Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy hat Korruptionsvorwürfe gegen ihn und Mitglieder seiner konservativen Volkspartei (PP) zurückgewiesen. «Ich habe niemals Schwarzgeld erhalten oder verteilt», sagte Rajoy am Samstag auf einer Vorstandssitzung seiner Partei. Einen Rücktritt, wie ihn hunderte Demonstranten seit Tagen vor dem Parteisitz in Madrid fordern, schloss er aus.
Rajoy will Einkünfte im Internet veröffentlichen
Er werde ab der kommenden Woche seine Einkünfte, sein Vermögen und andere relevante Informationen im Internet offenlegen, sagte Rajoy. Er versprach dabei in seinem Namen und dem Namen seiner Partei «größtmögliche Transparenz». Die spanischen Zeitungen «El Mundo» und «El País» hatten jüngst über den mutmaßlichen Schwarzgeldskandal innerhalb der PP berichtet. Es war das erste Mal, dass sich Rajoy nun dazu äußerte.
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»El País» zufolge zahlte die PP über Jahre Gelder von Unternehmern an Parteifunktionäre aus. Die Zeitung hatte handschriftliche Listen von ehemaligen PP-Schatzmeistern veröffentlicht, auf denen Summen auch an den heutigen Regierungschef vermerkt sind. Demnach soll Rajoy zwischen 1997 und 2008 jährlich rund 25.000 Euro aus Geldern erhalten haben, die vornehmlich Baufirmen der PP spendeten.
Auch Rajoys Partei weist Korruptionsvorwürfe zurück
»El Mundo» zufolge soll Rajoy die Praxis der Auszahlung der Spenden an führende Parteimitglieder 2009 beendet haben. Er selbst habe aber nie Zahlungen erhalten, berichtete die Zeitung - anders als «El País» - unter Berufung auf ehemalige Mitglieder der Parteiführung. Die PP hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.
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Österreich: Laut Prognosen steigt die österreichische Staatsverschuldung 2011 auf 73,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann, seit 2008 im Amt, steht in der Kritik. Allerdings nicht so sehr wegen der Schuldenkrise, sondern wegen Korruptions- und Untreuevorwürfen.
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Spanien: Mit einer Gesamtverschuldung von voraussichtlich 68,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes scheitert auch Spanien an den Maastricht-Kriterien.
Der sozialistische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero scheiterte an der Schuldenkrise. Er wird durch den konservativen Mariano Rajoy ersetzt.
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Zypern: Mit einer Schuldenquote von 62,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes scheitert das kleine Land nur knapp an der Maastricht-Hürde von 60 Prozent.
Dimitris Christofias ist seit 2008 Staatsoberhaupt und Regierungschef der Inselrepublik, die im Jahr 2004 Mitglied der Europäischen Union wurde.
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Slowenien: Auf 42,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden sich die slowenischen Schulden 2011 voraussichtlich belaufen. Damit bleibt das Land im vom Maastricht-Vetrag vorgegebenen Rahmen.
Bei den Wahlen im Dezember 2011 dürfte der sozialdemokratische Regierungschef Borut Pahor dennoch sein Amt verlieren.
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Slowakei: Die Slowakei gehört mit prognostizierten 44,8 Prozent Verschuldungsquote auch 2011 zu den stabileren Euro-Staaten.
Ministerpräsidentin Iveta Radicová kündigte im Oktober vorgezogene Neuwahlen an. Nur unter dieser Bedingung wollte die Opposition der Ausweitung des Euro-Rettungsschirms zustimmen.
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Portugal: Portugal ist mit geschätzten 101,7 Prozent Staatsverschuldung einer der Wackelkandidaten unter den Euro-Ländern. Pedro Passos Coelho ist seit Juni 2011 Premierminister. Er folgte auf José Sócrates, der im März nach einer gescheiterten Abstimmung über das Sparpaket seiner Regierung zurückgetreten war.
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Niederlande: Die Verbindlichkeiten wachsen bis zum Ende dieses Jahres voraussichtlich auf 63,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Aus den vorgezogenen Neuwahlen Ende 2010 ging der Liberale Mark Rutte als Sieger hervor. Seine Regierung wird vom Rechtspopulisten Geert Wilders toleriert.
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Malta: Der Inselstaat im Mittelmeer wird seine Schulden im laufenden Jahr nach bisherigen Prognosen bei 68 Prozent des Bruttoinlandsproduktes halten. Bereits seit mehr als sieben Jahren ist Lawrence Gonzi Regierungschef Maltas. Unter seiner Führung trat das Land im Mai 2004 der Europäischen Union bei.
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Luxemburg: Mit einer Gesamtverschuldung von etwa 17,2 Prozent der Wirtschaftsleistung in 2011 ist Luxemburg eines von nur fünf Ländern, die die Kriterien des Maastricht-Vertrages einhalten.
Auch politisch ist das kleine Land ein Hort der Stabilität. Jean-Claude Juncker ist bereits seit 1995 Premierminister.
