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09. Januar 2012 20:57 Uhr

Bundespräsident

Merkel will nicht über Wulff-Nachfolger diskutieren

Ein Rücktritt des Bundespräsidenten ist für die Kanzlerin kein Thema, sagt ihr Sprecher. Wulffs Frau Bettina zeigt sich überraschend auf dem Neujahrsempfang eines Springer-Blattes.

Nächste Runde in der Mailbox-Affäre um Bundespräsident Christian Wulff: Wulffs Anwalt widersprach nun der "Bild". Die hatte behauptet, Wulff habe einen Artikel verhindern und nicht verschieben wollen.
Foto: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)  will nicht auf das Angebot der Opposition eingehen, . Merkel  sehe keinen Anlass, sich «über einen möglichen Rücktritt des  Bundespräsidenten  und eine mögliche Nachfolge Gedanken zu machen»,  sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Der Streit  zwischen Wulff und der «Bild»-Zeitung ging derweil weiter.

Trotz der Ablehnung aus dem Regierungslager bekräftigte  SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles das Angebot für eine  überparteiliche Kandidatensuche. Ein gemeinsamer Kandidat könne  dabei durchaus auch CDU-Mitglied sein, sagte Nahles in Berlin. Sie  warf Merkel vor, nur deswegen an Wulff festzuhalten, um ihre  «morsche Regierungszusammenarbeit mit der FDP am Leben zu erhalten».

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SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte am Wochenende eine gemeinsame  Kandidatensuche angeboten. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth sprach  sich für ein solches Vorgehen aus, um dem Amt wieder «moralische  Autorität» zu geben. Linken-Chefin Gesine Lötzsch wertete Gabriels  Vorschlag als Vorbote einer neuen großen Koalition in Berlin. Sie  glaube, dass durch das Angebot der SPD «schon die Richtung  angezeigt ist, was die SPD nach der Bundestagswahl anstrebt», sagte  Lötzsch. 

Merkel ließ durch ihren Sprecher Seibert klarstellen, dass sie  die Nachfolgedebatte für überflüssig hält. Seibert dementierte  zudem erneut, dass es eine Absprache der drei Koalitionspartner  über das Vorgehen bei einem Rücktritt Wulffs  gebe. Er dementierte  aber nicht, dass zu diesem Thema Beratungen stattgefunden hätten.

Merkel kommt zu Wulffs Neujahrsempfang auf Schloss Bellevue

Merkel selbst werde am Donnerstag an Wulffs Neujahrsempfang im  Schloss Bellevue teilnehmen, sagte Seibert. Sie freue sich «auf das  Wiedersehen mit dem Bundespräsidenten bei dieser Gelegenheit».

Wulffs Anwalt Gernot Lehr widersprach derweil Angaben der  «Bild»-Zeitung über den Inhalt der telefonischen Intervention des  Bundespräsidenten bei Chefredakteur Kai Diekmann Mitte Dezember.  Der Präsident habe mit dem Anruf den Bericht über seinen privaten  Hauskredit keineswegs verhindern wollen, sagte Lehr im  Deutschlandfunk. «Er hat versucht zu verschieben.»

Die « Bild» sieht in dem Anruf dagegen den Versuch, die kritische  Berichterstattung zu unterbinden. Vizechefredakteur Nikolaus Blome  bekräftigte am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Günther Jauch»: Der  Bundespräsident habe vielleicht das Verschieben als «Etappe»  gesehen, das Verhindern sei aber eindeutig das «Ziel» gewesen.

Bild kann Anruf veröffentlichen

Lehr stellte der «Bild»-Zeitung frei, den auf Diekmanns Mailbox  eingegangenen Anruf des Präsidenten zu veröffentlichen. Das  Präsidialamt habe der Veröffentlichung zwar widersprochen, aber  wenn die «Bild» ihn veröffentlichen wolle, «dann mag sie es tun»,  sagte Lehr. Es sei «nicht richtig, dass hier eine große Angst  besteht vor einer Veröffentlichung, aber es ist Angelegenheit der  'Bild'-Zeitung, diesen Tabubruch zu begehen.» Teile der Abschrift  wurden bereits in mehreren Medien veröffentlicht.

Der Bundespräsident steht wegen der Finanzierung seines  Privathauses bei Hannover in der Kritik. Wulff geriet zusätzlich  unter Druck, als sein Anruf bei «Bild» bekannt wurde und die «Bild»  öffentlich Wulffs Aussage widersprach, es sei dabei nur um eine  Verschiebung gegangen.

Trotz der Auseinandersetzung ihres Mannes mit der «Bild»-Zeitung scheint Bettina Wulff   keine Berührungsängste mit dem Springer-Konzern zu haben. Am Montag war sie Gast beim Neujahrsempfang des zu Springer gehörenden «Hamburger Abendblatts». Sie mischte sich unter die rund 1000 Gäste in Hamburg und war gefragtes Motiv für die Fotografen. Angesichts der Kredit- und Medienaffäre erhofft sich Bettina Wulff nach Angaben von abendblatt.de, dass wieder Ruhe für ihre Familie einkehre und sie gemeinsam mit ihrem Mann ihren Aufgaben nachgehen könne.  AZ, dpa, afp

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