Mit geraden Schultern und festem Blick stand sie während der Ansprache neben ihrem Mann auf dem Podest - und lächelte dabei. "Sie macht nicht den Eindruck, als sei sie stark betroffen", sagt Hübner offen. "Man sieht ganz klar, dass für Bettina Wulff das Demonstrieren von Demut bei ihrem Auftritt nicht die oberste Prioriät hat."
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25. Oktober 2008: Christian Wulff, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, bekommt von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen Privatkredit über 500 000 Euro zum Kauf eines Hauses.
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18. Februar 2010: Wulff antwortet auf eine mündliche Anfrage im niedersächsischen Landtag, dass es zwischen ihm und dem Unternehmer Egon Geerkens in den vergangenen zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben habe.
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12. Dezember 2011: Wulff versucht, Bild-Chefredakteur Kai Diekmann zu erreichen, um einen Bericht zur Finanzierung seines Privathauses zu verhindern oder zu verschieben. Auf der Mailbox droht er Medienberichten zufolge den "endgültigen Bruch" und "Krieg" mit Springer an, falls die Geschichte erscheint.
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13. Dezember: Die "Bild"-Zeitung berichtet erstmals über Wulffs umstrittene Hauskauf-Finanzierung.
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14. Dezember 2011: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Wulff ihr Vertrauen aus. Sie sehe keinen Grund, seine Angaben zu bezweifeln.
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15. Dezember 2011: Der Bundespräsident bricht sein Schweigen: "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das", heißt es in einer Mitteilung. «Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte.» In der Sache habe er nichts zu verbergen.
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17. Dezember 2011: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter fordert Wulff zum Rücktritt auf. SPD und Grüne verlangen, Wulff müsse alle Fakten auf den Tisch legen.
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19. Dezember 2011: Wulffs Anwalt legt Unterlagen zum Kredit und eine Liste mit Urlauben vor, die sein Mandant als Regierungschef bei befreundeten Unternehmern verbracht hat. Merkel gibt ihm erneut Rückendeckung. Zudem wird bekannt, dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer 2007 im niedersächsischen Landtagswahlkampf eine Anzeigenkampagne für ein Interview-Buch mit Wulff bezahlt hat.
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20. Dezember 2011: Wulffs Anwalt betont, sein Mandant habe von den Zahlungen nichts gewusst. Die Sitzung des Ältestenrats im Landtag in Hannover, auf der eine gemeinsame Linie zur Klärung der Vorwürfe gegen Wulff gefunden werden sollte, endet nach kurzer Zeit im Streit zwischen Regierung und Opposition.
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22. Dezember: Der Bundespräsident entschuldigt sich öffentlich für die entstandenen Irritationen. Zugleich entlässt er seinen Sprecher Olaf Glaeseker.
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27. Dezember 2011: Aus dem Aufsichtsrat der Stuttgarter BW-Bank kommen Forderung nach einer Überprüfung des ersten zinsgünstigen Darlehen für Wulff.
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30. Dezember 2011: Die BW-Bank teilt mit, dass der Vertrag über das zweite Darlehen erst kurz vor Weihnachten von Wulff endgültig unterzeichnet wurde. Er gilt ab dem 16. Januar. Die Zinskonditionen wurden nach Angaben von Wulffs Anwälten jedoch bereits am 25. November von Wulff und der BW-Bank «fixiert».
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2. Januar 2012: Durch Medienberichte wird bekannt, dass Wulff mit einem Anruf bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann versuchte, die Veröffentlichung der Affäre zu verhindern.
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2. Januar 2012: Bei der Staatsanwaltschaft in Hannover gehen elf weitere Strafanzeigen gegen Wulff ein. Die Zahl der Strafanzeigen gegen Wulff liegt nun bei insgesamt 20.
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4. Januar 2012: Wulff gibt ARD und ZDF ein Interview, in dem er den Anruf bei Diekmann als «schweren Fehler» bezeichnet und volle Transparenz bei allen Fragen ankündigt. Am Folgetag veröffentlicht sein Anwalt aber nur eine zusammenfassende Stellungnahme.
