Die Mehrheit der privaten Gläubiger Griechenlands wollen sich am Schuldenschnitt für das hochverschuldete Land beteiligen. Für Bundeskanzlerin Merkel ein gutes Zeichen.

Die Bereitschaft der Gläubiger zum Anleihetausch sei ein «ermutigendes Ergebnis, das helfen wird, Griechenland auf Stabilitätskurs zu bringen», ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel über ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten. Wichtig sei nun, dass Griechenland die sich dadurch bietende Chance nutze und die vereinbarten Reformprogramme umsetze. Die Bundesregierung werde dabei «wie bisher auch in vielfältiger Form ihre Hilfe» anbieten.
Formal bedeutet der Schuldenschnitt zwar nur einen Forderungsverzicht von 53,5 Prozent. Wegen längerer Laufzeiten und niedrigerer Zinsen ergeben sich aber weitere Belastungen für die Gläubiger.
Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) wertete die Zustimmung der Privatgläubiger zum Schuldenschnitt als neue Chance für Griechenland. «Es gibt noch keinen Grund für Entwarnung, aber es gibt jetzt einen guten Grund für neue Zuversicht», sagte er in Berlin. «Das zeigt, dass sich die Dinge in Griechenland vorwärts entwickeln.» Das Land habe «jetzt die Chance für einen echten Neuanfang». Es zeige sich auch, «dass Europa in einer schwierigen Bewährungsphase handlungsfähig ist».
Westerwelle warnte vor Pauschalkritik an Griechenland. «Die Menschen in Griechenland, die derzeit diese Reformen schultern müssen, können nichts für das politische Versagen zuvor», sagte er. «Deswegen ist es wichtig, dass wir Solidarität und ausreichendes Fingerspitzengefühl zeigen, wenn wir über Griechenland und wenn wir mit Griechenland und den Bürgerinnen und Bürgern Griechenlands reden.»
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Griechenland aufgefordert, die zugesagten Reformen rasch umzusetzen. «Griechenland hat es selbst in der Hand, die Voraussetzungen zu schaffen, um wieder auf eigenen Beinen zu stehen», so der Vizekanzler in Berlin.
Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat den Schuldenschnitt für Griechenland gelobt. Er helfe, die Krise zu lösen.
Zuvor hatte das griechische Finanzministerium bekanntgegeben, dass im Zuge des Schuldenschnitts eine Zusage zum Umtausch von insgesamt 83,5 Prozent der griechischen Staatsanleihen in privater Hand vorliegt - bei den nach griechischem Recht aufgenommenen Schulden sind es demnach 85,8 Prozent. Mit dem Anleihetausch soll sichergestellt werden, dass sich auch private Gläubiger an den Kosten der Krisenbewältigung in Griechenland beteiligen.
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sieht im Schuldenschnitt für Griechenland ein «außergewöhnliches Zugeständnis der weltweiten Kreditgeber». Für Geldinstitute bedeute dies eine Abschreibung von rund 75 Prozent, sagte DSGV-Präsident Heinrich Haasis. «Das ist nicht in anderen Fällen wiederholbar.» Athen sei nun in der Pflicht, die bessere Ausgangslage zu einer durchgreifenden Sanierung zu nutzen. Die Eurozone müsse sicherstellen, dass Kreditverpflichtungen verlässlich erfüllt werden. Nur auf diese Weise könne wieder Vertrauen erworben werden.dpa/afp/AZ
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