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Italien: Seit Monaten wird über Rettungsgelder für Italien spekuliert. Die Staatsschulden steigen 2011 auf geschätzte 120,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Nach langem Tauziehen trat Ministerpräsident Silvio Berlusconi zurück. Nachfolger Mario Monti bildete eine Übergangsregierung.
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Irland: Irland hatte als erstes Land Rettungsgelder in Anspruch genommen. Die Staatsschulden steigen in diesem Jahr auf schätzungsweise 112 Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt). Regierungschef Brian Cowen stürzte über die Schuldenkrise. Seit März 2011 ist Enda Kenny irischer Ministerpräsident.
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Griechenland: Mit einer dramatischen Schuldenquote von 157,7 Prozent der Wirtschaftsleistung bringt Griechenland die Euro-Zone in die größten Schwierigkeiten. Seit November 2011 ist Lucas Papademos Regierungschef. Er löste Giorgos Papandreou ab, der wegen seines harten Sparkurses massiv unter Druck geraten war.
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Frankreich: Die französische Staatsverschuldung steigt weiter. In 2011 wird ein Wert von 84,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwartet. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat in der Krise an Rückhalt verloren. Bei den Wahlen 2012 droht ihm der Machtverlust.
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Finnland: Auf 50,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes schätzt die europäische Statistikbehörde Eurostat die finnische Staatsverschuldung in 2011. Der konservative Ex-Finanzminister Jyrki Katainen ist seit Juni 2011 Ministerpräsident. Er löste Mari Johanna Kiviniemi nach nur einem Jahr im Amt ab.
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Estland: Estland ist der Musterschüler unter den Euro-Ländern. Die Staatsschulden fallen 2011 voraussichtlich auf 6,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Der diplomierte Chemiker Andrus Ansip lenkt seit 2005 als Premierminister die Geschicke des nordeuropäischen Staates, der 2004 der EU beitrat.
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Deutschland: Deutschland gilt als Stabilitätsgarant in Europa. Mit einer Schuldenquote von 82,4 Prozent der Wirtschaftsleistung verstößt aber auch die Bundesrepublik gegen die Stabilitätskriterien. Angela Merkel (CDU) ist seit 2005 Bundeskanzlerin. Ihre Koalition hat seit der letzten Wahl deutlich an Zuspruch verloren.
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Belgien: Mit prognostizierten 97 Prozent Staatsschulden in Relation zur Wirtschaftsleistung gehört Belgien zu den Sorgenkindern. Seit Juni 2010 gibt es in Brüssel keine gewählte Regierung – ein unrühmlicher Weltrekord. Die Hoffnungen, dass sich daran bald etwas ändert, erhielten im November 2011 einen empfindlichen Dämpfer.
Seit Rajoys Name am Donnerstag in der «El País» auftauchte, protestierten zahlreiche Demonstranten vor dem Sitz der PP in Madrid. Die Proteste gingen nach Rajoys Auftritt weiter: Hunderte Menschen hielten Schilder mit der Aufschrift «Rücktritt» hoch und schwenkten Briefumschläge - als Symbol für die in Umschlägen versteckten angeblichen Schwarzgelder. «Auf der Rechten wie auf der Linken - alle stehlen: Es gibt keine Politik, die nicht korrumpiert wäre», sagte eine 66-jährige Teilnehmerin.
Mariano Rajoy: Online-Petition fordert seinen Rücktritt
Bis zum späten Samstagabend unterschrieben mehr als 700.000 Menschen eine Online-Petition, die den Rücktritt der PP-Führung einschließlich Rajoys fordert. Auch im Internet erntete der Regierungschef harsche Kritik für seine Rede: Viele warfen ihm vor, auf die Anschuldigungen nicht eingegangen zu sein und sich zudem vor seinem Parteivorstand geäußert zu haben, statt sich auf einer Pressekonferenz kritischen Fragen zu stellen.
Rajoy selbst sah sich als Opfer eine Kampagne. Er werde dem Druck nicht nachgeben und seine Arbeit, für die er gewählt worden sei, fortsetzen. Der 57-Jährige betonte, dass er nicht wegen des Geldes in die Politik gegangen sei. In dem eilig einberufenen Treffen mahnte er zudem seine Partei, sie dürfe nicht zulassen, dass ihre Landsleute, «denen wir so viele Opfer und Entsagungen abverlangen», den Eindruck bekämen, bei sich selbst sei die PP weniger streng.
Am Montag zu Besuch in Deutschland
Rajoy ist seit Dezember 2011 spanischer Ministerpräsident. Von 2004 bis 2011 führte er die PP in der Opposition. Von 1996 bis 2004 war er Innenminister unter José Maria Aznar. Die Regierung in Madrid steht wegen ihres harten Sparkurses in der Finanzkrise in der Kritik. Am Montag kommt Rajoy zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Berlin. dpa/AZ
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