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5. Januar 2012: Die "Bild"-Zeitung widerspricht Wulffs Aussage, er habe durch den Anruf bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann die Berichterstattung lediglich aufschieben wollen. Der Anruf habe das Ziel gehabt, den Bericht zu verhindern.
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13. Januar 2012: Medienrecherchen zufolge soll Wulff 2007 bei einem Flug mit seiner Frau und deren Sohn von Miami nach Frankfurt ein Upgrade in die Business-Class erhalten haben. Wulff Anwalt zufolge habe dieser das Upgrade wegen privat erworbener Bonusmeilen erhalten.
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19. Januar 2012: Wegen Korruptionsverdachts lässt die Staatsanwaltschaft Haus und Büros von Wulffs entlassenem Sprecher Olaf Glaeseker durchsuchen. Die Fahnder verschaffen sich auch Zugang zu Räumlichkeiten des Eventmanagers Manfred Schmidt, der zu Wulffs Zeit in Niedersachsen enge Kontakte zur Staatskanzlei in Hannover gehabt haben soll.
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8. Februar 2012: Der Filmunternehmer David Groenewold soll einen Luxus-Kurzurlaub auf Sylt zunächst bezahlt haben, berichtet die Bild-Zeitung. Wulff habe den Betrag später in bar beglichen, sagt dessen Anwalt Gernot Lehr. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft den Fall.
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16. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft beantragt, die Immunität des Bundespräsidenten aufzuheben, um gegen ihn ermitteln zu können. Es gebe es einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung gegen den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten, hieß es. Ermittelt wird in diesem Zusammenhang auch gegen den Filmfondsmanager David Groenewold, der mit Wulff unter anderem auf Sylt Urlaub machte.
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17. Februar 2012: Christian Wulff tritt zurück. In einer vierminütigen Rede im Schloss Bellevue weist er an der Seite seiner Frau Bettina alle Vorwürfe wegen möglicher Begünstigungen durch befreundete Unternehmer nochmals zurück, räumt aber Fehler rein. Zugleich gibt er zu, dass er das Präsidentenamt nicht mehr so wahrnehmen könne, "wie es notwendig ist".
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18. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft nimmt die Eermittlungen gegen Wulff wegen des Verdachts der Vorteilsnahme, bzw. Vorteilsgewährung auf.
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29. Februar 2012: Das Bundespräsidialamt teilt mit, dass Christian Wulff den Ehrensold bekomme - jährlich rund 200.000 Euro bis an sein Lebensende.
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9. März 2012: Wulff wird mit dem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr in Berlin verabschiedet. Die Feier wird von Protest begleitet. Demonstranten stören die Zeremonie mit Trillerpfeifen, Rufen und Vuvuzelas.
Vielmehr sei es ihr wichtig, die mediale Aufmerksamkeit in vollen Zügen zu genießen. "Es wirkt beinahe so, als müsse sie sich anstrengen, nicht offen zu lachen und das Publikum zu grüßen", sagt Günter Hübner überspitzt.
"Fast schon dreist"
Das betont selbstbewusste Auftreten und das süffisante Lächeln der früheren First Lady wirken auf Hübner nach eigenen Worten "fast schon dreist" und der Situation nicht angemessen. "Sie wirkt beinahe wie Marie Antoinette vor der französischen Revolution."
Denkt die PR-Beraterin an die goldene Marketing-Regel, dass auch schlechte PR gute PR ist? Bettina Wulff positionierte sich bei der Erklärung in Schloss Bellevue nicht hinter ihrem Gatten, sondern neben, beinahe sogar vor ihm. Auch nach der Ansprache wandte sich Bettina Wulff betont langsam von den Kamera-Objektiven ab und schritt in Richtung Ausgang. Der abgetretene Bundespräsident dagegen eilte mit gesenktem Kopf davon.
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